http://www.faz.net/-gqu-74ejs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.11.2012, 16:16 Uhr

Spanien Moratorium für Zwangsräumungen

In Spanien müssen täglich rund 200 Wohnungen oder Büros geräumt werden, weil die Besitzer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können. Das sorgt für viele Probleme. Nun hat die Regierung ein zweijähriges Moratorium für Zwangsräumungen bei Geringverdienern beschlossen.

von , Madrid
© dpa Bekannte eines 53-jährigen Ladenbesitzers haben im Oktober Kerzen vor dessen geschlossenen Geschäft in Granada angezündet. Der Mann hatte Selbstmord begangen, kurz bevor sein Haus zwangsgeräumt werden sollte.

Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy hat jetzt ein zweijähriges Moratorium für Zwangsräumungen beschlossen. Das Dekret soll rasch in Kraft gesetzt werden und „besonders Bedürftige“ davor schützen, ihre Wohnung wegen unbezahlter Hypotheken zu verlieren. In diese Kategorie fallen kinderreiche Familien, Arbeitslose mit niedrigem Einkommen und Familien mit abhängigen Alten. Ihre Zahl wurde noch nicht genau spezifiziert.

Leo Wieland Folgen:

Die neue Regelung sieht unter anderem vor, dass säumige Schuldner in ihren Wohnungen bleiben dürfen, wenn sie eine reduzierte Miete zahlen. Außerdem soll ein sozialer Mietfonds geschaffen werden, mit dessen Hilfe Schuldner auch in Wohnungen, die Banken und Sparkassen gehören, „umquartiert“ werden können.

Die Banken hatten mit Hinweis auf Wettbewerbsverzerrungen Einwände gegen die Maßnahme vorgetragen. Die sozialistische Opposition, die sich nach mehrtägigen Verhandlungen einem Pakt mit der Regierung verweigerte, kritisierte das Moratorium als „bloßes Pflaster“. Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría sagte hingegen, dass man angesichts der akuten Probleme nicht länger abwarten konnte, sondern nach einer „dringenden Lösung“ suchen musste. Die Regelung gilt nur für Erstwohnungen. Ein beträchtlicher Teil der schon vollzogenen oder angekündigten Räumungen von bislang rund 400.000 Wohnungen betrifft hingegen Zweitwohnungen von Spaniern an Ferienorten oder auf dem Land.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Regierungskrise in Spanien Warum sich Empörte und Kommunisten vereinigen

Die zwei linkspopulistischen Parteien Spaniens haben sich zusammengeschlossen. Beide verfolgen für den Wahlkampf ein klares Kalkül. Mehr Von Leo Wieland, Lissabon

16.05.2016, 16:38 Uhr | Politik
Modellprojekt in Portugal Häftlinge bauen Gemüse für bedürftige Menschen an

In Portugal bauen Häftlinge Gemüse an, das anschließend an bedürftige Menschen verteilt wird. Das Modellprojekt macht Schule: Weitere Gefängnisse wollen sich der Initiative anschließen. Auch die Gefangenen profitieren von der Arbeit an der frischen Luft. Mehr

11.05.2016, 16:54 Uhr | Wirtschaft
Spanien Stier gewinnt

Die konservative Regierung verbietet das Töten der Stiere beim Kampf in Tordesillas, der sozialistische Bürgermeister kämpft dagegen. In Spanien verrutschten gerade ein paar geläufige politische Feindbilder. Mehr Von Leo Wieland, Madrid

22.05.2016, 15:05 Uhr | Gesellschaft
Madrid Regierungsbildung in Spanien gescheitert

Nach dem Scheitern der Regierungsbildung in Spanien werden die Wähler im Juni erneut an die Urnen gerufen. Mehr

01.05.2016, 12:38 Uhr | Politik
EU-Stabilitätspakt Jetzt wird um letzte Chancen gestritten

Der Ausgang der Diskussion über Spanien und Portugal ist offen. Bekommen die beiden Länder von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Sanktionen auferlegt – oder lässt die EU Milde walten? Mehr Von Werner Mussler, BRÜSSEL

18.05.2016, 06:47 Uhr | Wirtschaft

Verdächtige Vermögen

Von Holger Steltzner

Jeder soll künftig die Herkunft seines Vermögens nachweisen – so steht es in einer Beschlussvorlage des SPD-Vorstands. Was für ein Menschenbild haben die Sozialdemokraten? Mehr 32 174


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --