Home
http://www.faz.net/-hhm-74ejs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Spanien Moratorium für Zwangsräumungen

In Spanien müssen täglich rund 200 Wohnungen oder Büros geräumt werden, weil die Besitzer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können. Das sorgt für viele Probleme. Nun hat die Regierung ein zweijähriges Moratorium für Zwangsräumungen bei Geringverdienern beschlossen.

© dpa Vergrößern Bekannte eines 53-jährigen Ladenbesitzers haben im Oktober Kerzen vor dessen geschlossenen Geschäft in Granada angezündet. Der Mann hatte Selbstmord begangen, kurz bevor sein Haus zwangsgeräumt werden sollte.

Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy hat jetzt ein zweijähriges Moratorium für Zwangsräumungen beschlossen. Das Dekret soll rasch in Kraft gesetzt werden und „besonders Bedürftige“ davor schützen, ihre Wohnung wegen unbezahlter Hypotheken zu verlieren. In diese Kategorie fallen kinderreiche Familien, Arbeitslose mit niedrigem Einkommen und Familien mit abhängigen Alten. Ihre Zahl wurde noch nicht genau spezifiziert.

Die neue Regelung sieht unter anderem vor, dass säumige Schuldner in ihren Wohnungen bleiben dürfen, wenn sie eine reduzierte Miete zahlen. Außerdem soll ein sozialer Mietfonds geschaffen werden, mit dessen Hilfe Schuldner auch in Wohnungen, die Banken und Sparkassen gehören, „umquartiert“ werden können.

Die Banken hatten mit Hinweis auf Wettbewerbsverzerrungen Einwände gegen die Maßnahme vorgetragen. Die sozialistische Opposition, die sich nach mehrtägigen Verhandlungen einem Pakt mit der Regierung verweigerte, kritisierte das Moratorium als „bloßes Pflaster“. Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría sagte hingegen, dass man angesichts der akuten Probleme nicht länger abwarten konnte, sondern nach einer „dringenden Lösung“ suchen musste. Die Regelung gilt nur für Erstwohnungen. Ein beträchtlicher Teil der schon vollzogenen oder angekündigten Räumungen von bislang rund 400.000 Wohnungen betrifft hingegen Zweitwohnungen von Spaniern an Ferienorten oder auf dem Land.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verringerung der Schulden Spaniens Sparer meistern die Krise

Immobilien haben in der Krise in Spanien deutlich an Wert verloren. Trotzdem zählen Spanier weiterhin zu den emsigsten Häuslebauern. Mehr

24.07.2014, 08:35 Uhr | Finanzen
Neues Aufsichtsrecht Zu viele Sicherheiten werden zum Risiko

Das neue Aufsichtsrecht stellt die Finanzierung der Banken auf den Kopf. Die Institute müssen aufpassen, dass sie Gläubiger nicht verprellen. Mehr

22.07.2014, 21:15 Uhr | Finanzen
Die Vermögensfrage Änderungen bei Krediten treiben Banken und Kunden auf die Barrikaden

Klauseln über Widerruf von Darlehen und Berechnung der Entschädigungen sorgen auf beiden Seiten für Entrüstung und Streit. Mehr

12.07.2014, 10:03 Uhr | Finanzen