Home
http://www.faz.net/-hhm-74yb9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
 

Schuldenkrise Spanien erwägt Hilfsantrag

 ·  Nach dem überraschenden Rücktritt von Italiens Regierungschef Monti verdichten sich die Zeichen für einen offiziellen Hilfsantrag Spaniens. Der spanische Wirtschaftsminister De Guindos befürchtet, dass von Italien ein „Ansteckungseffekt“ ausgehen könnte.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (10)

Spanien prüft nach eigenen Angaben einen Antrag auf EU-Hilfen und wird die beste Entscheidung für das Land treffen. Wenngleich es einige Anzeichen für Optimismus mit Blick auf die spanische Wirtschaft gebe, hätten die Unwägbarkeiten rund um Italien einen Ansteckungseffekt auf Spanien, sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Montag in einem Radio-Interview.

„Es ist ein Instrument, das die spanische Regierung prüft, und wir werden die beste Entscheidung für Spanien treffen“, sagte De Guindos. Es gehe bei dem Hilfsantrag nicht nur darum, einen Knopf zu drücken. Die Auswirkungen auf die spanische und die europäische Wirtschaft müssten bedacht werden. Der Minister ergänzte, Spanien habe keine Pläne für zusätzliche Sparmaßnahmen. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr um 1,3 bis 1,4 Prozent schrumpfen.

Der italienische Regierungschef Mario Monti hatte am Samstag seinen Rücktritt angekündigt. Monti sollte die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der Schuldenkrise bringen.

Immer wieder war in den vergangenen Monaten über einen offiziellen Hilfsantrag Spaniens spekuliert worden. Spaniens Ministerpräsident Rajoy hatte jedoch immer wieder betont, dass er einen solchen Schritt bislang nicht für nötig halte. Erst in der vergangenen Woche hatte der spanische Notenbankchef prognostiziert, dass Spanien das Defizitziel für dieses Jahr verfehlt. Das Euroland plant 2012 mit einem Defizit von 6,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). „Es ist nicht ganz sicher, dass 6,3 Prozent erreicht werden“, sagte Zentralbankchef Luis Maria Linde. Vor einigen Tagen hatte schon Finanzminister Cristobal Montoro Hinweise darauf gegeben, dass das Ziel verfehlt werden könnte. Vielmehr verwies der Minister auf die Prognose der EU-Kommission, die von sieben Prozent ausgeht.

Am Kapitalmarkt stiegen die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen um 14 Basispunkte auf 5,63 Prozent. Händler begründeten den Anstieg mit dem Ausverkauf bei italienischen Anleihen nach dem angekündigten Monti-Rücktritt.

  Weitersagen Kommentieren (24) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Comeback am Finanzmarkt Riesiges Interesse an Griechen-Anleihe

Die Deutsche Bank hat mit dem Verkauf einer neuen griechischen Staatsanleihe begonnen. Es liegen bereits Gebote über 10 Milliarden Euro vor. Nach über vier Jahren wagt sich Griechenland damit an den Kapitalmarkt zurück. Mehr

09.04.2014, 17:04 Uhr | Finanzen
Neue Anleihe Hohe Zinsen gibt’s nicht nur aus Griechenland

Das angeschlagene Griechenland hat seine Anleihe unerwartet erfolgreich plaziert. 4,75 Prozent Zinsen sind verlockend. Doch die gibt es auch anderswo. Mehr

11.04.2014, 15:52 Uhr | Finanzen
Euro-Krise Portugal muss sich jetzt entscheiden

Vor drei Jahren bat Portugal um finanzielle Hilfe. Nun muss sich das Land entscheiden: Soll es den Schritt in die Unabhängigkeit wagen? Oder vorsorglich einen neuen Kredit aufnehmen? Mehr

11.04.2014, 12:30 Uhr | Wirtschaft

10.12.2012, 11:01 Uhr

Weitersagen
 

Die griechische Wette

Von Holger Steltzner

So viel Zuversicht war selten: Griechenlands Rückkehr an den Kapitalmarkt zum Besuch der Bundeskanzlerin wird als Wendepunkt gefeiert. In der Überwindung der Euro-Krise ist nun Halbzeit. Mehr 98 42