http://www.faz.net/-gqu-771n1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.02.2013, 15:00 Uhr

Schuldenkrise In Spanien zeichnet sich zweitgrößter Pleitefall ab

Die Krise am spanischen Immobilienmarkt hat weitere Auswirkungen. Der Immobilienentwickler Reyal Urbis hat Insolvenz angemeldet und droht zum zweitgrößten Pleitefall des Landes zu werden. Das Unternehmen hat 3,6 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

© REUTERS Immobilien im Angebot in Estepona an der Costa del Sol

Die Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt hat ein weiteres Unternehmen in den Abgrund gerissen: Der hochverschuldete Immobilienentwickler Reyal Urbis meldete am Dienstag Insolvenz an und könnte sich zum zweitgrößte Pleitefall des Landes auswachsen. Das Schicksal der Firma liegt nun in den Händen eines Gerichts. Zuvor waren Gespräche mit den Gläubigern - darunter die Großbanken Santander, BBVA und Bankia - über eine Umschuldung gescheitert. Bankia steckt bereits selbst in der Krise.

Reyal Urbis verwaltet Immobilien, darunter große Flächen noch ungenutztes Bauland. Diese waren Mitte 2012 mit 4,2 Milliarden Euro bewertet. Dem standen per Ende September Schulden von 3,6 Milliarden Euro gegenüber. Üblicherweise gilt ein Verschuldungsgrad von mehr als 60 Prozent als Grund zur Sorge. Während der spanischen Immobilienhausse gehörte der Konzern zum Star am heimischen Aktienmarkt. Reyal Urbis, hervorgegangen aus dem  Zusammenschluss der Immobilienfirmen Inmobiliaria Urbis und  Construcciones Reyal, und gehört mehrheitlich dem spanischen Immobilienmagnaten Rafael Santamaria. Bei einem Ausfall könnte Reyal Urbis nach Martinsa-Fadesa zum zweitgrößten Insolvenzfall Spaniens werden.

Mehr zum Thema

Faule Kredite belasten Banken immer mehr

Dem Unternehmen wurde wie so vielen anderen der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind. Und sie fallen weiter, denn Spanien steckt tief in der Rezession. Viele Familien können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen und auch der gewerbliche Mietmarkt mit Laden- und Büroflächen in den Großstädten ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Leerstand ist hoch.

Die sich häufenden faulen Kredite im Immobiliensektor belasten die Bankbilanzen. Spanien musste deshalb zur Rettung seiner Geldhäuser bereits 40 Milliarden Euro von den Euro-Partnern leihen. Entlastung soll nun die neu eingerichtete zentrale „Bad Bank“ bringen, bei der die heimischen Geldhäuser  ihre Altlasten abladen können, um die Bilanz zu reinigen. Die Konsequenz daraus ist allerdings, dass viele Banken die Geduld mit ihren Kreditnehmern verlieren. Reyal Urbis bekam dies nun zu spüren. Bereits am Freitag war aus Finanzkreisen verlautet, dass die Gläubiger den Umschuldungsvorschlag der Immobilienfirma ablehnen. Die Frist für eine Einigung läuft am Samstag aus.

Reyal Urbis hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, der Geschäftsbetrieb läuft nach spanischem Insolvenzrecht vorerst weiter. Doch Anleger haben das Unternehmen längst abgeschrieben: Die Reyal-Aktie ist seit 2007 quasi wertlos geworden - sie büßte seither 99 Prozent ein und kostet nur noch rund zehn Cent.

Quelle: Reuters, Dow Jones

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Internetplattform Debitos Mit faulen Krediten Geld verdienen

Über Debitos können Banken und Unternehmen zweifelhafte Forderungen verkaufen. Damit ist die Internetplattform ein Schrottplatz für notleidende Kredite – mit rasantem Wachstum. Mehr Von Markus Frühauf

22.04.2016, 12:21 Uhr | Finanzen
Panama-Affäre Diskussion um Steuer-Schlupflöcher

Mit Blick auf die Veröffentlichung der Panama Papers stehen die deutschen Geldhäuser in keinem guten Licht da. Denn nach ersten Einblicken in die Struktur hinter den Briefkastenfirmen wird klar, dass viele Banken dabei geholfen haben, Geld ins Ausland zu bringen. Mehr

11.04.2016, 16:35 Uhr | Politik
F.A.Z. exklusiv Diese Sparkassen haben die meisten faulen Kredite

Die F.A.Z. hat das Risikoverhalten aller deutschen Sparkassen ausgewertet. Es zeigt sich: Vor allem in einem Wirtschafts-Vorzeige-Bundesland haben sich die meisten schwarzen Schafe versteckt. Mehr Von Hanno Mußler und Jonathan Sachse

25.04.2016, 18:19 Uhr | Finanzen
Arbeitskreis Steuerschätzung Fünf Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen pro Jahr

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen in den Bundesländern können aufgrund der guten Konjunktur und hoher Beschäftigung auf mehr Steuereinnahmen hoffen als bislang erwartet. Für das Jahr 2016 rechnet der Finanzminister demnach mit Steuereinnahmen von 691,2 Milliarden Euro für Bund, Länder und Kommunen. Mehr

04.05.2016, 16:55 Uhr | Wirtschaft
Reform-Check Die Zwischenbilanz von Tsipras fällt dürftig aus

In Amsterdam tagt die Eurogruppe. Erste Stimmen äußern sich optimistisch. Dabei sind in Griechenland noch einige Baustellen offen. FAZ.NET macht den Reform-Check. Mehr Von Tobias Piller, Rom

22.04.2016, 10:16 Uhr | Wirtschaft

Grenzregime

Von Andreas Mihm, Berlin

Die deutsche Energiewende sorgt für Spannungen. Das Netz ist viel zu klein, die Nachbarn sind genervt. Es kommt auf den Netzausbau an - und den verzögern die Deutschen. Mehr 4 11


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --