Home
http://www.faz.net/-gqu-771n1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Schuldenkrise In Spanien zeichnet sich zweitgrößter Pleitefall ab

Die Krise am spanischen Immobilienmarkt hat weitere Auswirkungen. Der Immobilienentwickler Reyal Urbis hat Insolvenz angemeldet und droht zum zweitgrößten Pleitefall des Landes zu werden. Das Unternehmen hat 3,6 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

© REUTERS Immobilien im Angebot in Estepona an der Costa del Sol

Die Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt hat ein weiteres Unternehmen in den Abgrund gerissen: Der hochverschuldete Immobilienentwickler Reyal Urbis meldete am Dienstag Insolvenz an und könnte sich zum zweitgrößte Pleitefall des Landes auswachsen. Das Schicksal der Firma liegt nun in den Händen eines Gerichts. Zuvor waren Gespräche mit den Gläubigern - darunter die Großbanken Santander, BBVA und Bankia - über eine Umschuldung gescheitert. Bankia steckt bereits selbst in der Krise.

Reyal Urbis verwaltet Immobilien, darunter große Flächen noch ungenutztes Bauland. Diese waren Mitte 2012 mit 4,2 Milliarden Euro bewertet. Dem standen per Ende September Schulden von 3,6 Milliarden Euro gegenüber. Üblicherweise gilt ein Verschuldungsgrad von mehr als 60 Prozent als Grund zur Sorge. Während der spanischen Immobilienhausse gehörte der Konzern zum Star am heimischen Aktienmarkt. Reyal Urbis, hervorgegangen aus dem  Zusammenschluss der Immobilienfirmen Inmobiliaria Urbis und  Construcciones Reyal, und gehört mehrheitlich dem spanischen Immobilienmagnaten Rafael Santamaria. Bei einem Ausfall könnte Reyal Urbis nach Martinsa-Fadesa zum zweitgrößten Insolvenzfall Spaniens werden.

Mehr zum Thema

Faule Kredite belasten Banken immer mehr

Dem Unternehmen wurde wie so vielen anderen der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind. Und sie fallen weiter, denn Spanien steckt tief in der Rezession. Viele Familien können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen und auch der gewerbliche Mietmarkt mit Laden- und Büroflächen in den Großstädten ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Leerstand ist hoch.

Die sich häufenden faulen Kredite im Immobiliensektor belasten die Bankbilanzen. Spanien musste deshalb zur Rettung seiner Geldhäuser bereits 40 Milliarden Euro von den Euro-Partnern leihen. Entlastung soll nun die neu eingerichtete zentrale „Bad Bank“ bringen, bei der die heimischen Geldhäuser  ihre Altlasten abladen können, um die Bilanz zu reinigen. Die Konsequenz daraus ist allerdings, dass viele Banken die Geduld mit ihren Kreditnehmern verlieren. Reyal Urbis bekam dies nun zu spüren. Bereits am Freitag war aus Finanzkreisen verlautet, dass die Gläubiger den Umschuldungsvorschlag der Immobilienfirma ablehnen. Die Frist für eine Einigung läuft am Samstag aus.

Reyal Urbis hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, der Geschäftsbetrieb läuft nach spanischem Insolvenzrecht vorerst weiter. Doch Anleger haben das Unternehmen längst abgeschrieben: Die Reyal-Aktie ist seit 2007 quasi wertlos geworden - sie büßte seither 99 Prozent ein und kostet nur noch rund zehn Cent.

Quelle: Reuters, Dow Jones

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktienmarkt Europas Bankaktien machen Anleger nervös

Die Abhängigkeit von den Staaten erhöht die Ansteckungsgefahr für Banken. Griechenlands Krise trifft Geldhäuser deshalb stärker. Vor allem in einer Region. Mehr Von Hanno Mußler, Markus Frühauf, Manfred Schäfers

01.07.2015, 08:52 Uhr | Finanzen
IWF bestätigt Griechenland hat fällige Zahlung nicht überwiesen

Griechenland ist seiner 1,5 Milliarden Euro schweren Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Internationalen Währungsfonds nicht nachgekommen. Damit ist Griechenland ist der erste Industriestaat, der beim IWF Rückstände hat. An den Banken in Griechenland bildeten sich derweil lange Schlangen. Mehr

01.07.2015, 09:41 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Griechisches Parlament stimmt für Referendum

Die Abgeordneten haben mehrheitlich für die Volksbefragung votiert. In seiner Parlamentsrede rechnete Tsipras mit den Geldgebern ab und rief die Wähler dazu auf, gegen die Sparmaßnahmen zu stimmen. Der Tag der Wahrheit wird für die Gläubiger kommen, sagte er. Mehr

28.06.2015, 04:28 Uhr | Wirtschaft
Finanzkrise Ausnahmezustand wegen griechischer Schuldenkrise

Nach der Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise ist der Finanzsektor des Landes im Ausnahmezustand. Die Banken sollen bis mindestens 6. Juli geschlossen bleiben, einen Tag nach dem geplanten Referendum über die Forderungen von Griechenlands internationalen Gläubigern. Die Börse soll sogar frühestens am 8. Juli wieder öffnen. Ohne frisches Geld droht Griechenland binnen weniger Tage die Pleite. Mehr

29.06.2015, 12:24 Uhr | Politik
Schuldenkrise Sinn: Griechenlands Schicksal lehrt das Sparen

Nach den Bargeld-Beschränkungen in Griechenland setzt der Ökonom Hans-Werner Sinn darauf, dass Europa mit dem Geld besser umgeht. Mehr Von Christian Geinitz, Wien

30.06.2015, 21:12 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.02.2013, 15:00 Uhr

Riester-Republik

Von Johannes Pennekamp

Muss der Staat die private Altersvorsorge bezuschussen? Wenn ja, dann sollte er das für die Geringverdiener tun. Doch die Riester-Rente erreicht sie nicht. Mehr 12 14


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --