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Jugendarbeitslosigkeit in Spanien 19.000 Arbeitslose konkurrieren um elf Festanstellungen

Viele junge Spanier sind arbeitslos: Gerade sie stecken im Dickicht aus unzähligen Arbeitsvertragsformen und überbordender Bürokratie fest. Hier könnte die Regierung viel tun - ohne Geld von der EU zu brauchen.

© REUTERS Vergrößern Sechs Millionen Spanier suchen eine Stelle

Wie katastrophal die Lage am spanischen Arbeitsmarkt derzeit ist, hat sich in der vergangenen Woche im Madrider Prado gezeigt. Auf eine Ausschreibung des Kunstmuseums für elf Stellen als Museumswächter wurden 18.524 Bewerber offiziell zugelassen. Sie dürfen im Juni zu einem mehrstufigen Auswahlverfahren antreten. Das Grundgehalt für eine feste Stelle soll 13.000 Euro betragen - jährlich. Die Bewerberzahl verdeutlicht auch die tiefe Kluft in Spanien zwischen Festangestellten und befristet Beschäftigten. Für Arbeitsmarktexperten wie Marcel Jansen, Professor an der Madrider Universität Autónoma, liegt darin das wesentliche strukturelle Problem Spaniens: „Die festangestellten Mitarbeiter genießen einen extrem hohen Kündigungsschutz. Unternehmen weichen deshalb auf andere Beschäftigungsformen aus.“

Möglichkeiten gibt es unter den mehr als 40 verschiedenen Vertragsarten reichlich. Vor allem für Menschen im Alter von bis zu 30 Jahren können die Unternehmen unter verschiedenen Teilzeit- und Befristungsformen wählen. So können sie einen Arbeitsvertrag in „Teilzeit in Verbindung mit Fortbildungsmaßnahmen“ anbieten oder einen sogenannten „Praktikumsvertrag als Berufseinstieg“. Die Tücke liegt im Kleingedruckten. Die Fortbildung, etwa ein Sprach- oder Computerkurs, muss keineswegs mit den Anforderungen des Stellenprofils verbunden sein und darf bereits sechs Monate zurückliegen. Damit hätte sich aber auch die Notwendigkeit einer Teilzeitbeschäftigung erübrigt. Für den Praktikumsvertrag kann der Hochschulabschluss gleich welchen Fachgebiets bis zu fünf Jahre zurückliegen.

„Die jungen Spanier erreichen so das 30. Lebensjahr ohne eine stabile Basis für ihre berufliche Laufbahn“, warnt Jansen – falls sie überhaupt den Einstieg in den Arbeitsmarkt schaffen. Das Verhältnis der Jugendarbeitslosigkeit zur gesamten Arbeitslosigkeit liegt jedoch nahe dem Durchschnittsniveau der OECD. Das Problem ist also die gesamte Arbeitslosenrate von zuletzt 27 Prozent. Wie viele in der Schattenwirtschaft beschäftigt sind, bleibt unklar - sie macht in Spanien schätzungsweise ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts aus.

Bürokratischer Albtraum

„Statt grundlegende Reformen anzugehen und die Spaltung des Arbeitsmarktes zu überwinden ersinnt die Regierung immer neue Vertragsarten“, kritisiert Jansen, der in einer neuen Studie für die OECD die Auswirkungen der prekären Beschäftigungsformen auf die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien untersucht hat. Erst Ende Februar hat die spanische Arbeitsministerin Fátima Báñez 50 neue Maßnahmen für arbeitslose Jugendliche und Existenzgründer angekündigt und mit einer Flatrate von 50 Euro geworben. Mit der Senkung der Sozialabgaben auf  50 Euro will die Regierung Arbeitslose, die jünger als 30 Jahre sind, den Weg in die Selbständigkeit erleichtern und verspricht sich dadurch 30.000 neue Jungunternehmer bis zum Jahr 2016.

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