Home
http://www.faz.net/-gqe-6y0mj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.02.2012, 11:13 Uhr

Schuldenschnitt S&P bescheinigt Griechenland „teilweisen Zahlungsausfall“

Weil Athen seine Gläubiger notfalls per Gesetz zwingen will, beim Schuldenschnitt mitzumachen, hat die amerikanische Ratingagentur S&P die Bewertung Griechenlands auf „teilweise zahlungsunfähig“ herabgestuft. Ob nun auch Kreditausfallversicherungen fällig werden, dürfte sich in Kürze zeigen.

© dpa Die griechische Regierung reagiert gelassen auf die abermalige Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch Standard & Poor’s

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat die Bewertung des hoch verschuldeten Griechenlands abermals gesenkt. Angesichts des von der Regierung eingeleiteten Schuldenschnitts stufte S&P das Land auf „selective default“, teilte S&P am späten Montagabend mit.

Der Agentur zufolge wurde die Herabstufung nötig, weil Griechenland in der vergangenen Woche nachträglich Umschuldungsklauseln - so genannte „Collective-Action-Clauses“ - in die Begleitdokumente zu einigen Staatsanleihen eingeführt hatte. Mit deren Hilfe kann das Land Gläubigern Verluste aufzwingen, falls sie nicht freiwillig bei dem Schuldenschnitt mitmachen. Der „freiwillige“ Verzicht privater Gläubiger auf ausstehende Zahlungen ist Bestandteil des zweiten Rettungspakets für Griechenland.

Kreditausfallversicherungen könnten fällig werden

Schon bislang hatte die Ratingagentur Griechenland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Die neuerliche Herabstufung von der mangelhaften Note „CC“ auf einen „teilweisen Zahlungsausfall“ könnte aber Konsequenzen für Banken, Fonds und Hedge-Fonds haben, falls wegen dieser Herabstufung Kreditausfallversicherungen fällig werden.

Infografik / Griechenland Schuldenschnitt © F.A.Z. Vergrößern

Das ist aber nicht sicher, weil die abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen nicht automatisch fällig werden.Die International Swaps und Derivatives Association (ISDA), die darüber befindet, erklärte, sie werde am Mittwoch entscheiden, wie auf Anfragen auf Auszahlungen von Credit Default Swaps zu reagieren sei.

In den Euro-Staaten gibt es Besorgnis, dass eine umfangreiche Auszahlung von Kreditausfallversicherungen zu einem systemischen Problem im ohnehin unter Druck stehenden Finanzsystem führen könnte. Zwar sind griechische Staatsanleihen nur über eine Summe von netto rund 3,5 Milliarden Dollar über CDS abgesichert, brutto beträgt die Versicherungssumme jedoch rund 70 Milliarden Dollar, weil viele Banken CDS sowohl ge- als auch verkauft haben. Sollte nun eine Station in der Zahlungskette ausfallen, könnte ein Dominoeffekt entstehen.

© reuters, Reuters Griechenland-Herabstufung lässt Dax kalt

Die griechische Regierung mühte sich noch in der Nacht um Schadensbegrenzung: Die Herabstufung habe keinen Einfluss auf den Bankensektor des Landes, versicherte das Athener Finanzministerium. Die Zentralbank und folglich der Euro-Rettungsfonds EFSF hätten vorgesorgt. Die Bonität werde wieder aufgewertet, sobald der Schuldenschnitt vollzogen sei.

S&P hatte schon im Januar angekündigt, das Land nach einem Schuldenschnitt herabzustufen. Mit der Umschuldung über einen Anleihetausch sollen Banken, Versicherungen und Hedgefonds an der Rettung Griechenlands beteiligt werden. Privatgläubiger sollen auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten - insgesamt auf 107 Milliarden Euro.

„Diese Entscheidung wurde einkalkuliert“

Die Abstufung der Kreditwürdigkeit war nach Angaben des Präsidenten der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, eingeplant und kam „wie erwartet“. „Diese oder mögliche ähnliche Entscheidungen von Ratingagenturen waren rechtzeitig vorweggenommen und wurden in die Planung zur Privatgläubigerbeteiligung einkalkuliert“, sagte Juncker in der Nacht zum Dienstag.

Er nehme die Entscheidung von Standard & Poor’s „zur Kenntnis“. Der Chef der 17 Euro-Finanzminister zeigte sich zuversichtlich, dass viele private Gläubiger wie Banken oder Versicherungen an dem freiwilligen Schuldenschnitt mitmachen und auf ihre Forderungen an Griechenland verzichten werden. „Ich erwarte eine hohe Beteiligung privater Gläubiger.“

Die Rating-Agentur Moody’s hatte das Angebot Griechenlands am Montag als Anleihetausch in einer Notsituation gewertet, was gleichfalls den Tatbestand eines Zahlungsausfalls erfüllt.

Das Rating der wichtigsten Länder Interaktiv: Das Rating der wichtigsten Länder © F.A.Z. Interaktiv 

Die erneute Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands wirkt sich direkt auf die Refinanzierungsmöglichkeiten von Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aus: Der EZB-Rat beschloss, griechische Staatsanleihen sowie von Griechenland garantierte Wertpapiere vorübergehend nicht mehr als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren, teilte die Notenbank am Dienstag in Frankfurt mit. Das dürfte vor allem griechische Banken treffen, die besonders viele Griechenland-Bonds halten. Üblicherweise können diese bei der EZB als Pfand für Kredite hinterlegt werden.

Die EZB will Hellas dennoch weiter mit frischem Geld versorgen. Zunächst soll der Mittelbedarf über die Notfall-Liquiditätslinien des Eurosystems gewährleistet werden. Zudem dürften die Hellas-Bonds schon Mitte März wieder als Sicherheiten genutzt werden. Dann soll ein im Juli 2011 von den Euro-Staats- und Regierungschefs verabschiedetes Programm starten, mit dem griechische Bonds über den Rettungsschirm EFSF in „werthaltigere“ Papiere umgetauscht werden können - diese durch zusätzliche Sicherheiten aufgewerteten Papiere könnten dann bei der EZB als Pfand für Zentralbankgeld hinterlegt werden.

Mehr zum Thema

Quelle: tine., schä.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hybridanleihen Anleihe-Gläubiger der Deutschen Bank werden nervös

Nicht nur bei den Aktionären schrumpft das Vertrauen in die Deutsche Bank. Auch die Gläubiger einiger riskanter Anleihen werden nervös. Hat die Bank noch das Geld, um Zinsen zu zahlen? Sie hat jedenfalls großen Anreiz, das zu tun. Mehr Von Markus Frühauf

30.01.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Höhere Abgaben und Steuern Tsipras wirbt für Rentenreform in Griechenland

Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat im griechischen Parlament für seine Rentenreform geworben. Finanziert werden soll die Reform unter anderem durch höhere Abgaben und Steuern für Landwirte und Freiberufler. Mehr

27.01.2016, 16:10 Uhr | Wirtschaft
Bonitätsverlust Moody’s stuft Deutsche Bank herab

Wegen Änderungen im Insolvenzrecht verleiht die Ratingagentur Moody’s der Deutschen Bank eine schlechtere Einstufung. Der Ausblick sei negativ. Mehr

26.01.2016, 03:57 Uhr | Wirtschaft
Flüchtlingskrise Dramatische Rettungsaktion in der Ägäis

Vor der griechischen Insel Agathonisi haben Retter in der Nacht etwa 40 Flüchtlinge, die in Seenot geraten waren, aus dem Wasser gezogen. Unter den Schiffbrüchigen waren auch mehrere Kinder. Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Flüchtlinge, die täglich auf den griechischen Inseln in der Ägäis ankommen, deutlich gesunken. Mehr

16.01.2016, 14:44 Uhr | Politik
Mittelstandsanleihen Große Sorgen um German Pellets

Der Brennstoffhersteller German Pellets möchte von den Gläubigern eine Verlängerung der Laufzeit seiner Anleihe und eine Zinssenkung. Die Anleihenkurse sind stark gefallen. Mehr Von Martin Hock

26.01.2016, 16:29 Uhr | Finanzen

Wachstum ohne Schulden

Von Gerald Braunberger

Die Finanzkrise hat die Staaten dazu bewogen, durch höhere Schulden die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dass Wachstum auch ohne Schulden möglich ist, zeigt ein Blick ins Silicon Valley. Mehr 11 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --