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Veröffentlicht: 23.07.2011, 15:51 Uhr

Schuldenkrise Weitere Hilfen für Portugal und Irland sind absehbar

Europas Politiker haben zwar beteuert, das zweite Hilfsprogramm für Griechenland sei keine Blaupause für weitere EU-Länder. Doch schon jetzt ist absehbar, dass auch Portugal und Irland eine Aufstockung der bisher vorgesehenen Finanzhilfen benötigen könnten.

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Europas Politiker haben zwar beteuert, das zweite Hilfsprogramm für Griechenland sei keine Blaupause für weitere EU-Länder. Doch schon jetzt ist absehbar, dass auch Portugal und Irland eine Aufstockung der bisher vorgesehenen Finanzhilfen benötigen könnten. Ähnlich wie im Falle Griechenlands ist in beiden Hilfsprogrammen vorgesehen, dass Irland und Portugal im Jahr 2013 an den Kapitalmarkt zurückkehren und aus eigener Kraft private Gläubiger finden. Das scheint nach derzeitigem Stand jedoch zumindest fragwürdig.

Ob die Politiker bei ihren Beteuerungen bleiben, wird sich nicht erst zeigen, wenn neue Anleihen begeben werden, sondern bereits ein Jahr früher. Denn der Internationale Währungsfonds (IWF) darf an ein finanziell angeschlagenes Land nur dann weitere Hilfskredite auszahlen, wenn die Finanzierung des Staatshaushalts für mindestens zwölf Monate gesichert ist. Das war bei Griechenland im Juni nicht mehr der Fall, weshalb der IWF Alarm schlug. Das löste unter schweren Marktverwerfungen den politischen Prozess aus, der nun zur Aufstockung des griechischen Programms, zur Verringerung der Zinsen für die Notkredite und zum Teilerlass der Schulden durch einen Teil der privaten Gläubiger führen wird.

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Portugal muss im September eine Forderung über 10 Milliarden Euro begleichen

Der irische Finanzierungsplan sieht vor, dass die Regierung 2013 Anleihen für gut 12 Milliarden Euro begibt. Derzeit ist die Kreditwürdigkeit des Landes jedoch so gering, dass dies zumindest unwahrscheinlich erscheint. Irische Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit werden derzeit mit knapp 65 Cent je Euro Nennwert und einer Rendite von mehr als 11 Prozent gehandelt. Um neue Gläubiger zu finden müsste der irische Staat mindestens so hohe Zinsen bieten. Das würde jedoch auf dem Markt voraussichtlich als nicht nachhaltig und unglaubwürdig eingeschätzt.

Ähnlich ist die Situation für Portugal, dessen Anleihen mit mehr als 10 Prozent rentieren. Portugal soll laut Plan im Jahr 2013 Anleihen für rund 10 Milliarden Euro begeben. Diese Werte kennt auch der Internationale Währungsfonds und wird jeweils zwölf Monate vor den Terminen für die Rückkehr der Schuldenländer an die Märkte prüfen, ob das gelingen kann. Wenn sich die Finanzierungsbedingungen für Portugal und Irland bis dahin nicht grundlegend gebessert haben, dürften die nächsten Hilfen für die beiden Länder bevorstehen.

Wann das genau sein wird, lässt sich nur schwer abschätzen, weil in den Programmen für Irland und Portugal, anders als im griechischen, keine Vorgaben für einzelne Quartale festgeschrieben sind. Ein Indiz könnte jedoch sein, dass Irland am 18. April 2013 rund 6,3 Milliarden Euro für Zins und Tilgung einer Anleihe braucht. Portugal muss am 23. September 2013 aus dem gleichen Grund eine Forderung über 10 Milliarden Euro begleichen. Der IWF überprüft den Fortgang der Programme vierteljährlich. Im Falle Portugals ist die fünfte Überprüfung für den 15. September 2012 geplant.

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Von Heike Göbel

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