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Schuldenkrise : Wann kippt Deutschland?

Die Haftungssummen steigen, die Kritik wird lauter: Geht Kanzlerin Merkel zu hohe Risiken ein? Bild: dpa

Die Euro-Rettung wird immer teurer. Aber auch Deutschlands Kräfte sind nicht unbegrenzt. Die ersten Folgen spüren wir schon.

          Die vergangene Woche begann mit einem Erdbeben, ausgelöst von Moody’s, der amerikanischen Ratingagentur. Am Montag stellten die Analysten in Frage, ob der Schuldner Deutschland - bislang über jeden Zweifel erhaben - noch länger das Spitzenrating „AAA“ verdient. Am Mittwoch die nächste Erschütterung: Der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur, der Ifo-Geschäftsklimaindex, fiel deutlich und zum dritten Mal in Folge. Und die bislang vor Kraft strotzenden Dax-Konzerne? Ende vergangener Woche präsentierten Unternehmen wie Siemens und MAN kleinlaut ihre Zahlen. Die Bilanzen zeigen, dass die Euro-Eruptionen auch an ihnen nicht länger spurlos vorbeigehen.

          Absurd hohe Haftungsrisiken

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das alles zusammen ergibt ein klares Bild: Selbst der belastbarste Pfeiler in der Euro-Konstruktion bekommt erste Risse. Das bisherige Krisenmotto, Deutschland werde es am Ende schon richten, hat nicht länger Bestand - denn die hypothetischen Haftungszusagen für die Euro-Rettung entpuppen sich mehr und mehr als reale Bedrohung. Und im gleichen Atemzug drängen sich die Fragen auf: Wie lange kann Deutschland die Euro-Last noch stemmen? Und wann stürzt alles ein?

          Bei allen Unwägbarkeiten, die Krisen-Szenarien mitbringen, ist eines sicher: Deutschland haftet im Extremfall mit einer Summe, die den Bundeshaushalt mickrig aussehen lässt. 771 Milliarden Euro zahlt Deutschland bei einem Euro-Kollaps maximal, hat das Münchener ifo-Institut ausgerechnet. Zum Vergleich: Der Finanzminister hat gerade mal 306 Milliarden Euro zu verteilen.

          Griechenland wird Nebenschauplatz

          Es ist ein Betrag, der zusammenzucken lässt - und es ist ein Betrag, der zunehmend auf dem Spiel steht. Zum Beispiel in Griechenland. Kann Athen seine Schulden nicht mehr begleichen, koste das jeden Deutschen mindestens 1000 Euro, hat Ifo-Forscher Kai Carstensen ausgerechnet. „Fast 89 Milliarden Euro werden fällig, angenommen die Griechen sind zahlungsunfähig, verbleiben aber in der Eurozone“, sagt Carstensen. Tritt Griechenland bei einer Pleite aus, sei das für Deutschland um sieben Milliarden Euro günstiger. Die größten Posten in seiner Rechnung sind die Milliarden, mit denen Deutschland für den Rettungsfonds EFSF haftet, und die Verbindlichkeiten der Hellenen bei der EZB, für die auch die Deutschen geradestünden.

          Einen Irrtum begeht, wer diese Summe isoliert betrachtet - und sie deshalb für beherrschbar hält. Denn die einfache Rechnung, dass die deutsche Schuldenlast, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, durch einen Griechenland-Bankrott lediglich um etwa 3,5 Prozent steigt, geht nicht auf. Dabei wäre diese Lösung, jetzt da sich der Staat Geld quasi umsonst Geld leihen kann, auf den ersten Blick so verlockend: Die Pleite würde den Bund lediglich eine Milliarde Euro im Jahr kosten, streicht man das umstrittene Betreuungsgeld, hätte man die Summe locker wieder drin.

          Doch Griechenland ist längst zu einem Nebenschauplatz der Krise geworden. Die größte Gefahr für den Euro und die immensen Summen, die Deutschland zugesagt hat, lauert in Spanien. Die schlechten Nachrichten aus den klammen Provinzen treiben die Befürchtung, dass bald das ganze Land unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Und es könnte sogar noch schlimmer kommen: Mitte vergangener Woche sorgte ein Gutachten für Wirbel, das 17 international anerkannte Ökonomen vorlegten. Sie warnen eindringlich vor einem Zusammenbruch der Eurozone, auf den Europa und damit auch Deutschland „schlafwandelnd“ zu manövriere. Die Kosten? „Unkalkulierbar.“

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