Home
http://www.faz.net/-gqe-7564i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.12.2012, 18:53 Uhr

Schuldenkrise Standard & Poor ’s stuft Griechenland kräftig hoch

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bonitätsbewertung für Griechenland von „teilweisem Kreditausfall“ auf „B-“ erhöht. Die Staaten der Eurozone seien entschlossen, Griechenland in der Eurozone zu halten, teilte S&P als Begründung mit.

© dpa Bescherung vor Weihnachten - S&P stuft Griechenland hoch

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem erfolgreichen Anleihenrückkauf um mehrere Stufen angehoben. Die Bewertung erhöhe sich von einem teilweisen Zahlungsausfall („SD“) auf „B-“, teilte die Agentur am Dienstagabend mit. Dies entspricht einer spekulativen Anlage. Der Ausblick sei stabil.

S&P begründete den Schritt mit der starken Bestrebung der Euro-Partner, das Land in der gemeinsamen Währungszone zu halten. Athen hatte zuletzt Anleihen im Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro am Markt aufgekauft. Erst vergangene Woche hatten die Euro-Finanzminister nach monatelanger Hängepartie 49,1 Milliarden Euro an Notkrediten endgültig freigegeben.

S&P hatte Griechenland wegen des Schuldenrückkaufs Anfang Dezember herabgestuft, weil es dieses Vorgehen als teilweisen Zahlungsausfall bewertet. Die Note für die Kreditwürdigkeit des Landes wurde seinerzeit von „CCC“ auf „SD“ gesenkt. Damals hatte die Agentur aber angekündigt, die Bewertung für den Fall eines geglückten Rückkaufs wieder zu erhöhen.

Streiks für Mittwoch angekündigt

Griechenland hatte mit dem Abschluss dieser Aktion den Weg für die Hilfsmilliarden freigemacht. Mit dem Rückkauf von alten Staatsanleihen über 31,9 Milliarden Euro reduzierte Athen seine Schuldenlast auf einen Schlag um rund 20 Milliarden Euro. Viele Anleger wollten ihre Papiere, deren Wert in den vergangenen Jahren rasant gesunken war, zu akzeptablen Preisen von 30 bis 40 Prozent des Nennwertes zurückgeben.

Insgesamt sehen die internationalen Geldgeber für die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott aber große Risiken. In ihrem in Brüssel veröffentlichten Bericht äußert die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) Zweifel daran, dass Athen tatsächlich seinen Verpflichtungen nachkommt und die zugesagten Reformen verwirklicht. „Die Risiken für die Umsetzung des Programms bleiben sehr hoch“, heißt es. Probleme könnten durch die brüchige Regierungskoalition und den politischen Widerstand gegen manche Vorhaben entstehen. Die milliardenschweren Notkredite sollten dennoch wie geplant an Athen fließen.

Aus Protest gegen geplante Entlassungen wollen die Staatsbediensteten an diesem Mittwoch in Griechenland streiken. Schulen, Ministerien und Steuerämter sowie die Behörden der Städte sollen geschlossen bleiben. Auch Züge werden nicht fahren, wie die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ADEDY mitteilte. Das Motto laute: „Entweder Du kämpfst oder Du wirst entlassen“. Im Zuge der Einsparungen sollen in den nächsten Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete gehen.

Bereits seit Montag behandeln die Ärzte Patienten der staatlichen Krankenkassen nur gegen Barzahlung. Der Staat schuldet ihnen nach Angaben ihrer Gewerkschaft mehrere Millionen Euro. Schon seit zwei Wochen geben die griechischen Apotheker Medikamente nur noch gegen Bargeld aus. Hintergrund ist auch hier, dass die staatlichen Krankenkassen ihre Schulden bei den Apothekern seit Monaten nicht bezahlt haben sollen. Auch die Müllabfuhr streikt in vielen Städten des Landes.

Mehr zum Thema

Quelle: AFP, Reuters, dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kreditinstitut Deutsche Bank erwägt milliardenschweren Anleihenrückkauf

Die Deutsche Bank will einem Zeitungsbericht zufolge Anleihen im Wert mehrerer Milliarden Euro zurückkaufen. Das angeschlagene Institut könnte so einen Kapitalgewinn erzielen. Einige Aktionäre scheinen die Idee zu mögen. Mehr

09.02.2016, 23:42 Uhr | Wirtschaft
Athen Schwere Ausschreitungen bei Demonstration

In Griechenlands Hauptstadt Athen ist es zu Ausschreitungen bei einer Demonstration gegen die Sparmaßnahmen der Regierung gekommen. Zum Teil Vermummte Demonstranten bewarfen Sicherheitskräfte unter anderem mit Böllern, Brandsätzen, Steinen und Flaschen. Mehr

04.02.2016, 19:24 Uhr | Politik
Sigmar Gabriel Eine Ausgrenzung Athens würde die Debatte vergiften

Sigmar Gabriel warnt davor, Griechenland aus dem Schengenraum zu nehmen. Auch könne Deutschland nicht erwarten, dass ihm bei der Verteilung der Flüchtlinge geholfen werde, wenn es nicht mehr in Europa investiere, schreibt der Bundeswirtschaftsminister in der F.A.Z.. Mehr

14.02.2016, 18:42 Uhr | Aktuell
Guter Geschmack Bio-Gewürze sind gefragt

Der gute Geschmack bringt der deutschen Gewürzbranche einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro 2014. Die Kundschaft – vom Lebensmittelhersteller bis zum Hobby-Koch – verbraucht etwa 70.000 Tonnen Gewürze im Jahr. Mehr

10.02.2016, 16:40 Uhr | Stil
Zaghafte Besserung Arbeitslosigkeit in Griechenland geht weiter leicht zurück

Vor zweieinhalb Jahren hat die Arbeitslosigkeit in Griechenland ihren Höchststand erreicht. Seither geht sie langsam zurück, liegt aber noch immer bei knapp 25 Prozent. Mehr

11.02.2016, 17:44 Uhr | Wirtschaft

Notenbanker können nicht zaubern

Von Lisa Nienhaus

Der Dax hat im Vergleich zu seinem Börsenhoch im Vorjahr fast 30 Prozent verloren. Auf Hilfe von Notenbankern sollte sich die Finanzwelt dieses Mal nicht verlassen. Mehr 3 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --