http://www.faz.net/-gqe-763m7

Schuldenkrise : Schäuble und Draghi streiten über Zypern-Hilfe

  • Aktualisiert am

EZB-Chef Draghi widerspricht Finanzminister Schäuble in der Debatte um die Zypern-Hilfe Bild: dapd

Die Europäische Zentralbank warnt davor, die Schuldenkrise des kleinen Eurolandes Zypern auf die leichte Schulter zu nehmen. Laut einem Pressebericht soll es darüber zu einer Auseinandersetzung zwischen EZB-Präsident Draghi und Finanzminister Schäuble gekommen sein.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich in der Debatte über Hilfen für Zypern einem Medienbericht zufolge den Unmut des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) zugezogen. EZB-Chef Mario Draghi habe beim jüngsten Finanzministertreffen Anfang vergangener Woche der Einschätzung Schäubles widersprochen, die Inselrepublik sei nicht „systemrelevant“, eine Pleite des Landes bedeute also keine Gefahr für das Überleben der Eurozone. Draghi habe daraufhin gesagt, so etwas höre er allerorten von Juristen. Die Frage, ob Zypern systemrelevant sei oder nicht, sei aber keine, die Juristen beantworten könnten. Das sei Sache von Ökonomen. Schäuble ist promovierter Jurist.

          Unterstützung bekam Draghi dem Blatt zufolge von EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie dem Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Das Trio habe Schäuble entgegengehalten, dass die beiden größten Banken Zyperns ein ausgedehntes Filialnetz in Griechenland unterhielten. Wären ihre Einlagen nicht mehr sicher, könne die Verunsicherung der Sparer schnell wieder auf griechische Banken überspringen. Griechenland drohe damit ein ernsthafter Rückfall. Zudem würde eine Pleite Zyperns
          die positiven Nachrichten zunichte machen, die in jüngster Zeit für eine Beruhigung in der Eurozone gesorgt hätten, argumentierten Draghi und seine Kollegen dem Blatt zufolge. Alle Zeichen stünden seit Wochen auf Besserung. Diese Erholung könne sich wieder umkehren, würde Zypern der Geldhahn zugedreht.

          Die EZB warnt davor, die Schuldenkrise des kleinen Eurolandes Zypern auf die leichte Schulter zu nehmen. In normalen Zeiten sei Zypern als Mini-Volkswirtschaft nicht systemrelevant für die gesamte Eurozone, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der Athener Zeitung „Kathimerini“. „Aber ich glaube, wir befinden uns noch nicht in normalen Zeiten, und deshalb denke ich, dass ungeordnete Entwicklungen in Zypern den Fortschritt behindern können, den wir 2012 in Europa gemacht haben.“ Als besondere Gefahr sieht er Ansteckungseffekte in Griechenland, wo zyprische Banken stark engagiert sind.

          Der hoch verschuldete Inselstaat hatte im vergangenen Sommer einen Antrag auf Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds gestellt, weil seine Banken in Schwierigkeiten sind. Andernfalls drohe der Staatsbankrott. Allerdings wird eine Entscheidung über Hilfen frühestens nach den Wahlen auf Zypern im Februar erwartet. Als besonders problematisch gilt das Engagement russischer Anleger bei zyprischen Finanzinstituten. Das Land wehrt sich gegen Vorwürfe, dass es sich dabei auch um Geldwäsche handeln soll.

          Quelle: Reuters, dpa-AFX

          Weitere Themen

          FDP will mitregieren - unter bestimmten Bedingungen Video-Seite öffnen

          Bundestagswahl 2017 : FDP will mitregieren - unter bestimmten Bedingungen

          Eine Woche vor der Bundestagswahl hat FDP-Chef Christian Lindner Bedingungen für eine mögliche Regierungsbeteiligung seiner Partei aufgestellt. Neben einem Einwanderungsgesetz als Koalitionsbedingung machte Linder auf dem Parteitag in Berlin deutlich, dass die Liberalen eine Umwandlung der Eurozone in eine "Transferunion" nicht mittragen würden.

          Topmeldungen

          Die Linke im Wahlkampf : Kein Rezept gegen die AfD

          Die Linke hat ein strategisches Problem: In manchen Regionen Deutschlands tritt sie als Volkspartei an – und versinkt dabei im politischen Establishment. Besonders deutlich wird das in ihren brandenburgischen Hochburgen.
          Melancholisch oder entspannt? Sigmar Gabriel bei den Vereinten Nationen in New York

          Sigmar Gabriel bei den UN : Ende einer Dienstreise?

          Für Sigmar Gabriel geht es bei seinem Auftritt vor den Vereinten Nationen auch um die eigene Zukunft. Wenige Tage vor der Wahl stellt sich für den Außenminister die Frage: War es das schon für den derzeit beliebtesten Sozialdemokraten?

          Edmund Stoiber im Interview : „Gauland steht für völkisch-dumpfes Niveau“

          Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise kritisierte Edmund Stoiber die Kanzlerin scharf – jetzt findet er nur noch lobende Worte für Angela Merkel. Ein Gespräch über politische Konkurrenz rechts neben der CSU, das Klima in der Union und seine legendäre Transrapid-Rede.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.