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Veröffentlicht: 22.03.2013, 08:40 Uhr

Schuldenkrise Russische Banken scheuen Beteiligung an zyprischen Banken

Die zyprischen Banken stehen praktisch vor der pleite, heißt es. Der Einstieg russischer Banken könnte vielleicht noch helfen. Doch die russischen Finanzinstitute winken ab: Die Risiken seien zu groß.

von Benjamin Triebe, Moskau
© F.A.Z.

Im Falle einer Rettung zyprischer Banken mit Hilfe des Kremls würden wichtige russische Finanzinstitute es ablehnen, eine führende Rolle zu übernehmen. Die Vizepräsidentin der Gasprombank, Russlands drittgrößten Kreditinstituts, bekundete am Donnerstag ihr Desinteresse: Die Risiken seien zu groß und die Qualität der dortigen Bankbilanzen fragwürdig, sagte Catherine Mills in einem Fernsehinterview. Die Gasprombank, die eng mit dem staatlich kontrollierten Erdgaskonzern Gasprom verbunden ist, verhandele nicht über Zukäufe auf der Mittelmeerinsel. Auch die zweitgrößte, vom Kreml kontrollierte Bank VTB sei nicht am Erwerb zyprischer Bankanteile interessiert, wie ihr Chef Andrei Kostin am Donnerstag mitteilte.

Kostins Bank hat dabei in Zypern das größte russische Eisen im Feuer: Nach Daten des Institute of International Finance (IIF) gehören 23 Prozent der Vermögenswerte im zyprischen Bankensektor den Tochtergesellschaften ausländischer Kreditinstitute, mehrheitlich griechischen sowie einer großen russischen Bank. Dabei handelt es sich um die VTB, die auf Zypern die Russian Commercial Bank (RBC) unterhält. Wie VTB-Vizechef Wassili Titow am Donnerstag verlauten ließ, sei die RBC die drittgrößte Bank auf der Insel, gemessen an ihren Vermögenswerten von rund 14 Milliarden Euro im Jahr 2012. RBC habe vergangenes Jahr einen Gewinn von fast 100 Millionen Euro gemacht und brauche in der gegenwärtigen Krise weder zusätzliches Eigenkapital noch Liquidität. Wie schon Kreml-Chef Putin bezeichnete Titow die vorgeschlagene Zwangsabgabe auf zyprische Kontoguthaben als unfair und warnte, Zyperns Enteignungsbestrebungen würden „nirgendwohin“ führen. Sollte die umstrittene Abgabe eingeführt werden, werde VTB die Präsenz auf der Insel überdenken.

23702757 © AP Vergrößern Eine Schlange vor dem Geldautomaten der Laiki Bank in Nikosia.

Schon am Mittwoch hatte die Bank versichert, die RBC sei nur für rund 3 Prozent ihres Reingewinns verantwortlich. Selbst im schlimmsten Fall (wohl der Zahlungsunfähigkeit der RBC) würden sich die Verluste für die VTB auf mehrere 10 Millionen Euro beschränken. Inzwischen gilt jedoch vielen russischen Bankern nicht mehr das Gespenst der Zwangsabgabe als dringendstes Problem, sondern der Ausschluss Zyperns aus dem internationalen Finanzstrom. Alle Banken sind geschlossen, Russland kommt nicht an sein Geld. Die Ratingagentur Moody’s Investors Service schätzt die Forderungen russischer Banken an zyprische Institute auf 12 Milliarden Dollar per Ende 2012. Dieses Engagement war in den vergangenen Jahren stark gewachsen und ist nun so groß wie rund 6 Prozent des Eigenkapitals des russischen Bankensektors (siehe Grafik oben).

Der wiederum ist stark zersplittert, und es darf vermutet werden, dass von den Hunderten kleiner Regionalbanken, die über das ganze Land verteilt sind, viele im eigenen Interesse oder im Auftrag von Privatpersonen und Unternehmen Geschäfte über Zypern abwickeln. Auch weil Bankgeschäfte in Russland sehr kompliziert sind, lenken viele im Lande tätige Firmen ihr Kapital über die „Clearingstelle“ Zypern. Es verwunderte daher nicht, als VTB-Chef Kostin am Donnerstag sagte, sein eigentliches Interesse in der Zypern-Frage sei ein anderes: Zypern müsse so schnell wie möglich wieder den Zahlungsverkehr erlauben und die Abwicklung der Bankgeschäfte der Kunden zulassen. Nicht nur haben russische Unternehmen laut Moody’s rund 19 Milliarden Dollar in zyprischen Banken plaziert - auf Zypern domizilierende Firmen schulden Unternehmen in Russland enorme Beträge: Die Ratingagentur schätzt das Volumen auf 30 Milliarden bis 40 Milliarden Dollar zum Jahresende 2012 (bis zu 20 Prozent des Eigenkapitals russischer Banken). Normalerweise wird dieses Geld nach einiger Zeit wieder nach Russland transferiert. Doch jetzt ist eine wichtige Station des „innerrussischen“ Kapitalflusses blockiert.

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Quelle: F.A.Z.

 

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