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Schuldenkrise Professor Euro

Clemens Fuest will Hans-Werner Sinn die Deutungshoheit in der Eurodebatte abringen. Der liberale Mannheimer Ökonom lehnt es ab, die schwachen Länder aus dem Euro zu werfen.

© Kretzer, Michael Vergrößern Clemens Fuest ist seit März Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZWE) in Mannheim

Wenn man Clemens Fuest an seiner neuen Wirkungsstätte in Mannheim besucht, dann erkennt man schon von weitem, in welcher Mission er hier forscht. „Euro-Bistro“ steht auf einem Schild am Gebäude des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dessen Präsident Fuest seit neustem ist. Gemeint ist die Kantine des Instituts. Und vor dem Haus hisst man selbstbewusst die europäische Flagge: zwölf fünfzackige goldene Sterne vor azurblauem Hintergrund.

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Hier, das ist klar, sitzt nicht nur eine der größten Denkfabriken Deutschlands. Hier sitzt ein „Think Tank“ für Europa, den Fuest leitet. Der 44 Jahre alte Ökonom mit dem blonden Kurzhaarschnitt und dem kantigen Gesicht ist Vorgesetzter von 180 Mitarbeitern und kann über einen Jahresetat von rund 20 Millionen Euro verfügen - außergewöhnlich viel für ein Forschungsinstitut. Vor allem aber gibt ihm der Posten Gewicht in einer Debatte, die Fuest gezielt zu seinem Thema gemacht hat: in der Debatte um die Zukunft des Euro.

Fuest ist Euroverteidiger. Er hat die Rolle übernommen, als renommierter liberaler Ökonom in Deutschland für den Fortbestand der Eurozone zu werben. Er äußert sich durchaus kritisch über die Euro-Rettungspolitik von Regierungen und Europäischer Zentralbank. Er lehnt es aber ab, die schwachen Länder Südeuropas aus dem Euro zu werfen: kein „Grexit“, kein Tschüss für Zypern.

Damit distanziert Fuest sich nicht nur von der Partei „Alternative für Deutschland“ und jener nicht unbeträchtlichen Schar von Wirtschaftsprofessoren, die ihr nahestehen. Darin unterscheidet er sich vor allem von seinem wichtigsten Konkurrenten um die mediale Aufmerksamkeit: von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, dem Talkshow-Dauergast mit Bart, dem wohl bekanntesten deutschen Ökonomen.

Bis vor kurzem kommentierte Fuest die Euro-Krise noch aus sicherer Entfernung. Bis zum Jahresanfang war er Professor in Oxford. Dort genoss er das anregende akademische Klima. Und machte am Wochenende mit seiner Frau, einer Kolumbianerin, gern Abstecher im sympathisch unaufgeräumten Familienwagen zu den sehenswerten Adelssitzen und Schlössern der britischen Insel.

In dieser Zeit machte Fuest sich einen Namen durch prägnante Analysen der Euro-Krise. Und beriet Finanzminister Wolfgang Schäuble etwa bei der Einführung der Schuldenbremse. Schon länger galt er deshalb als Anwärter auf einen attraktiven akademischen Posten in Deutschland.

Wenn Fuest sich in dieser Zeit zu Wort meldete, gab es auch Seitenhiebe für die Bundesregierung. So wandte er sich im Sommer 2010, damals noch Seit’ an Seit’ mit Hans-Werner Sinn, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegen die Verlängerung der Milliarden-Rettungspakete: Sie verzögerten dringend notwendige Strukturreformen in den Krisenstaaten.

Inzwischen sieht Fuest offenbar eher die Notwendigkeit, den Fortbestand des Euro zu verteidigen. Gemeinsam mit vier Kollegen kritisierte er in der „Süddeutschen Zeitung“ die Forderung der „Alternative für Deutschland“ nach einer Auflösung des Eurowährungsgebietes: „Wir halten das für den falschen Weg und plädieren dafür, die Währungsunion in ihrer jetzigen Zusammensetzung zu bewahren und die Probleme durch Reformen zu lösen.“

Fuest bekommt für seine Euroverteidigung zwar noch nicht ganz so viel mediale Aufmerksamkeit wie Sinn für seine Eurokritik. Aber er holt auf, wie Analysen der Agentur Media Tenor von 9000 Ökonomen-Zitaten in führenden Medien zeigen (siehe Grafik). In den ersten fünf Monaten dieses Jahres war Fuest nach Sinn der am zweithäufigsten zum Thema Euro-Krise zitierte deutsche Ökonom. Und im Juni liegt er bislang sogar vor ihm.

Infografik / Fuest gegen Sinn / Erwähnung in führenden Medien © F.A.Z. Vergrößern Clemens Fuest fand im Juni zwölfmal Erwähnung, Hans-Werner Sinn nur noch siebenmal

Auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hörte in seiner mündlichen Verhandlung zur Verfassungsbeschwerde gegen Euro-Rettungsschirm und EZB-Anleihekäufe vor zwei Wochen beide Ökonomen als Sachverständige an. Ohne die zwei geht offenbar nichts mehr in Sachen Euro.

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Veröffentlicht: 24.06.2013, 07:20 Uhr