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Schuldenkrise : Griechischen Großbanken droht das Aus

  • Aktualisiert am

Gedränge vor einer griechischen Bank Bild: Reuters

Selbst wenn Griechenland gerettet wird, dürften wohl nicht alle griechischen Großbanken überleben. Einem Bericht zufolge könnten wichtige Institute zusammengelegt werden. Doch in Athen regt sich Widerstand.

          Bis heute um Mitternacht muss die griechische Regierung neue Reformvorschläge präsentieren, um Hilfe im Rahmen eines dritten Hilfsprogrammes zu bekommen.  Doch selbst bei einer Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland könnte Insidern zufolge ein Umbruch in der Bankenbranche des Euro-Staates anstehen. Mehrere große Institute müssten wohl geschlossen werden und mit stärkeren fusionieren, sagten mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

          Einer der Insider sagte, am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank noch zwei bestehen bleiben. Einem zweiten Insider zufolge sind zwar Fusionen von Banken notwendig. Ein Umbau der Branche könne aber über eine längere Zeit hinweg erfolgen.

          Die griechischen Banken sind unterkapitalisiert und seit langem nur noch wegen der Notkredite durch die Europäische Zentralbank (EZB) zahlungsfähig. Sie konnten deren Stresstests im vergangenen Jahr nur bestehen, weil der Staat ein Gesetz verabschiedete, mit dem Kapital quasi aus dem Nichts geschaffen wurde. Die Banken erhielten auf diesem zweifelhaften Weg frisches Kapital. Die Rede ist von aktiven latenten Steuern oder Verlustvorträgen. Diese machen am harten Eigenkapital der Piräus Bank oder der Eurobank mehr als die Hälfte aus. Bei der Alpha Bank ist es über ein Drittel, bei der National Bank of Greece 41 Prozent. Dieses Eigenkapital, das den Banken als Verlustpuffer dient, besteht also größtenteils aus Steuerforderungen gegenüber einem Staat, der ohne neue Hilfsprogramme zahlungsunfähig ist.

          Widerstand in Athen

          Ein Restrukturierung der Branche würde wohl auf heftigen Widerstand bei der Regierung in Athen stoßen, denn neben Kosteneinsparungen ist damit auch ein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden. Einer der Insider sagte, falls ein Rettungspaket geschnürt werde, müsse sofort gehandelt werden. „Zypern könnte ein Vorbild sein.“ Im Zuge des Reformprogramms für den Inselstaat war eine der zwei großen Banken dort geschlossen worden.

          Der Umbau würde den Insidern zufolge mit einer Stärkung der Kapitaldecke der stärksten Institute beginnen. Danach könnten die Planungen im Detail erarbeitet werden. 

          Zweistelliger Milliardenbetrag nötig

          Die griechischen Institute sind schwer angeschlagen, auch weil viele Kunden aus Angst vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ihre Konten leergeräumt haben.Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass den Banken mit einem zweistelligen Milliardenbetrag geholfen werden muss.

          Würden Banken geschlossen, wären dafür die griechischen Behörden verantwortlich. Die Überwachung liegt bei der Europäischen Zentralbank. Beim griechischen Finanzministerium war zunächst keine Stellungnahme zu den Informationen zu erhalten. Die EZB erklärte, ihre Bankenaufsicht beobachte die Lage genau und stehe in ständigem Kontakt mit der griechischen Notenbank.

          Wie das Finanzministerium am späten Mittwochabend mitteilte, wurden die Bankenschließungen in dem Land bis einschließlich Montag verlängert. Auch die Kapitalverkehrskontrollen dauern entsprechend an. Diese waren Anfang voriger Woche in Kraft getreten und sollten ursprünglich am Mittwochabend auslaufen. Pro Tag können die Griechen weiterhin höchstens 60 Euro von ihren Konten abheben, wie es in einem Bericht des Staatsradios hieß. Überweisungen ins Ausland sind nur mit Genehmigung der Zentralbank und des Finanzministeriums möglich. Die Chefin des griechischen Bankenverbandes Louka
          Katseli bemüht sich zu versichern, dass die Geldautomaten der griechischen Banken noch bis Montag gefüllt werden können.

          Am Montag wird die EZB über die derzeit für griechische Banken lebensnotwendigen ELA-Notfallkredite entscheiden.

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