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Schuldenkrise : Die Suche nach Europas „Zombiebanken“ beginnt

Der EZB-Neubau mit Graffiti auf dem Bauzaun: In manchen Bankbilanzen lauert wohl noch Schreckliches. Bild: REUTERS

Bald durchforstet die Europäische Zentralbank die Bilanzen von 130 Großbanken nach faulen Krediten und wertlosen Posten. Heikle Fragen sind noch offen: Was, wenn sie fündig wird?

          Die Europäer haben ihre Bankenkrise verschleppt, so viel steht heute fest. Das ganze Elend verdichtet sich in einer einzigen Kennziffer, die den Ökonomen der Europäischen Zentralbank besondere Kopfschmerzen bereitet: Bei nur 0,7 liegt das Verhältnis von Markt- zu Buchwert im Durchschnitt der europäischen Banken. Das heißt, dass Anleger den realen Wert der Banken am Aktienmarkt auf nur gut zwei Drittel dessen taxieren, was an Vermögen in ihren Büchern steht. Oder sie sehen die künftige Ertragskraft der Banken als dauerhaft erheblich geschwächt an. Außerhalb des Euroraums beträgt das Kurs-Buch-Verhältnis ungefähr eins - das ist ein gesunder Wert.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ganz offensichtlich müssen in den Bilanzen der europäischen Banken noch zahlreiche nicht offengelegte faule Kredite und Verluste schlummern. Im schlimmsten Fall sind einige Banken eigentlich insolvent, ohne Aussicht auf Besserung. Fachleute sprechen dann von „Zombiebanken“, die nur noch durch billiges Zentralbankgeld am Leben gehalten werden. Besonders tückisch ist, dass solche eher unheilbar kranke Banken auch die Unternehmenswelt um sich herum wirtschaftlich infizieren, wie man das in Japan in den neunziger Jahren erlebt hat, weil sie faule (Immobilien-)Kredite lieber verlängern anstatt sie abzuschreiben und damit die ökonomische Misere verschleiern und verlängern.

          EZB-Direktor Mersch: Der Wahrheit ins Gesicht schauen

          In Europa herrscht jetzt ein bizarrer, da verzerrter Wettbewerb zwischen gesunden und kranken Banken, auch wenn Beispiele selten in die Öffentlichkeit gelangen. Vor kurzem aber klagte ein deutscher Sparkassen-Vorstand, dass eine italienische Bank zunächst auf eine Forderung gegenüber einem Unternehmenskunden verzichtet habe, dann aber den Kredit zu günstigen Konditionen verlängert und sich einen „Debtor Warrant“ ausstellen ließ. Dieser Besserungsschein nenne „utopische“ Bedingungen, unter denen die Forderung wieder auflebt. Der Sinn der den Tod nur hinauszögernden Operation: Der Wirtschaftsprüfer in Italien verlangt so keine Abschreibung.

          Die meisten Staaten außerhalb des Euroraums, vor allem die Amerikaner, haben die Probleme ihrer Finanzinstitute früher und ehrlicher bereinigt. Das beklagt auch die EZB inzwischen immer drängender. An einer „Grundsanierung des Bankensektors“ hänge die wirtschaftliche Zukunft, denn 80 Prozent der Unternehmensfinanzierungen in Europa erfolgten über den Bankensektor, betonte der aus Luxemburg stammende EZB-Direktor Yves Mersch jüngst in einer Rede. Kranke Banken können kaum neue Kredite vergeben und lähmen insgesamt die Wirtschaft.

          Die EZB hat mit der künftigen Bankenaufsicht eine Mammutaufgabe übernommen. Mersch spricht von der „ultimativen Herausforderung unserer Zeit“. Am 2. November soll (sofern eine neue britische Rechtsprüfung keine weitere Verzögerung bringt) der Startschuss erfolgen und die heiße Phase des Aufbaus der einheitlichen europäischen Bankenaufsicht beginnen. Dann sollen alle rechtlichen Grundlagen feststehen. Anfang 2014 beginnt die EZB mit einer umfassenden Bilanzprüfung für jene ungefähr 130 Großbanken, die künftig unter ihrer direkten Aufsicht stehen Ziel der Übung: Transparenz über ihre wirklichen Vermögenswerte und Risiken herstellen. Man wolle „der Wahrheit ungeschminkt ins Gesicht schauen“, sagt Mersch. Man will die Kapitallücken in den Banken aufdecken.

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