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Schuldenkrise Die Angst vor der Inflation

 ·  EZB-Präsident Mario Draghi will den Zerfall des Euro verhindern. Als Folge seiner neuen Politik droht Inflation. Erste Banken bereiten ihre Kunden darauf vor, dass es bald losgeht.

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© dpa Vergrößern Sieht stürmischen Zeiten entgegen: die gerade im Bau befindliche neue EZB-Zentrale in Frankfurt

Mario Draghi lässt derzeit die Märkte jubeln. Seit der Präsident der Europäischen Zentralbank Anfang September angekündigt hat, die Notenbank werde notfalls unbegrenzt Anleihen notleidender Eurostaaten aufkaufen, um den Euro zu retten, scheint die Krise wie weggeblasen. Der Dax steuert euphorisch auf die Marke 8.000 zu - und die Kurse der Staatsanleihen südeuropäischer Länder erholen sich etwas.

Aber war da nicht noch was? Hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht unermüdlich gewarnt, eine solche Politik, wie die EZB sie jetzt betreibt, gefährde die Stabilität des Euro? Jetzt ist die Notenbank genau auf dem Kurs, von dem der deutsche Notenbanker so hartnäckig abgeraten hat. Und wird sogar noch von den Notenbanken in Amerika und Japan flankiert, die ihre Geldschleusen auch weit geöffnet haben.

Die große Frage vieler Menschen lautet: Wohin führt das alles? Ist der Weg in die Inflation unausweichlich? Und wenn ja: Wann kommt sie und in welcher Höhe?

Bisher kein Weltuntergang

Die Angst vor der Inflation zumindest erreicht in Deutschland gerade außergewöhnliche Dimensionen. In Umfragen geben mehr Menschen an, sich vor Inflation zu fürchten als vor schlimmen Krankheiten, brutalen Verbrechen, der Trennung vom Partner, Einsamkeit im Alter oder sogar einem Krieg. Dem steht entgegen, dass die Inflation bislang zwar etwas gestiegen ist, aber noch keine dramatischen Ausmaße angenommen hat. 2,1 Prozent betrug sie im August in Deutschland - 2,6 Prozent im Euroraum. Beides ist zwar mehr als jene zwei Prozent, die als Grenze für Preisstabilität gelten. Trotzdem ist das kein Weltuntergang.

Aber die Ängste der Deutschen beziehen sich ja auch auf die Zukunft. Wie geht das weiter, wenn die EZB jetzt womöglich die Inflation nicht mehr angemessen bekämpfen kann? Bundesbank-Präsident Weidmann selbst hält sich mit Prognosen zurück, für wann er denn nun Inflation in welcher Größenordnung kommen sieht. Die Bundesbank will die Inflationsängste verständlicherweise nicht schüren: Schließlich haben die Inflationserwartungen der Menschen Einfluss darauf, wie hoch die Inflation am Ende tatsächlich ausfällt.

Dafür äußert sich Weidmanns Doktorvater, der Geldtheoretiker Manfred Neumann, der die Einstellung des Bundesbankpräsidenten nicht unwesentlich mitgeprägt haben soll, umso deutlicher. „Vorläufig muss nicht mit einer Beschleunigung der Geldentwertung gerechnet werden“, sagt er. „Sollte EZB-Präsident Mario Draghi aber zur Tat schreiten, müssen wir uns in drei bis vier Jahren auf eine Dauerinflation einstellen.“

Genaue Aussagen über den zeitlichen Ablauf sind allerdings schwierig. Schon der große Monetarist Milton Friedman wusste, dass zwischen Gelddrucken und Inflation Zeit liegen kann: „The lags between money and inflation are long and variable.“ („Die Abstände zwischen Geld und Inflation sind lang und unbeständig.“) Die Ökonomen denken darüber je nach Schule unterschiedlich. Auch die Banker sind nicht einer Meinung - und nicht unabhängig, schließlich wollen sie ihre Sparprodukte verkaufen. Und je mehr man sich mit diesem Thema beschäftigt, desto unentschiedener wird man.

Gelddrucken führt nicht mechanisch zur Inflation

Wie der Laie es sich vorstellt, ist es auf jeden Fall nicht: Gelddrucken führt nicht mechanisch zur Inflation. Unter anderem hängt der Prozess vom Verhalten der Menschen ab - insbesondere vom Verhalten der Finanzwirtschaft. Die Notenbank schöpft Geld, wie die Ökonomen sagen, indem sie Kredite an Banken gewährt. Das ist das sogenannte Zentralbankgeld. Nur, wenn die Banken diese Kredite nutzen, um ihrerseits vermehrt Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben, und es auch eine Nachfrage für diese Kredite gibt, nimmt die im Umlauf befindliche Geldmenge zu.

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