Home
http://www.faz.net/-gqe-74gdb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Schuldenkrise Bundesbank fordert mehr Mitsprache bei Bankenaufsicht

Bundesbankpräsident Weidmann will den großen Euroländern in der künftigen europäischen Bankenaufsicht mehr Einfluss geben. Zudem plädiert er für eine Obergrenze bei Staatskrediten.

© AFP Vergrößern Bundesbankpräsident Jens Weidmann fordert eine Stimmgewichtung nach Kapitalanteilen

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich für stärkeren Einfluss der großen Euroländer auf die entstehende gemeinsame Bankenaufsicht ausgesprochen. Im Zusammenhang mit der Legitimierung aufsichtlicher Entscheidung stelle sich die Frage des Abstimmungsmodus, heißt es in einer Rede, die Weidmann am Montag auf einer Frankfurter Bankenkonferenz hielt.  „Da solche Entscheidungen ja auch fiskalische Kosten nach sich ziehen können, wäre nur eine Stimmengewichtung konsequent, etwa nach Kapitalanteilen.“

Weidmann bezieht sich damit auf den bislang noch nicht gegründeten Rat für die Bankenaufsicht, der dem eigentlichen EZB-Rat zuarbeiten wird. Im EZB-Rat, dem Weidmann angehört stimmen die 23 Mitglieder alle gleichberechtigt und mit einer Stimme ab, egal ob sie aus einem kleinen oder einem großen Euroland stammen, sofern es sich um geldpolitische Entscheidungen handelt. Bei vielen anderen Entscheidungen, etwa wenn es um Änderungen im Zahlungsverkehr geht, werden die Stimmen nach den Kapitalanteilen der Herkunftsländer an der Europäischen Zentralbank gewichtet.

Weidmann forderte in seiner Rede außerdem die Einführung von Obergrenzen für Staatskredite der Banken. Eine Bank solle künftig nur noch bis zu einem noch zu bestimmenden Höchstmaß einem einzelnen Staat Kredit gewähren dürfen. Zudem sollten die Banken solche Kredite künftig mit Eigenkapital absichern. Beides ziele darauf, dass Forderungen gegenüber Staaten in den Bilanzen der Banken nicht mehr gegenüber anderen Aktiva begünstigt würden.  Die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen hätte zudem den Vorteil, dass frühzeitiger Preissignale gesendet würden, wenn sich eine unsolide Entwicklung der Staatsfinanzen abzeichne, argumentierte Weidmann. Es entstünde Druck zur Konsolidierung.

Mehr zum Thema

Zusammen mit der gemeinsamen Bankenaufsicht, die Weidmann als sinnvoll bezeichnete, könne dies verhindern, dass Staaten trotz einer Schieflage im Haushalt weiter billige Kredite erhielten und sich selbst noch tiefer in Haushaltsproblemen verstrickten.

Es gehöre mittlerweile zwar zum guten Ton, die enge Verbindung von Staatsfinanzen und nationalen Bankensystemen zu kritisieren. Angesichts der Geldnöte einzelner Länder ermunterten viele dann aber doch die dortigen Banken, immer mehr Anleihen des eigenen Staates zu kaufen, sagte Weidmann und teilte einen Seitenhieb auf die Krisenpolitik der EZB aus.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechenland-Krise Bundesbank-Präsident warnt vor Missbrauch der EZB

Die Entscheidung über die Zukunft Griechenlands in der Währungsunion liege eindeutig bei der Politik, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview. Und kritisiert die wöchentliche Aufstockung der Notkredite. Mehr

14.05.2015, 17:18 Uhr | Wirtschaft
Duale Ausbildung Erfolg für Ausbilder und Lehrlinge

Deutschlands duale Ausbildung fordert ihre Lehrlinge und ist ein weltweites Vorzeigemodell. Auch immer mehr Studienabbrecher entscheiden sich dafür. Mehr

07.01.2015, 17:28 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Bundesbank warnt vor Pleite Griechenlands

Griechenland ist aus Sicht der Bundesbank akut von einer Staatspleite bedroht. Das Land habe sich selbst in die heikle Lage manövriert, schreibt sie in ihrem Monatsbericht. Und müsse nun rasch handeln. Mehr

18.05.2015, 14:08 Uhr | Wirtschaft
Kurzfilm Die Bundesbank zeigt ihre Goldtresore

Die Deutsche Bundesbank zeigt in einem Kurzfilm die Tresore, in denen Gold gelagert wird und gibt damit einen seltenen Einblick in das Innerste der Bank. Mehr

18.04.2015, 13:47 Uhr | Wirtschaft
Griechenlands Krise Eine saubere Lösung im Schuldenstreit ist nun undenkbar

Wie geht der Streit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern aus? Eine zentrale Frage kreist um die Rolle des Internationalen Währungsfonds. Zugleich wächst der Druck auf den größten Euro-Retter. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

22.05.2015, 19:36 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.11.2012, 13:56 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Verordnete Einheit

Von Heike Göbel

Zum ersten Mal erntet die Bundesarbeitsministerin Lob aus der Wirtschaft. Aber tatsächlich sieht es eher so aus, als würde das neue Tarifeinheits-Gesetz Verteilungskonflikte verschärfen. Mehr 5 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden