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Produkte aus Hellas Griechen, das kaufen wir euch ab

 ·  Die Griechen müssen mehr verkaufen, um wieder zu Geld zu kommen. Wenn sie ihre Exportschlager billiger machen, nehmen wir die gerne - und kurbeln die Wirtschaft an.

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Früher retteten sich Staaten so aus Pleiten: Sie druckten Geld und werteten damit ihre Währung ab. Damit machten sie ihre Produkte nicht nur billiger, sondern auch international wieder konkurrenzfähig, steigerten den Export und kurbelten so die Wirtschaft wieder an.

In Zeiten der Gemeinschaftswährung Euro bleibt den Griechen allerdings diese Taktik versagt. Sie können nicht einfach mehr Euroscheine drucken, weil die Europäische Zentralbank über die Stabilität des Euro wacht. Und dass die Griechen freiwillig aus dem Euroraum austreten und zur Drachme zurückkehren, hielten viele Ökonomen zwar für wünschenswert - aber ebenso viele für unrealistisch.

Trotzdem hat der Schuldner Griechenland die Möglichkeit, real abzuwerten. Er muss es jetzt sogar: Dass er die Löhne im eigenen Land kappt, fordert der Internationale Währungsfonds IWF. Tut Griechenland das nicht, gibt's keine Milliarden. Der IWF verlangt, dass Griechenland die Gehälter der Staatsdiener kürzt, und auch die Privatwirtschaft soll die Löhne senken. Das kann über direkte Lohnkürzungen passieren, Griechenland kann aber auch Feiertage abschaffen, die Wochenarbeitszeiten verlängern und das Rentenalter erhöhen. Auf diesem Wege ließen sich Preise drücken und Exporte steigern. Ökonomen fordern das ohnehin schon länger, denn im internationalen Vergleich steht die griechische Wirtschaft schwach da: die Produkte zu teuer, der Wettbewerb durch Staatsfirmen behindert und die Bürokratie ausufernd - das sind die Faktoren, die am meisten bremsen.

Es gibt nur wenige Großunternehmen, und die meisten davon sind auch noch fest in Staatshand, allen voran die National Bank of Greece, die Hellenic Telecom, der staatliche Energieversorger Public Power Corporation und die Lottogesellschaft OPAP, die zwar börsennotiert ist, aber zu einem Drittel dem Staat gehört. Der Rest der griechischen Wirtschaft wird getragen von kleinen und mittelständischen Betrieben.

Und die griechische Wirtschaft ist - mehr noch als die deutsche - geprägt von einer hohen Dienstleistungsquote und einem großen Bankensektor (siehe Grafik). Das bringt ihr natürlich in Sachen Export wenig und macht sie zudem arg konjunkturabhängig. Deshalb traf die Krise sie schwer.

Beim Gros der griechischen Exportgüter sah es auch nicht eben rosig aus: Die meisten sind leicht ersetzbare Zwischenprodukte wie Chemikalien oder Metalle. Die lassen sich auch von anderen Abnehmern beziehen, wenn der Preis nicht stimmt. Daran aber hängen immerhin 59 Prozent der Exporte von Hellas. Was also sind die Exportschlager, mit denen das Land im Ausland punkten kann, vor allem wenn sie billiger werden?

In ein paar Sektoren macht den Griechen so schnell keiner was vor: Der Tourismus ist eine der Säulen des Geschäfts und trägt immerhin zehn Prozent der Wirtschaftsleistung (siehe unten). Zwar bröselten auch hier zuletzt die Einnahmen, aber was wäre ein besseres Argument, um Urlauber anzulocken, als die Hotelzimmer billiger zu machen?

Im Schiffsverkehr sind griechische Reeder bereits Weltspitze, und ihre Kapazitäten wären bei sinkenden Preisen wohl noch viel stärker gefragt. Dazu kommt das, was so nur hier gedeiht: Spargel, Avocados, Oliven, Ziegen und Fische - das sind die Pfunde, mit denen Griechenland wuchern kann.

Und all das würden ihm deutsche Käufer auch gern zu kleineren Preisen abnehmen, um den Hellenen so eine kleine Konjunkturspritze zu verpassen.

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04.05.2010, 16:00 Uhr

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Von Holger Steltzner

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