Home
http://www.faz.net/-gqe-16jgw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Produkte aus Hellas Griechen, das kaufen wir euch ab

Die Griechen müssen mehr verkaufen, um wieder zu Geld zu kommen. Wenn sie ihre Exportschlager billiger machen, nehmen wir die gerne - und kurbeln die Wirtschaft an.

© Vergrößern

Früher retteten sich Staaten so aus Pleiten: Sie druckten Geld und werteten damit ihre Währung ab. Damit machten sie ihre Produkte nicht nur billiger, sondern auch international wieder konkurrenzfähig, steigerten den Export und kurbelten so die Wirtschaft wieder an.

Nadine Oberhuber Folgen:  

In Zeiten der Gemeinschaftswährung Euro bleibt den Griechen allerdings diese Taktik versagt. Sie können nicht einfach mehr Euroscheine drucken, weil die Europäische Zentralbank über die Stabilität des Euro wacht. Und dass die Griechen freiwillig aus dem Euroraum austreten und zur Drachme zurückkehren, hielten viele Ökonomen zwar für wünschenswert - aber ebenso viele für unrealistisch.

Mehr zum Thema

Trotzdem hat der Schuldner Griechenland die Möglichkeit, real abzuwerten. Er muss es jetzt sogar: Dass er die Löhne im eigenen Land kappt, fordert der Internationale Währungsfonds IWF. Tut Griechenland das nicht, gibt's keine Milliarden. Der IWF verlangt, dass Griechenland die Gehälter der Staatsdiener kürzt, und auch die Privatwirtschaft soll die Löhne senken. Das kann über direkte Lohnkürzungen passieren, Griechenland kann aber auch Feiertage abschaffen, die Wochenarbeitszeiten verlängern und das Rentenalter erhöhen. Auf diesem Wege ließen sich Preise drücken und Exporte steigern. Ökonomen fordern das ohnehin schon länger, denn im internationalen Vergleich steht die griechische Wirtschaft schwach da: die Produkte zu teuer, der Wettbewerb durch Staatsfirmen behindert und die Bürokratie ausufernd - das sind die Faktoren, die am meisten bremsen.

Retsina © Vergrößern

Es gibt nur wenige Großunternehmen, und die meisten davon sind auch noch fest in Staatshand, allen voran die National Bank of Greece, die Hellenic Telecom, der staatliche Energieversorger Public Power Corporation und die Lottogesellschaft OPAP, die zwar börsennotiert ist, aber zu einem Drittel dem Staat gehört. Der Rest der griechischen Wirtschaft wird getragen von kleinen und mittelständischen Betrieben.

Und die griechische Wirtschaft ist - mehr noch als die deutsche - geprägt von einer hohen Dienstleistungsquote und einem großen Bankensektor (siehe Grafik). Das bringt ihr natürlich in Sachen Export wenig und macht sie zudem arg konjunkturabhängig. Deshalb traf die Krise sie schwer.

Beim Gros der griechischen Exportgüter sah es auch nicht eben rosig aus: Die meisten sind leicht ersetzbare Zwischenprodukte wie Chemikalien oder Metalle. Die lassen sich auch von anderen Abnehmern beziehen, wenn der Preis nicht stimmt. Daran aber hängen immerhin 59 Prozent der Exporte von Hellas. Was also sind die Exportschlager, mit denen das Land im Ausland punkten kann, vor allem wenn sie billiger werden?

In ein paar Sektoren macht den Griechen so schnell keiner was vor: Der Tourismus ist eine der Säulen des Geschäfts und trägt immerhin zehn Prozent der Wirtschaftsleistung (siehe unten). Zwar bröselten auch hier zuletzt die Einnahmen, aber was wäre ein besseres Argument, um Urlauber anzulocken, als die Hotelzimmer billiger zu machen?

Im Schiffsverkehr sind griechische Reeder bereits Weltspitze, und ihre Kapazitäten wären bei sinkenden Preisen wohl noch viel stärker gefragt. Dazu kommt das, was so nur hier gedeiht: Spargel, Avocados, Oliven, Ziegen und Fische - das sind die Pfunde, mit denen Griechenland wuchern kann.

Und all das würden ihm deutsche Käufer auch gern zu kleineren Preisen abnehmen, um den Hellenen so eine kleine Konjunkturspritze zu verpassen.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Staatsanleihen Niemand handelt mehr mit griechischen Anleihen

Die Kurse griechischer Staatsanleihen fallen am Donnerstag. Aber wer handelt da eigentlich? Nur noch ein paar Zocker. Der Markt ist schon lange tot. Mehr Von Martin Hock

16.04.2015, 18:26 Uhr | Finanzen
Grexit, Graccident, Hilfspaket Was wollen die Griechen?

Die Lage zwischen Griechenland und seinen Geldgebern ist angespannt. Werden die Griechen ihre Schulden begleichen können? Fürchtet sich die griechische Wirtschaft vor dem Grexit oder will sie aus dem Euro raus? Mehr

31.03.2015, 15:05 Uhr | Wirtschaft
Griechische Schuldenkrise Tsipras ist auf Distanz zu Varoufakis

Giannis Varoufakis ist im Kreis der Euro-Finanzminister isoliert. Nun gibt es Anzeichen dafür, dass der griechische Regierungschef Tsipras von ihm abrückt. Außerdem steigt die Hoffnung auf einen Kompromiss mit den Gläubigern - nicht nur an der Börse. Mehr

27.04.2015, 14:00 Uhr | Wirtschaft
Kino-Premiere Fifty Shades of Grey kurbelt das Geschäft in Sexshops an

Im Zusammenhang mit dem Film "Fifty Shades of Grey" konnte auch das Sex-Toy-Gewerbe Umsatzsteigerungen feststellen, sowohl in Berlin als auch in London. Die Industrie hat mit Spezialangeboten auf den Film reagiert. Mehr

13.02.2015, 12:36 Uhr | Gesellschaft
Griechischer Finanzminister Varoufakis verweigert Reformen

Griechenland droht das Geld auszugehen. Trotzdem deutet nichts auf eine Annäherung mit den Gläubigern hin. Im Gegenteil: Finanzminister Varoufakis bekräftigt noch einmal, dass er einer Fortsetzung des Austeritätsprogramms nicht zustimmen werde. Mehr Von Winand von Petersdorff, Washington

17.04.2015, 04:29 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.05.2010, 16:00 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Neue alte Deutsche Bank

Von Holger Steltzner

Die Deutsche Bank wollte immer zu den besten Banken der Welt gehören. Der Börsenkurs spricht eine andere Sprache. Was nun als Ergebnis strategischer Überlegungen verkauft werden soll, ist teils ein Gebot der Not. Mehr 29 35


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden