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Wahl in Frankreich : Notenbanken fürchten radikale Euro-Gegner

Schafft es Marine Le Pen in die Stichwahl? Bild: AFP

Zwei lautstarke Euro-Gegner könnten die Stichwahl ums Präsidentenamt in Frankreich erreichen. Für die Banken könnte das sehr ungemütlich werden. Manch Notenbanker ist „hochbesorgt“.

          Wenige Tage vor dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentenwahl am Sonntag steigt die Nervosität in den Notenbanken des Euroraums. Denn die Umfragen lassen ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit mehreren Kandidaten erwarten – unter denen gleich zwei dezidierte Euro-Gegner chancenreich sind. Sowohl die Chefin des rechtsgerichteten Front National, Marine Le Pen, als auch der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Mélenchon könnten es in die Stichwahl am 7. Mai schaffen. Dann hätten die Franzosen die Wahl zwischen zwei Kandidaten, die beide aus dem gegenwärtigen Euro aussteigen wollen. Analysten der Deutschen Bank warnen die Anleger schon vor einem „Worst-Case-Szenario“ Le Pen/Mélenchon.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In den Notenbanken des Euroraums gibt es nun Fragen, was ein solcher Wahlausgang am Sonntag für die Finanzstabilität und die Banken in Frankreich bedeuten würde. „Hochbesorgt“ sei man, sagt ein Notenbanker. Es könnte zu einem Abzug von Kapital aus den französischen Banken kommen, wenn sich die Wahl eines Euro-Gegners abzeichne. Ein Notenbanker spricht hinter vorgehaltener Hand sogar von einem möglichen „Bank run“. Zumindest werde es große Unruhe geben. Wenn die Banken zu viel Liquiditätsabfluss zu verzeichnen hätten, wäre als Notmaßnahme sogar denkbar, dass Kapitalverkehrskontrollen eingerichtet werden – „so wie in Griechenland“.

          Der Pariser Notenbank-Präsident warnt schon mal

          Turbulenzen hatte es auch nach dem Brexit-Referendum im vergangenen Juni gegeben. Anleger stießen das Pfund ab, so dass dessen Wechselkurs stark nachgab. In Frankreich würde eine ähnliche Fluchtbewegung die Banken treffen.

          Präsidentschaftswahl : Wahlkampf-Endspurt in Frankreich

          Notenbank-Präsident Francois Villeroy de Galhau beschwört die Franzosen schon seit Monaten, die Vorteile des Euros nicht gering zu schätzen. Im Februar warnte Galhau in einem Gastkommentar in der Zeitung „Figaro“ vor hohen Kosten eines Euro-Ausstiegs. In diesem Fall würde die Finanzierung der französischen Staatsschulden schlagartig teurer, es drohten Mehrkosten von 30 Milliarden Euro im Jahr, schrieb er. Im Euro profitierten die Franzosen von niedrigeren Zinsen und niedriger Inflation, unterstrich der Pariser Notenbank-Präsident.

          „Jeder der vier führenden Kandidaten kann die Stichwahl erreichen“

          In der Europäischen Zentralbank (EZB) will sich offiziell niemand zur Wahl in Frankreich äußern. Die EZB will den Eindruck vermeiden, die Wahlentscheidung durch positive oder negative Kommentare zu beeinflussen zu versuchen. Das könnte leicht nach hinten losgehen. Auch zu möglichen Konsequenzen für die Stabilität der Banken heißt es: kein Kommentar. Doch intern werden Szenarien durchgespielt. Vor dem Brexit-Votum, das als großer Risikofaktor galt, hatte die EZB beinahe täglich die Liquiditätsposition der großen europäischen Banken abgefragt.

          Eine Stichwahl zwischen Le Pen und Mélechon ist nach den aktuellen Umfragen nicht auszuschließen, allerdings hat sie keine hohe Wahrscheinlichkeit. Die vier Top-Kandidaten liegen nach den jüngsten Umfragen sehr eng beisammen, nach der täglichen Umfrage im Auftrag der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ verzeichnet Macron 23 Prozent, Le Pen 22,5 Prozent, François Fillon 19,5 Prozent und Jean-Luc Mélenchon 19 Prozent.

          Die Abstände sind teils nicht größer als die üblichen Fehlermargen der Umfrageinstitute. „Laut aller plausibler Hypothesen kann jeder der vier führenden Kandidaten die Stichwahl erreichen“, stellen die Analysten der Bank HSBC fest. Für Mélenchon verzeichneten die Institute eine klare Dynamik nach oben. Die Tageszeitung „Le Monde“ bezeichnet seinen Vormarsch als „spektakulär“. Käme der Linkspolitiker Mélenchon, der für einen „Öko-Sozialismus“ steht, in die Stichwahl gegen Le Pen, würde er die Kandidatin des Front National klar schlagen. Macron und Fillon würden sich gegen Le Pen mit größerem Abstand durchsetzen. Das EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré sagte am Mittwoch auf einer Veranstaltung in New York, die Menschen in Frankreich und in Europa würden am Euro festhalten wollen. Einen direkten Kommentar zur Präsidentenwahl vermied er.

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          An den Finanzmärkten ist seit dem Herbst das Misstrauen gegen Frankreich leicht gewachsen. So ist der Zinsabstand zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen gestiegen, am Mittwoch nahm er auf 0,75 Prozentpunkte weiter leicht zu. Dafür geraten jetzt die französischen Aktien in Mitleidenschaft. Der Börsenindex CAC-40 ist zeitweise wieder unter die Marke von 5000 Punkten gefallen. Besonders litten französische Bankaktien. Das zweitgrößte Finanzhaus des Landes, Société Générale, verlor seit Mitte April rund 5 Prozent.

          Viel Unentschlossenheit : So denken die französischen Wähler

          Quelle: F.A.Z.

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