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Kritiker der Euro-Rettung : Hans-Werner Sinn distanziert sich von Anti-Euro-Partei

  • Aktualisiert am

Hans Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Bild: dpa

Hans-Werner Sinn ist bisher als Kritiker der Euro-Rettungsaktionen aufgefallen. Der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ will er sich aber nicht anschließen. Die hofft derweil auf einen zweistelligen Stimmenanteil bei der Bundestagswahl.

          Der Münchner Ökonom und Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich von der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ distanziert. Sinn sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Bernd Lucke und viele seiner Mitstreiter sind anerkannte Ökonomen, die wissen wovon sie reden. Trotzdem gehöre ich der Partei nicht an und gebe dem Euro noch mehr Chancen, als die Kollegen es tun.“

          Sinn sagte der F.A.S. weiter: „Ich glaube, dass es sich lohnt, den Euro als solchen zu verteidigen. Ich halte es aber für einen großen Fehler, die schwachen Länder Südeuropas auf Biegen und Brechen im Euro zu halten.“ Damit helfe man diesen Ländern nicht, und man verringere die Überlebenswahrscheinlichkeit des Euro.

          Konkret schlug Sinn vor, allen voran sollten Zypern und Griechenland aus dem Euro austreten: „Ich bin für temporäre Austritte der schwachen Länder“, sagte er in dem Interview, das in voller Länge in der F.A.S. erscheint. Durch eine anschließende Abwertung würden diese Länder wieder wettbewerbsfähig und könnten später zu einem neuen Wechselkurs, also zu kleineren Preisen und Löhnen, wieder in den Euro zurück.

          AfD-Sprecher Lucke: Zweistelliges Ergebnis möglich

          „Wenn Zypern heute aus dem Euro austreten würde, hätte das keine dramatischen Folgen“, sagte Sinn weiter. „Die Kapitalflucht, die für einen solchen Fall an die Wand gemalt wird, haben wir dort ja schließlich schon hinter uns.“ Die Kapitalverkehrskontrollen und die Begrenzung der Entnahme von den Konten verhinderten eine Fortsetzung der Fluch: „Sobald Zypern ausgetreten ist, kann man alle Kontrollen aufheben.“

          AfD-Sprecher Bernd Lucke sieht derweil gute Chancen für seine Partei, in den Bundestag einzuziehen. „Angesichts der enormen Welle an Zustimmung, die wir zurzeit kriegen, halte ich es für möglich, dass wir bis in den zweistelligen Bereich kommen können“, sagte er dem „Tagesspiegel“ vom Samstag. Das jüngste ZDF-„Politbarometer“ sieht die AfD allerdings nur bei 3 Prozent und damit deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde für den Bundestag.

          Über mögliche Koalitionspartner sagte Lucke, die AfD werde mit keiner Partei ein Bündnis eingehen, die die bisherige Euro-Rettungspolitik fortsetze. „Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass CDU und FDP ihre Haltung innerhalb von Tagen um 180 Grad drehen.“ Sollte die AfD den anderen Parteien viele Wählerstimmen abjagen, würden die Altparteien sich schon aus strategischen Überlegungen den Positionen der AfD annähern.

          Quelle: F.A.S./sibi., dpa

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