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Krise in Spanien Vom Biochemiker zum Au-pair: „¡Adiós, España!“

 ·  Víctor Marí fand als Biochemiker keine Arbeit in Spanien. Jetzt arbeitet der Akademiker in Frankfurt - als Au-pair. Ein wenig schämt er sich. Allein ist er mit seinem Schicksal nicht.

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© Schmitt, Felix Vergrößern Lieber Kinder hüten in Frankfurt als arbeitslos in Valencia: Víctor Marí an seinem neuen Arbeitsplatz

Herr Víctor Marí Cervera, was hat Sie hierher nach Deutschland verschlagen?

Die Krise in Spanien. Ich habe Biologie mit Schwerpunkt Biochemie in Valencia studiert und wollte als Forscher arbeiten. Aber wegen der Krise gab es keine Jobs in den wissenschaftlichen Laboren oder den Unternehmen.

Und dann sind Sie hierhergekommen, um als Au-pair zu arbeiten?

Nein, erst habe ich einen Master gemacht, um Biologie und Chemie als Lehrer unterrichten zu können. Aber es werden in Spanien kaum Lehrer eingestellt. Es gab keine Chance für mich, obwohl ich einen guten Abschluss habe. Das Einzige, was mir hätte helfen können, wären Beziehungen gewesen. Aber die habe ich nicht.

Hätten Sie nicht ahnen können, dass die Lage schlecht sein würde, als Sie mit dem Master begannen?

Nein, Lehrer zu werden schien eine gute Idee zu sein. In Spaniens Schulen fehlen Biologielehrer. Und in den letzten Jahren wurden ja noch Lehrer eingestellt.

Wann sind Sie auf die Idee gekommen, abzuhauen?

Die kam sofort nach meinem Masterabschluss: Weggehen aus Spanien, um eine Sprache zu lernen. Ich hätte noch ein Jahr warten können, weil ich Aussichten auf ein Forschungsstipendium hatte. Aber das wollte ich nicht, ich wollte weg. In bin 26 und möchte keine Zeit mehr verlieren.

Und wie sind Sie als Akademiker darauf gekommen, ausgerechnet Au-pair zu werden?

Ich wollte eine Möglichkeit finden, erst die Sprache zu lernen, um mich dann in Deutschland als Lehrer oder für Forschungslabors zu bewerben.

Haben Sie nicht empfunden, dass die Arbeit als Au-pair unter Ihrer Würde ist?

Doch, schon. Wenn ich hier in Deutschland jemanden kennenlerne, dann vermeide ich das Thema erst einmal. Ein bisschen habe ich mich am Anfang geschämt. Aber ich sehe Au-pair als Sprungbrett, um hier die Sprache zu lernen und Arbeit zu finden. Außerdem mag ich den Job. Er hat viel mit Erziehung zu tun. Ich liebe Erziehung. Der Job ist eine gute Vorbereitung auf den Lehrerberuf.

Bewerben Sie sich schon für Schulen?

Ja, und es sieht nicht schlecht aus. Ich habe mit meiner Gastfamilie die Vereinbarung, dass ich gehen darf, wenn ich eine gute Arbeit finde. Meine Gastfamilie kann aber schnell Ersatz bekommen, glaube ich, sogar massenweise spanische Akademiker.

Wieso?

Meine Gastmutter hatte, um mich zu finden, eine Offerte auf eine internationale Au-Pair-Internetseite gestellt und ganz schnell 30 Anfragen aus Spanien bekommen: Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure darunter.

Was machen Ihre Mitstudenten jetzt? Auch Au-pair?

Nein, nur eine Freundin in Amsterdam. Die anderen machen entweder nichts oder legen noch ein weiteres Studium drauf. Einige lernen Sprachen, aber nicht im Ausland. Und die wenigstens haben richtige Arbeit gefunden.

Können Sie schätzen, wie viel Leute Ihres Hochschuljahrgangs Arbeit gefunden haben?

Von 200 Leuten in meinem Jahrgang allerhöchstens 50, und keineswegs immer adäquate Arbeit.

Was machen die Leute also?

Manche geben Nachhilfeunterricht, oder sie verkaufen Kleider bei Zara oder Massimo Dutti. Viele arbeiten in einer Diskothek, egal, ob sie Lehrer oder Architekten sind. Es wimmelt von arbeitslosen Architekten in Spanien, weil nach der Immobilienkrise nichts mehr gebaut wird. Von meinen Freunden haben nur eine Friseurin und zwei Angestellte bei einer Fluggesellschaft eine Arbeit. Und alle drei haben nicht studiert. Hochschulabsolventen haben es schwer.

Aber es gehen offenbar noch nicht viele Leute aus Spanien weg.

Nein, von meinen Freunden nur zwei.

Von Portugiesen heißt es, viele versuchten ihr Glück jetzt in der ehemaligen Kolonie Brasilien. Gibt es eine Neigung junger Spanier nach Argentinien, Chile oder Mexiko zu gehen?

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