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Kommentar : Billiges Opfer

Eurogruppenchef Dijsselbloem sagte am Dienstag seine Teilnahme an einer Debatte zur Lage in Griechenland ab. Bild: AP

Jeroen Dijsselbloem ist ein billiges Opfer der erregten Europaparlamentarier. Seine Tage als Chef der Eurogruppe sind leider gezählt.

          Vor zwei Wochen ließen sich die Reaktionen auf die Interviewaussagen von Eurogruppen-Chef Dijsselbloem in der F.A.Z. mit gutem Willen noch mit Übersetzungsfehlern erklären. Der portugiesische Ministerpräsident hat seine Rücktrittsforderung denn auch nicht wiederholt. Aber wer geglaubt hatte, die Sache sei nach einer sorgfältigen Lektüre des Interviews aus der Welt, sieht sich getäuscht.

          Wo billiges Erregungspotential lauert, da ist das Europaparlament nicht weit. Die 70 überwiegend christdemokratischen Abgeordneten, die Dijsselbloem einen geradezu hysterischen Brief geschrieben haben, hätten zwischenzeitlich genug Zeit gehabt, den Wortlaut genau zu lesen. Der Mitunterzeichner Manfred Weber (CSU) dürfte sogar zur Lektüre der Originalversion in der Lage gewesen sein.

          Den Abgeordneten ist das egal, ist Dijsselbloem nach seiner Wahlniederlage doch ein billiges Opfer. Dass Weber sich mit seiner Unterschrift bei den Fraktionskollegen aus Spanien, Italien und Portugal anbiedert, ist das eine. Dass Dijsselbloem keine Unterstützung von seinen Amtskollegen – etwa von jenem aus Berlin – erhält, zeigt etwas anderes: Seine Tage als Chef der Eurogruppe sind leider gezählt.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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