http://www.faz.net/-gqu-779vk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.02.2013, 17:32 Uhr

Nach Wahl-Patt EZB verlangt Reformen von Italien

Hilft die EZB Italien, solange das Land keine Regierung hat? Chefvolkswirt Peter Praet ist solchen Spekulationen entgegengetreten. Die EZB kaufe nur dann Anleihen, wenn es ein Sparprogramm gebe.

von
© Rosenkranz, Henner EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat Länder aufgezählt, die Fortschritte machen. Italien war nicht dabei.

Die Europäische Zentralbank hat die Notwendigkeit von Strukturreformen in Italien betont und zugleich bekräftigt, dass es keine Interventionen auf dem Anleihemarkt geben werde ohne ein vom Europäischen Stabilisierungsfonds ESM überwachtes Anpassungsprogramm. „Das Anleihekaufprogramm OMT wird nur aktiviert, wenn das davon begünstigte Land sich den strikten Bedingungen eines Programms unterworfen hat“, sagte EZB-Direktor Peter Praet am Mittwoch

Auf den Kapitalmärkten wird dennoch darüber spekuliert, ob die EZB im Notfall zum Eingreifen bereit wäre, so lange Italien keine handlungsfähige Regierung hat, die um Hilfe ersuchen und sich Bedingungen unterwerfen kann. Praets Äußerungen dämpften solche Spekulationen. Zudem sagte der Chefvolkswirt der EZB, je länger die lockere Geldpolitik andauere, desto mehr verliere sie an Wirkung. „Je länger wir unsere sehr wachstumsfördernde Geldpolitik fortführen, desto deutlicher werden wir erleben, dass ihre Wirksamkeit abnimmt. Es wird sich zeigen, dass wir immer größere Dosen dieser Politik verabreichen müssen und dabei einen immer geringeren makroökonomischen Nutzen erzielen.“

Mehr zum Thema

Es gebe einige Anzeichen, dass die wirtschaftliche Anpassung in den Krisenländern voranschreite, sagte Praet. Er führte dabei Irland, Spanien, Portugal und Griechenland auf und erwähnte Italien nicht. Strukturreformen seien die richtige Antwort auf die Krise. Wenn es ein klares Bekenntnis dazu gebe, könne man in Bezug auf die Fiskalpolitik etwas entspannter sein.

Auch EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch warnte vor Gefahren durch eine Überdosierung der Krisenpolitik. In der Krise seien verstärkt Notfall-Liquiditätshilfen der nationalen Zentralbanken (ELA) zugelassen worden. Zwar handelten diese auf „eigene Rechnung und eigenes Risiko“, „aber es werden geldpolitische Spannungen zwischen nationaler und europäischer Ebene aufgebaut, die nicht von Dauer sein sollten“, sagte Mersch. Eine renationalisierte geldpolitische Architektur sei nicht zielführend.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldpolitik Wo Helikopter-Geld am ehesten vom Himmel fällt

Ökonomen in vielen Ländern diskutieren gerade über Helikoptergeld. Vor allem in Japan gibt es Spekulationen über weitere Geldexperimente. Mehr Von Philip Plickert und Patrick Welter

21.04.2016, 07:09 Uhr | Wirtschaft
Video Trübe Aussichten für die Commerzbank

Für das laufende Jahr hat die Commerzbank ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Milliardengewinn gesetzt. Auf seiner letzten Hauptversammlung übte der scheidende Vorstand Martin Blessing abermals Kritik an der Geldpolitik der EZB. Mehr

21.04.2016, 09:04 Uhr | Finanzen
Zinspolitik der EZB Bundesbank-Chef: Keine Enteignung der Sparer

Angesichts der Dauerkritik am Zinstief gerade aus Deutschland hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verteidigt. Schon wieder. Mehr

29.04.2016, 12:48 Uhr | Finanzen
Flüchtlingskrise Österreich will am Brennerpass stärker überwachen

Spätestens ab 1. Juni will Österreich die Grenzkontrollen nach Italien verschärfen. Hintergrund dürften zu erwartende neue Flüchtlingsbewegungen sein. Mehr

13.04.2016, 19:21 Uhr | Politik
Börsen im Aufwind Warum Anlagestrategen optimistisch für die Aktienmärkte sind

Nach Ansicht von Experten soll sich der Aufschwung an den Aktienmärkten weiter fortsetzen - angetrieben von der lockeren Geldpolitik der EZB. Konjunktur und Unternehmensgewinne dürften eher positiv überraschen. Mehr Von Daniel Mohr

22.04.2016, 08:14 Uhr | Finanzen

Grenzregime

Von Andreas Mihm, Berlin

Die deutsche Energiewende sorgt für Spannungen. Das Netz ist viel zu klein, die Nachbarn sind genervt. Es kommt auf den Netzausbau an - und den verzögern die Deutschen. Mehr 3 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --