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Irlands Notenbankchef Honohan „Wir brauchen mehr Zeit“

Irland fordert in der Bewältigung seiner gewaltigen Bankenaltlasten einen Zahlungsaufschub. Patrick Honohan, Gouverneur der Notenbank und EZB-Ratsmitglied, sieht sonst die Sanierungserfolge bedroht.

© dapd Vergrößern Kampf gegen Schuldenberge: Irlands Notenbankchef Patrick Honohan vor dem irischen Parlament

Herr Gouverneur, unter den Notfallpatienten in der Europäischen Währungsunion gilt Irland als der hoffnungsvollste Fall. Was können andere Krisenländer von den Iren lernen?

Irlands Politiker haben erkannt, dass man am besten mit einer solchen Krise fertig wird, wenn man schnell handelt und eine stetige Anpassung vornimmt. Die irische Regierung ist sich bewusst, dass die Haushaltssanierung eine Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum ist. Es hat von ihr keine verwirrenden Botschaften an die Märkte gegeben, die Zweifel am Sanierungskurs aufkommen ließen.

Dennoch übertrifft Irlands Haushaltsdefizit noch immer sogar das von Griechenland.

Das stimmt, und auch der Schuldenstand ist sehr hoch. Aber wir halten uns an den Sanierungsplan. Ich bin der Meinung, das ist wichtiger als die genaue Ausgestaltung der Maßnahmen. Man verständigt sich auf einen Plan, kündigt ihn an und hält sich dann dran. Das Haushaltsdefizit ist weiterhin hoch, aber es sinkt wie vorgesehen. Mit dem am Mittwoch vorgestellten Staatshaushalt für nächstes Jahr sind 85 Prozent der insgesamt nötigen Anpassungen geleistet. Wir haben schon Mitte 2008 mit der Sanierung begonnen - also mehr als zwei Jahre bevor wir das Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds erhalten haben.

Wird Irland, wie im Rahmen des Hilfsprogramms vorgesehen, Ende 2013 finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen können?

Das ist jedenfalls der Plan. Noch vor sechs Monaten sagten mir die Leute, es sei bereits sicher, dass Irland nicht fristgerecht auf den Anleihemarkt zurückkehren könne. Das Meinungsbild hat sich inzwischen geändert. Die Regierung begibt wieder Anleihen mit Laufzeiten von fünf und sieben Jahren. Das ist ein sehr substantieller Fortschritt, auch wenn wir noch nicht am Ziel sind.

Sind Sie selbst denn heute auch zuversichtlicher als vor einem halben Jahr?

Ein Zentralbanker tendiert immer ein bisschen zum Pessimismus. Man muss vorsichtig sein und auch für negative Überraschungen Vorsorge treffen.

Was sind die größten Risiken für Irland?

Kaum ein Land ist so stark vom internationalen Handel abhängig wie wir. Irlands Wirtschaftserholung wird vom Export getragen. Wenn wir nun sehen, dass die Wachstumsprognosen nicht nur für die Eurozone, sondern auch für andere Weltregionen gesenkt wurden, dann ist das definitiv ein Risiko für uns.

Was macht Ihnen noch Sorgen?

Wir arbeiten immer noch am Abbau der starken privaten Überschuldung, vor allem bei Immobilienkrediten. Immer mehr Schuldner geraten in Zahlungsrückstand. Viele Bürger stehen unter Druck. Manche könnten eigentlich ihre Raten bezahlen, sind aber nicht sehr gut organisiert. Andere sind klar überschuldet und können ihre Schulden nicht begleichen. Das müssen die Banken aufarbeiten, und das muss organisiert werden. Wir machen ihnen da seit einiger Zeit Druck.

Die Euroregierungschefs haben Irland im Sommer Entlastung bei seinen Bankenaltlasten in Aussicht gestellt. Sinken die Risikoprämien auf irische Staatsanleihen nicht vor allem deshalb, weil die Anleger darauf wetten, dass Irland weitere Hilfe bekommt?

Die Risikoprämien quer durch Europa sind immer noch auf einem sehr hohem Niveau. Ich bin mir sicher, dass die Märkte die Ankündigungen vom EU-Gipfel im Juni zur Kenntnis genommen haben. Aber sie haben auch die von Irland erreichten Fortschritte nicht übersehen. Es ist eine Mischung aus beidem. Ich denke, die Investoren erinnern sich noch sehr wohl an die irische Erfolgsgeschichte, die Zeit bevor wir durch die Blase am Immobilienmarkt vom Weg abkamen. Sie erkennen an, dass das irische Wirtschaftsmodell nicht kaputt ist.

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