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Merkel kritisiert irische Banker : „Dafür habe ich nur Verachtung übrig“

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Ihr Verhalten schädige die Demokratie, sage die Bundeskanzlerin am Freitag in Brüssel. Die Banker hatten Deutschland verhöhnt und sich über EU-Hilfen lustig gemacht. Bild: reuters

Kanzlerin Merkel ist empört über die Banker, die Deutschland verhöhnen und die EU-Hilfen ins Lächerliche ziehen. Irland bemüht sich um Schadensbegrenzung.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich verärgert über irische Banker gezeigt, die ihren Staat betrogen und sich darüber in Telefonaten lustig gemacht hatten. Dafür habe sie „nur Verachtung“ übrig, sagte die Kanzlerin auf einem EU-Gipfeltreffen in Brüssel. Das Verhalten der Bankmanager sei eine „richtige Schädigung von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft“.

          Es sei eine „unglaubliche Herausforderung“ Menschen von diesen Zielen zu überzeugen, die „jeden Morgen aufstehen, jeden Tag ihre Arbeit machen, immer ihre Steuern zahlen und Solidarität mit anderen üben. Das alles wird dadurch zerstört.“

          Irlands Notenbankgouverneur Patrick Honohan bemühte sich am Freitag um Schadensbegrenzung. Stil und Inhalt der Telefonate seien „abstoßend“ und „beschämend für Irland“, sagte er der F.A.Z. Zugleich drohte Honohan den früheren Mitarbeitern von Anglo Irish mit einem Berufsverbot und Geldstrafen. Rechtliche Schritte würden geprüft.

          „Deutschland, Deutschland über alles“

          Auch der irische Ministerpräsident Enda Kenny sagte, er stimme mit Frau Merkel überein. Die Äußerungen der Banker zeugten von Verachtung, Arroganz und Unverschämtheit gegenüber der irischen Regierung und den Bürgern. Sie seien vulgär. Der Vorfall habe dem Ruf Irlands geschadet, gehöre nun aber der Vergangenheit an.

          In Telefonmitschnitten, die in dieser Woche bekanntgeworden waren, war ans Licht gekommen, dass führende Mitarbeiter der Anglo Irish Bank ihren Kapitalbedarf während der Finanzkrise 2008 bewusst heruntergespielt hatten und der Notenbank frei erfunden Summen genannt haben. Ein Manager sagte, er habe sich die Summe von sieben Milliarden Euro „aus dem Arsch gezogen“.

          In einem anderen Gespräch, in dem es um das Einwerben deutscher Einlagen ging, sang der Banker „Deutschland, Deutschland über alles“. Es war offen die Rede davon, dass die Bank die staatlichen Garantien missbrauche. Die Anglo Irish Bank wurde kurz darauf verstaatlicht und wird inzwischen abgewickelt. Sie hat die irischen Steuerzahler mehr als 30 Milliarden Euro gekostet.

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