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Interview mit Meinungsforscher Güllner Vom Thema Griechenland profitieren Regierung und AfD

Die SPD kann nichts gewinnen, wenn sie die Griechen-Rettung zum Wahlkampfthema macht. Dafür hilft es der Union - und der Alternative für Deutschland, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.

© dpa Vergrößern Manfred Güllner

Herr Güllner, bisher hat die Regierung die Euro-Krise aus dem Wahlkampf herausgehalten. Nun hat der Bundesfinanzminister aktiv ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland ins Gespräch und in den Wahlkampf gebracht. Kostet das die Union Stimmen?

Die Rettungspakete wie auch die Summen, um die es dabei geht, sind für die Menschen abstrakt. Was sie wissen wollen, wenn es um Griechenland speziell oder die Euro-Krise allgemein geht, ist immer: Hat das Konsequenzen für meinen Alltag? Ist zum Beispiel meine Altersvorsorge in Gefahr, bleibt das Geld stabil oder fehlen meiner Gemeinde jetzt Mittel, um kaputte Straßen zu reparieren? Bisher vermittelt die Regierung Sicherheit - so, wie sie es während der Finanzkrise 2008/2009 schaffte, diese wesentlich aus dem normalen Leben herauszuhalten.

Die SPD denkt aber offenbar, sie könnte bei dem Thema gewinnen: Sigmar Gabriel und andere fordern die Kanzlerin auf, zu sagen, wie genau weitere Griechenland-Hilfe aussehen könnte – und zwar ausdrücklich vor dem Wahltag.

Die SPD greift nach jedem Strohhalm und muss zugleich aber staatstragend sein. Das hat bisher nicht funktioniert und wird es auch jetzt nicht. Ihr Dilemma ist ja, dass sie zwar immer protestiert und kritisiert, aber gerade in den Krisenfragen die Entscheidungen der Regierung mitgetragen hat. Und in der Krise wird eben die Regierung als der Garant der Sicherheit wahrgenommen, der die Menschen abschirmt.

Also behindern sich SPD und Grüne eher, wenn sie die Krise nun zum Thema machen.

Ja. Und sie unterschätzen gerade mit den persönlichen Angriffen auf Merkel den unglaublichen Popularitätspanzer, den die Kanzlerin besitzt. Sie ist einfach beliebt.

Mit der Alternative für Deutschland und der Linken gibt es zwei Parteien, die ausdrücklich andere Vorschläge zur Krisenbewältigung machen. Haben die etwas davon, dass das Thema im Wahlkampf angekommen ist?

Der Linken traut niemand etwas zu.

Und der AfD?

In diesem Fall bin ich tatsächlich unsicher geworden, ob sich da nicht noch etwas bewegt bis zur Wahl. Diese Partei bedient ja genau die Alltags-Ängste, über die ich vorhin sprach. Und sie findet Zugang zu einer statusverunsicherten Schicht, die sich zerrieben fühlt von unten wie von oben – und die gerne Verschwörungstheorien glaubt etwa nach dem Motto: In Berlin dominiert ohnehin ein Einheitsbrei aus den etablierten Parteien, der Wirtschaftselite und Teilen der Medien. Auch wir Meinungsforscher werden mitunter übrigens dazugerechnet.

In den Umfragen liegt die AfD unter der 5-Prozent-Marke.

Ja, das ist auch bei uns so. Die Dunkelziffer scheint mir allerdings sehr groß, möglich ist da vieles. Ich glaube aber nicht, dass man mit einem reinen Anti-Euro-Kurs wird punkten können.

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Quelle: FAZ.NET/ala.

 
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Veröffentlicht: 21.08.2013, 12:58 Uhr