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Im Interview: Makroökonom Ansgar Belke „Goldgedeckte Anleihen statt der EZB-Ankäufe“

Der Ökonom Ansgar Belke schlägt vor, dass die Euro-Krisenländer Anleihen mit Goldreserven unterlegen sollen. Damit würden Risikoprämien sinken. Die Europäische Zentralbank könnte so auf ihr Anleihekauf- Programm verzichten.

© Foto: Detlef Guethenke Vergrößern Ansgar Belke

Herr Professor Belke, die Anleihezinsen für Italien, Spanien und Portugal sind seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) von möglicherweise unbegrenzten Staatsanleihekäufen signifikant gesunken. EZB-Präsident Mario Draghi verbucht das als Erfolg. Sie dagegen empfehlen „goldgedeckte Anleihen“. Was soll der Vorteil sein?

Bei solchen Anleihen dienen die Goldreserven der Problemländer als ein Pfand für die Rückzahlung. Das gibt Anlegern mehr Sicherheit, die Risikoaufschläge sinken. Mit dem Ankaufprogramm öffnet die EZB eine gefährliche Flanke - nämlich den Verdacht, dass sie nicht aufhören kann, auch wenn ein Land sich nicht an die Reform-Konditionen hält. Goldgedeckte Anleihen wären eine Brückenfinanzierung, die verschiedene Vorteile hat. Sie sind transparenter als das EZB-Anleihekaufprogramm, sie sind nicht inflationsfördernd und haben keine Umverteilungseffekte in Europa. Die EZB-Ankäufe führen dazu, dass die guten Schuldner für die schlechten Schuldner mithaften. Wenn die Krisenstaaten Anleihen mit Gold unterlegen müssen, dann steigt der Druck, dass sie sich mit ihren Reformen mehr anstrengen. Dadurch sinkt auch die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls.

Welche Problemstaaten hätten denn genug Gold, um einen substantiellen Teil ihrer Anleihen mit Gold zu unterlegen?

In erster Linie sind das Italien und Portugal, die Goldreserven von 2452 Tonnen und 382,5 Tonnen haben. Zum aktuellen Marktpreis wären diese rund 125 Milliarden Euro wert. Das entspricht einem Anteil von 30 beziehungsweise 24 Prozent ihres Finanzierungsbedarfs über die nächsten zwei Jahre. Spanien und Griechenland haben kleinere Goldreserven von 282 und 112 Tonnen, Irland nur 6 Tonnen. Das reicht nur für wenig Goldabdeckung ihres Finanzierungsbedarfs.

Um wie viel Prozent könnten die Zinskosten sinken, wenn die Anleihen ausreichend besichert sind?

Für portugiesische fünfjährige Anleihen könnten die Zinsen bei 30 Prozent Golddeckung nach meinen Berechnungen um etwa 4 Prozentpunkte sinken. Wenn sich der Zugang zum Kapitalmarkt für Portugal verschlechtern würde und die Zinsen zum Beispiel bei 10 Prozent stehen, dann könnten diese bei einer Teilgolddeckung auf 6 Prozent sinken.

Gibt es für solche goldgedeckten Anleihen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit?

Ja, es gibt einige Beispiele, vor allem aber für goldunterlegte Kredite. 1974 haben sich Portugal und Italien von der Bundesbank so Kredite beschafft. Indien hat 1991 sein Gold eingesetzt, um Kredit von der Bank von Japan zu bekommen. 2008 hat die Schwedische Reichsbank Gold eingesetzt, um Banken Liquidität zu verschaffen. Und selbst das Baseler Komitee hat jüngst in einem Arbeitspapier Gold als mögliches Pfand genannt.

Warum sollen Italien und Portugal nicht einfach ihr Gold verkaufen, um sich Geld zu beschaffen?

Wenn sie eine so große Menge Gold auf den Markt werfen, dann gerät der Preis unter Druck. Im Übrigen gibt es internationale Abkommen mit Goldverkaufsbeschränkungen. Außerdem würde die Notenbank bei einem direkten Verkauf eine monetäre Staatsfinanzierung betreiben. Drittens gäbe es ein Anreizproblem: Ein Goldverkauf brächte einfach mehr Geld in die Kasse und erlaubt neue Ausgaben. Dagegen wirkt eine goldgedeckte Anleihe eher disziplinierend aufs Budget, weil der Staat ja sein Pfand nicht verlieren will.

Finnland hat sich für seine Beteiligung an den Euro-Rettungspaketen ein materielles Pfand ausbedungen. Deutschland hat darauf verzichtet. Ist das klug?

Nein, das ist nicht klug. Die Finnen haben recht, ein Pfand zu verlangen. Dadurch wird das Rückzahlungsversprechen der Kreditnehmer glaubwürdiger. Auch Deutschland sollte in der Euro-Rettung Pfänder verlangen.

Wäre der Einsatz der Goldreserven zur Besicherung von Anleihen eigentlich rechtlich zulässig? Das Gold liegt doch bei den Zentralbanken, die damit der Staatsfinanzierung helfen würden.

Die rechtliche Problematik ist heikel. Essentiell ist, dass das System der Europäischen Zentralbanken in unabhängiger Entscheidung zustimmt und nicht gegen das Verbot monetärer Finanzierung von Staatsschulden verstoßen wird. Dies könnte durch eine Übertragung des Goldes zunächst auf eine Schuldenagentur geschehen.

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Hat Gold in der Geldpolitik seit dem Ende von Bretton Woods noch eine Bedeutung?

Seit dem Ende von Bretton Woods 1971 ist auch der Dollar nicht mehr an Gold gekoppelt. Seitdem hat es direkt keine Bedeutung mehr für die Geldpolitik. Aber das kann sich wieder ändern, wenn es um Exit-Szenarien für den Euro geht. Verlassen Länder die Währungsunion, so können ihre Goldreserven nützlich sein, um einer neuen Währung eine gewisse Deckung zu geben.

Die Goldreserven der Bundesbank liegen überwiegend im Ausland, vor allem in New York. Einige Politiker und Bürger haben gefordert, sie zurückzuholen.

Die Lagerung in Amerika wird zum einen historisch erklärt, mit den Leistungsbilanzüberschüssen in den fünfziger und sechziger Jahren und dann mit den Gefahren im Kalten Krieg. Zum anderen wird sie mit der Nähe zu den Handelsplätzen gerechtfertigt, wo man Gold eventuell mal für eine Intervention einsetzen möchte. Für das Rückholen des Goldes spricht, dass das Verhältnis der Bundesbank mit der amerikanischen Zentralbank nicht mehr ganz ungetrübt ist. Es gibt zunehmend Anzeichen für einen Währungskrieg. Daher kann es strategisch klug sein, das Gold zurückzuholen.

Der Ökonom Ansgar Belke ist Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg-Essen. Das Gespräch mit ihm führte Philip Plickert.

Quelle: F.A.Z.

 
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