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Veröffentlicht: 30.05.2013, 08:50 Uhr

Im Gespräch: Bernd Lucke „Die Euro-Rettungskredite sind verloren“

Der Gründer der Partei „Alternative für Deutschland“ wirft der Bundesregierung Täuschung vor und erwartet, dass Griechenland noch einmal Schulden erlassen werden - aber erst nach der Bundestagswahl. Deutschland werde dabei 25 bis 30 Milliarden Euro verlieren. Zugleich wehrt sich Lucke gegen CDU-Angriffe.

© Pilar, Daniel Bernd Lucke, Gründer der Partei AfD

Herr Lucke, bei einem Euroausstieg wären Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet, warnt CDU-Generalsekretär Gröhe. Sind Sie ein ökonomischer Geisterfahrer?

Wenn ich ein Geisterfahrer bin, dann sind Dutzende Volkswirtschaftsprofessoren ebenfalls Geisterfahrer. Da stellt sich schon die Frage, wer falsch fährt, die Bundesregierung oder wir. Jedenfalls hat die Bundesregierung mit ihrer Fahrkunst in der Euro-Krise enorme Schäden angerichtet: Rezession und Rekordarbeitslosigkeit in Südeuropa, Überschuldung in der ganzen Eurozone, enorme Zahlungsverpflichtungen für die deutschen Steuerzahler.

Trotzdem: Bei einem Euroaustritt würde eine neue deutsche Währung stark aufwerten. Das würde den Export belasten.

Die Alternative für Deutschland fordert nicht einen Euroaustritt Deutschlands. Die südeuropäischen Staaten sollen aus dem Euro austreten - das ist der erste wichtige Schritt zur Auflösung des Eurogebietes. Der Ausstieg von Zypern, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal betrifft nur etwa 9 Prozent der deutschen Exporte, also einen ziemlich kleinen Anteil. Von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen kann überhaupt keine Rede sein. Es ist sogar gut möglich, dass unsere Exporte in diese Länder wachsen werden, weil die Wirtschaft in diesen Ländern angekurbelt wird, wenn sie aus dem Euro austreten und abwerten können. Zurzeit sind diese Länder in schweren Rezessionen, sodass unsere Exporte dorthin schon stark gesunken sind.

Deutschland müsste bei einem Euroabschied der Südländer die bisherigen Rettungskredite wohl abschreiben.

Das ist nicht sicher. Wenn eine wirtschaftliche Belebung in diesen Staaten eintritt, dann steigt auch die Schuldentragfähigkeit. Unter der jetzigen Politik sind unsere ESM-Kredite verloren. Griechenland ist praktisch bankrott und wird mit ESM-Krediten nur noch über die Bundestagswahl gerettet. Wenn es 50 Prozent seiner Schulden nicht mehr zurückzahlen kann, dann wird das die deutschen Steuerzahler mit 25 bis 30 Milliarden Euro treffen. Hinter vorgehaltener Hand wird doch schon eingestanden, dass die Umschuldung kommt - aber erst nach der Bundestagswahl im September. Die Bürger werden getäuscht. Das sind Verluste, die auf Deutschland unweigerlich zukommen. Dieses Geld ist verloren, durch die unsinnige Rettungspolitik verspielt worden. Das ist Frau Merkel anzulasten, nicht den Kritikern, die Griechenland aus dem Euro ausscheiden lassen wollen.

Spitzenleute aus Industrieverbänden und Banken haben klar gesagt, dass sie von Ihrer Partei und Ihrer Eurokritik nichts halten. Sind Sie wirtschaftsfeindlich?

Nein, wir sind nicht wirtschaftsfeindlich, aber wir denken langfristig statt nur an die nächste Dividende. Langfristig endet die jetzige Politik in Inflation und steuerlichen Lasten - und das wäre extrem wirtschaftsfeindlich. Die Banken haben natürlich ihre eigenen Interessen, denn sie haben die ganzen Staatsanleihen gekauft. Da profitieren sie von der Rettungspolitik, weil die Risiken von den Banken auf die Steuerzahler abgewälzt werden.

Drei Landtagsfraktionsvorsitzende der CDU haben davor gewarnt, dass die AfD viele bürgerlich-konservative Stimmen abziehen werde. Sind Sie vor allem eine Gefahr für die Union?

Wir kriegen viel Zuspruch von ehemaligen Unionsanhängern, nicht nur, aber sicherlich auch stark von den konservativen Wählern, weil deren Bindung an die CDU ohnehin schon locker geworden ist. Aber unsere Wähler kommen auch von der FDP, von der SPD, sogar auch von den Piraten. Die Wahrnehmung, dass wir nur im bürgerlichen Lager wildern würden, ist definitiv falsch.

Aber wenn es ungünstig läuft, sind Sie der Steigbügelhalter für Steinbrück-Trittin und deren Eurobonds-Ideen?

Es ist überhaupt nicht wahr, dass wir dem bürgerlichen Lager stärker schaden als dem rot-rot-grünen Lager. Insbesondere die Linke fühlt sich stark von uns gefährdet, weil viele Ostdeutsche die D-Mark zurückhaben wollen. Vielleicht drücken wir die Linke unter die 5-Prozent-Hürde.

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