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Hassfigur Georg Funke : Das Gesicht der Finanzkrise

Georg Funke war Chef der Hypo Real Estate Bild: EPA

Der frühere Chef der Skandalbank HRE kommt im Münchener Strafprozess glimpflich davon. Seine Verantwortung für den Niedergang würde er auch gerne an der Gerichtskasse abgeben.

          Im Nachhinein ist man bekanntlich schlauer. Eine Lehre aus der vergangenen Finanzkrise lautet: Wenn Hypothekenbanken an der Börse als sexy gelten, ist größte Vorsicht angebracht. Und vor gut zehn Jahren galt die Hypo Real Estate, eine von der Hypo-Vereinsbank abgespaltene Hypothekenbank mit Sitz in München, als eine interessante Bank, deren Aktien im 30 Standardwerte umfassenden Dax berücksichtigt wurden.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Am 23. Juli 2007 ließ sich der Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate, Georg Funke, mit einem breiten Lächeln im Gesicht mit einem anderen Manager aus der Branche ablichten. Denn an diesem Tag besiegelte Funke für gut 5 Milliarden Euro die Übernahme der in Dublin ansässigen Depfa Bank, die stark auf dem Markt für amerikanische Hypothekenanleihen engagiert war. Ihr Geschäftsprinzip lautete in der Bankersprache: Aus kurz mach lang: Sie lieh sich kurzfristig immer wieder Geld, um in langfristige Anlagen zu investieren.

          Aktienkurs minus 35 Prozent

          Funkes Geschäftspartner auf dem Foto war Gerhard Bruckermann, der Vorstandsvorsitzende der Depfa. Bruckermann erhielt geschätzt 120 Millionen Euro für den Deal und verschwand aus der Öffentlichkeit. Funke ging mit einer großen Hypothekenbank in die Finanzkrise, die – zumindest für die deutschen Banken – eine Woche später mit einer Gewinnwarnung der scheinbar grundsoliden IKB Deutsche Industriekreditbank begann.

          Wahr ist, dass die Hypo Real Estate die erste Welle der Finanzkrise, in der in Deutschland unter anderem die IKB und die Sachsen LB in schwere See gerieten, zumindest nach außen passabel überstand. Dass auch in München Probleme existierten, wurde Mitte Januar 2008 deutlich, als die Bank Wertberichtigungen über 390 Millionen Dollar auf amerikanische Wertpapiere bekanntgab und der Aktienkurs einen Tagesverlust von 35 Prozent erlitt. Daraufhin zogen die Aufsichtsbehörde Bafin und die Deutsche Bundesbank eine ohnehin geplante Überprüfung der Bank vor.

          In eine existenzbedrohende Krise geriet die Hypo Real Estate nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Die Bank musste mit Staatsgeldern gerettet werden, nachdem ein erster Versuch, eine Stabilisierung mit Hilfe anderer Banken zu versuchen, gescheitert war. Am 7. Oktober 2008 trat Funke vom Vorstandsvorsitz zurück; und auch der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz, ein international angesehener ehemaliger Investmentbanker, gab auf. Für öffentliche Empörung sorgte Funke, als er einige Monate später von seinem früheren Arbeitgeber Ansprüche über rund 12 Millionen Euro anmeldete.

          Seit Monaten stand Funke wegen des Vorwurfs vor Gericht, für geschönte Bilanzen verantwortlich zu sein. Wie in unserer Samstagsausgabe berichtet, wurde das Verfahren eingestellt, weil notwendige Beweismittel nicht schnell genug beschafft werden konnten. Die Staatsanwaltschaft stimmte der Einstellung – im kommenden Jahr stünde eine Verjährung ins Haus – zu, sofern Funke 18 000 Euro an zwei gemeinnützige Vereine zahlt.

          Im Prozess gab Funke von Beginn an zu erkennen, dass er keine Schuld an dem Desaster habe. Zwar sollte die Schuldfrage am Niedergang der HRE im Münchner Strafprozess gar nicht beantwortet werden. Aber Funke ging es eben auch darum, sein Bild in der Öffentlichkeit ein wenig zurechtzurücken – sofern das überhaupt möglich war. Seine Rolle in dem Skandalstück um den Immobilienfinanzierer, der nach fast 10 Milliarden Euro Finanzhilfen und 124 Milliarden Euro an Bürgschaften zum größten Rettungsfall in der Finanzkrise in Deutschland wurde, sollte die des Opfers sein: Vom Boulevard als „Bankster“ beschimpft, habe er sich als kleiner Immobilienmakler auf die Sonneninsel Mallorca zurückziehen müssen, nirgendwo in Deutschland hätte er leben geschweige denn arbeiten können.

          So sah es Funke

          Diese Einstellung, sorgsam abgestimmt mit seinem eloquenten Strafverteidiger Wolfgang Kreuzer, brach sich im Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße immer wieder Bahn. Funke zeigte sich kämpferisch, mitunter sogar angriffslustig wie zu den guten Zeiten, als er noch Vorstandsvorsitzender des einst drittgrößten deutschen Geldhauses war. Am zweiten Verhandlungstag, achteinhalb Jahre nach seinem Rauswurf bei der HRE, hatte Funke dann seinen großen Auftritt in der Öffentlichkeit. Seine gut dreistündige Verteidigung im Gerichtssaal trug er im Stil eines Managers vor, der zur Bilanzpressekonferenz seines Hauses gute Zahlen im Gepäck hat. So saß der 62 Jahre alte gebürtige Gelsenkirchener mit Anzug und Krawatte auf der Anklagebank, das schwarze Haar nur an den Schläfen etwas grauer geworden, und trug seelenruhig seine Sicht der Dinge vor.

          Sein Vortrag mündete in einem prägnanten Satz: „Die HRE ist von außen zerstört worden.“ Und die Schuldigen an dieser „Zerstörung“ lieferte er mit: Für ihn sind das diejenigen, die sich in den 21 Tagen des Jahres 2008 zwischen der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman am 15. September und dem abgewendeten Kollaps der HRE am 5. Oktober zu den „Rettern“ aufschwangen.

          Funke nannte den damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der unter anderem zwei weitere wichtige Entscheidungsträger jener Zeit informierte: den Präsidenten der Finanzaufsicht Bafin, Jochen Sanio, und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Der SPD-Politiker hatte mit Blick auf die Liquiditätsnot der HRE von einer „geordneten Abwicklung“ gesprochen, die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte die Kreditwürdigkeit herunter, und damit war die Bank erledigt. So sah es Funke.

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