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Veröffentlicht: 27.04.2013, 15:43 Uhr

Hans-Werner Sinn im Gespräch „Es lohnt sich, den Euro zu verteidigen“

Starökonom Hans-Werner Sinn plädiert im Interview für eine Währungsunion der Starken und verlangt höhere Opfer von den Sparern und den Banken.

© Frank Röth „In Zypern wurden Sparer bis zu einem Guthaben von 100.000 Euro gerettet. Die Grenze war zu hoch“, sagt Hans-Werner Sinn, Wirtschaftsprofessor und Präsident des ifo-Instituts

Professor Sinn, in Deutschland fordert eine neue Partei den Ausstieg aus dem Euro. Zu Recht?

Die Argumente der Partei sind größtenteils vernünftig. Bernd Lucke und viele seiner Mitstreiter sind anerkannte Ökonomen, die wissen, wovon sie reden. Trotzdem gehöre ich der Partei nicht an und gebe dem Euro noch mehr Chancen, als die Kollegen es tun.

Halten Sie die Rückkehr zur D-Mark für unrealistisch?

Ich glaube, dass es sich lohnt, den Euro als solchen zu verteidigen. Ich halte es aber für einen großen Fehler, die schwachen Länder Südeuropas auf Biegen und Brechen im Euro zu halten. Damit hilft man diesen Ländern nicht, und man verringert die Überlebenswahrscheinlichkeit des Euro.

Beruhigt sich die Krise nicht gerade etwas?

Nur vordergründig, weil die Steuerzahler der noch gesunden Länder über die Europäische Zentralbank und den Hilfsfonds ESM gewaltige Kredit- und Haftungsrisiken eingehen. Das hilft den privaten Gläubigern der südlichen Länder, sich aus dem Staube zu machen, aber es macht die Staaten des Nordens an ihrer Stelle zu Gläubigern des Südens. Streit und Zwietracht zwischen den Völkern sind dadurch programmiert.

Inwiefern hilft man den Gläubigern, sich aus dem Staube zu machen?

Nehmen Sie Zypern. Die EZB hat zugelassen, dass die zyprische Notenbank den privaten Banken im vergangenen Jahr in großem Umfang Notkredite gab. Mit deren Hilfe konnten sie Einlagen auszahlen, obwohl sie eigentlich schon pleite waren. Das grenzte an Konkursverschleppung. Viele Großanleger konnten ihr Vermögen noch kurz vor Toresschluss in Sicherheit bringen. Wenn man Schuldenschnitte macht, dann lieber gleich. Je später man damit anfängt, desto mehr Verluste bleiben an den Steuerzahlern Europas hängen.

- © AFP Vergrößern „Bernd Lucke und viele seiner Mitstreiter sind anerkannte Ökonomen, die wissen, wovon sie reden“ - der AfD gehört Hans-Werner Sinn aber nicht an

War Zypern die historische Wende in der Euro-Rettung?

Die Kreditgeber eines Staates haben wir im Fall Griechenlands schon vor einem Jahr zur Kasse gebeten. Dennoch war Zypern eine Wende. Die Europäische Union hatte noch im Juni vergangenen Jahres erklärt, dass es bis zum Jahr 2018 keine Gläubigerbeteiligung bei der Bankenrettung geben werde. Das war ein Skandal, gegen den 480 deutsche Ökonomen in zwei Aufrufen protestiert haben. Bei der Politik dauerte die Einsicht etwas länger.

So wie in Zypern macht man es jetzt immer?

Ja. Die Summen, um die es geht, sind für die Steuerzahler viel zu groß. Die Schulden der Banken in den Krisenländern liegen mit neun Billionen Euro bei fast dem Dreifachen der Staatsschulden, und es wird geschätzt, dass ein Zehntel davon toxisch ist. Nur eine Gruppe kann die anstehenden Lasten tragen, das sind die Gläubiger der Banken selbst.

Sie halten es also für richtig, dass auch in anderen Ländern Europas die Sparer künftig für die Bankenrettung bluten sollen?

Wenn die Banken pleite sind, natürlich. Wer denn sonst? Es soll künftig eine klare Hackordnung geben. Damit im Falle einer Bankenpleite jeder weiß, an welcher Stelle in der Reihenfolge der Gläubiger er steht.

Das verunsichert aber viele Sparer, die sich fragen, ob ihr Geld noch sicher ist.

Der liebe Gott steht leider nicht zur Verfügung, die gewünschte Sicherheit zu erzeugen. Es ist gut, wenn Kleinsparer zu Lasten der Großsparer durch eine Einlagensicherung geschützt werden. Aber auch die Einlagensicherung kann pleitegehen. Nichts ist völlig sicher. In Zypern haben ausländische Steuerzahler, die mit der ganzen Sache gar nichts zu tun hatten, Sparer mit Guthaben bis zu 100.000 Euro gerettet.

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