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Großer Finanzsektor Luxemburg wehrt sich gegen Zypern-Vergleich

Die Finanzbranche des Großherzogtums ist viel bedeutender als die des Mittelmeerlandes. Das sei aber unproblematisch, sagen Politiker und Bankenvertreter. Denn dafür sei die luxemburgische Kundschaft internationaler.

© Wolfgang Eilmes Dicke Mauern: Luxemburg betont die Stärken des Finanzplatzes

Die drei Beneluxländer gelten in der Europapolitik traditionell als treue Verbündete. Im Großherzogtum Luxemburg haben allerdings jüngste Bemerkungen des niederländischen Finanzministers Jeroen Dijsselbloem für Irritationen gesorgt. Der Nachfolger des luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker im Amt des Vorsitzenden der Eurogruppe hatte erklärt, das jüngste Rettungsprogramm für Zypern könne eine Blaupause für künftige Hilfsaktionen in der Währungsunion sein. Ausgesprochen hatte es Dijsselbloem zwar nicht, aber ein Verdacht waberte anschließend durch Europa: Wenn die Bilanzsumme zyprischer Banken etwa siebenmal so hoch ist wie die Wirtschaftsleistung, die der luxemburgischen Geldhäuser aber sogar 22-mal höher - könnte das dem Großherzogtum zum Verhängnis werden?

Michael Stabenow Folgen:

Inzwischen scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben. Der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden sagte der Zeitung „Luxemburger Wort“, Dijsselbloem habe ihm versichert, niemals gesagt zu haben, dass der luxemburgische Finanzmarkt schrumpfen müsse. „Die Größe eines Landes sagt nichts darüber aus, ob ein Finanzplatz stabil ist oder nichts“, erläuterte Frieden. Drastischer formulierte es Ernst Wilhelm Contzen, Präsident der Bankenvereinigung (ABBL) des Landes: „Man vergleicht doch auch nicht den Umsatz von Siemens mit der Finanzkraft der Stadt München.“ Fast scheint es, als wollten Politiker und Banker gerade jetzt für den Finanzplatz werben.

Französische Institute haben das größte Gewicht

Ausgangspunkt ist das Argument, Luxemburg sei nicht Zypern. Meist von russischen Anlegern stammendes Geld sei aus dem Mittelmeerland als Kredit überwiegend nach Griechenland geflossen. Mit dem Schuldenschnitt für Athen habe das Schicksal seinen Lauf genommen. „In Luxemburg gibt es 140 internationale Banken, die Produktpalette ist wesentlich breiter gestreut, die Kunden kommen aus sehr vielen Ländern, aus der EU und Drittstaaten“, erklärte Finanzminister Frieden. Die Bilanzsumme der in Luxemburg präsenten Banken und Niederlassungen ist zwar seit 2008 von 930 auf 757 Milliarden Euro geschrumpft; der „Solvabilitätskoeffizient“ der Banken, der das Verhältnis der Eigenmittel zu den Risikoaktiva misst, stieg dagegen von 14,3 auf 17 Prozent, während er in zyprischen Banken nur rund 7 Prozent betrug. Die Anzahl der in Luxemburg ansässigen Banken, die in den neunziger Jahren 220 betrug, ging deutlich zurück. Dies habe zum Teil mit Fusionen, aber auch damit zu tun, dass eine Reihe von kleineren Instituten wegen zunehmender regulatorischer Auflagen vom Markt verschwunden sein, erläuterte Bankenpräsident Contzen.

Infografik / Banken in Luxemburg Banken in Luxemburg © F.A.Z. Bilderstrecke 

Obwohl die meisten Banken (37) aus Deutschland stammen, ist das Gewicht französischer Institute am größten. So entfallen 4000 der fast 27.000 Arbeitsplätze auf das französische Institut BNP Paribas. Als für die Wirtschaft systemrelevant gelten neben der staatlichen Bank BCEE die einst zum havarierten französisch-belgischen Dexia-Konzern zählende BIL und die von BNP Paribas übernommene BGL. BIL und BGL musste der Staat finanziell stützen - Probleme der Muttergesellschaften werden dafür verantwortlich gemacht.

Kein Steuerparadies

Hauptpfeiler des Bankenplatzes ist das Fondsgeschäft, auf das ein Drittel der Sparte entfällt. Seit den sechziger Jahren blüht das Geschäft mit Investitionsfonds. Heute sei Luxemburg ein Drehkreuz bei der Vergabe von Finanzprodukten in Europa, erläuterte Contzen. So gibt es derzeit 3840 Investmentfonds mit einem Vermögen von 2,4 Billionen Euro, die in 70 Ländern vertrieben werden.

Politiker und Banker stellen einige Stärken in den Vordergrund. Die Banken seien mit den Feinheiten des Markts bestens vertraut. Zudem feilten sie mit Hilfe des eigenen Forschungsinstituts Luxembourg School of Finance und eines von der Deutschen Bank an der Universität eingerichteten Lehrstuhls an der Attraktivität des Finanzplatzes. Außerdem zehre das Land davon, politisch nicht in eine Schublade eingeordnet werden zu können.

Finanzbranche soll Hauptstütze bleiben

Weitere Säulen des luxemburgischen Finanzmarktes sind Versicherungen, eine Fülle von Anwalts-, Consulting- und Prüfungsunternehmen sowie das traditionelle Privatkundengeschäft, auf das noch ein Sechstel der Branche entfällt. Obwohl die Zahl ausländischer Privatkunden seit Einführung der EU-Regeln zur Besteuerung von Zinserträgen sinkt, gibt man sich in Luxemburg zuversichtlich. Dies gilt nicht nur für die Fondsindustrie, sondern auch für das Geschäft mit Privatkunden. Vermögende Kunden fühlten sich in dem internationalen Umfeld mit den vielen attraktiven Anlagemöglichkeiten gut aufgehoben, glaubt Contzen. Zu Unrecht hafte Luxemburg nach wie vor oft der Ruf an, ein Steuerparadies zu sein. „Wir haben nicht nur die strengsten Regeln zur Abwehr von Geldwäsche. Wir gelten auch als vertrauenswürdig, weil wir sehr schnell EU-Vorschriften in luxemburgisches Recht umsetzen“, sagte der Bankenpräsident.

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Finanzminister Frieden und Premierminister Juncker erwarten, dass die Finanzbranche die Hauptstütze der Wirtschaft bleibt. Zuletzt entfielen auf sie rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dennoch wird weiter an einer Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur gearbeitet. Die Stahlindustrie hat zwar einiges an Glanz eingebüßt, soll aber eine wichtig bleiben. Auch will das Land weiterhin Industriestandort von Zulieferern für die Automobilindustrie sein. Eine Rolle spielen auch Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnikbranche wie der in den achtziger Jahren gegründete Satellitenbetreiber SES. Auch der Internet-Versandhändler Amazon und der Internet-Telefondienst Skype haben ihre europäische Basis im Großherzogtum. Große Hoffnungen setzt die Regierung in die mit hohen Fördermitteln ausgebaute Universität und ihr angegliederte Forschungseinrichtungen.

Quelle: F.A.Z.

 
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