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Schuldenkrise Tragödie in Griechenland

Griechenland sei kein Fass ohne Boden, hat Wolfgang Schäuble immer versichert. Nun spricht er vom dritten Hilfspaket. Die Tragödie steuert auf ein unschönes Ende zu.

Über das Ausmaß des griechischen Debakels haben die „Rettungskräfte“ sich und das Publikum seit Mai 2010 schon oft getäuscht. Griechenland sei kein Fass ohne Boden, versicherte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Inzwischen gibt er zu, dass auch das zweite Hilfspaket nicht ausreicht. Mehr als 300 Milliarden Euro Schulden lasten auf dem Land. Fast neun Zehntel davon halten inzwischen öffentliche Hände, mithin liegt das Risiko bei den Steuerzahlern. Dieses Jahr wird die Schuldenquote voraussichtlich auf 175 Prozent steigen. Selbst geübten Schönfärbern fällt es schwer, da noch von Schuldentragfähigkeit zu sprechen.

Philip Plickert Folgen:    

Jetzt zermartern sich die Euroretter wieder das Hirn über neue Hilfen. Aber jede Option hat Haken. Aus EU-Töpfen könnten höchstens ein paar hundert Millionen umgelenkt werden, dieses Volumen reichte in keinem Fall aus. Außerdem sind direkte Transfers beim Wähler unbeliebt. Bislang hat die Regierung stets die Illusion aufrecht erhalten, dass nur Kredite und Bürgschaften gegeben würden. Die zweite Option, ein neues Programm mit noch mehr Krediten, hilft Athen nicht, denn damit stiege die Schuldenquote weiter. Der Internationale Währungsfonds (IWF) müsste die Notbremse ziehen, weil die mit idealisierten Wachstumsannahmen herbeigerechnete Schuldentragfähigkeit noch unrealistischer würde.

Die dritte, von Schäuble wohl bevorzugte Option ist daher, an den Rädchen der Kreditpakete zu drehen: Laufzeiten zu verlängern und Zinsen zu senken. Aber die Zinsen sind ohnehin schon gering. Derzeit zahlt Griechenland laut IWF durchschnittlich nur 2,3 Prozent. Auf die bilateralen Kredite wurden die Zinsen schon um einen Prozentpunkt ermäßigt, die Laufzeit bis 2041 gestreckt. Was soll noch kommen? Eine Verlängerung zum Sankt-Nimmerleins-Tag ist nichts anderes als ein verschleierter Schuldenerlass.

Statt weiterer Konkursverschleppung wäre ein offener Schuldenschnitt die angemessene, ehrliche Antwort. Er brächte die Retter aber auch in eine unangenehme Situation. Zum einen müsste Deutschland wohl 20 Milliarden Euro abschreiben, Frankreich fast ebenso viel. Zum anderen würden Iren und Portugiesen fragen, warum sie weiter Schuldendienst leisten, während die Griechen zum zweiten Mal einen Erlass bekommen. Die Eurorettung erinnert immer mehr an eine Tragödie: Was man auch macht, es steuert auf ein sehr unschönes Ende zu.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.08.2013, 20:04 Uhr

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Von Markus Frühauf

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