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Schuldenkrise : So teuer ist die Euro-Rettung in Griechenland

Ein Straßenhändler in Athen: Laut aktuellen Umfragen wollen Dreiviertel aller Griechen den Euro behalten. Bild: AP

Millionen, Milliarden, zig Milliarden: Was hat die Schuldenkrise der Griechen Deutschland bislang gekostet? Und wie teuer könnte es noch werden?

          Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf die drohenden Ausfälle angesprochen wird, die sich aus einem Staatsbankrott Griechenlands für den Bundeshaushalt ergeben können, zeigt er sich üblicherweise betont gelassen. Der CDU-Politiker erinnert dann daran, dass die erste Rückzahlung von Krediten, für die Deutschland haftet, erst im Jahr 2020 anstehe. Bei einem Teil der Schuld beginne diese sogar erst im Jahr 2023. Zudem laufe die Tilgung über eine lange Frist. Das soll zu der Schlussfolgerung verleiten, dass die Belastungen aus einer Insolvenz Griechenlands ohne größere Probleme verkraftbar seien.

          Was hat die Schuldenkrise der Griechen Deutschland bislang gekostet?

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die internationalen Gläubiger (Euro-Staaten und IWF) haben Griechenland mit zwei Programmen bislang Hilfen über fast 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Der deutsche Steuerzahler hat die Kosten der Griechenlandhilfen bisher kaum realisiert - obwohl Deutschland allein mit dem ersten Hilfspaket Haftungszusagen von mehr als 15 Milliarden Euro übernommen hat. Das Geld floss über die bundeseigene Förderbank KfW. Mit dem zweiten Hilfspaket und dem vorläufigen Schutzschirm EFSF kamen für den deutschen Steuerzahler noch einmal 41,3 Milliarden Euro hinzu. Weitestgehend ist auch das Geld schon nach Athen geflossen. Aktuell geht es im Ringen mit Athen nur noch um eine letzte kleine Tranche.

          Bild: F.A.Z.

          Schuldenschnitt 2012: Dass es nicht nur um theoretische Risiken geht, die lediglich auf dem Papier stehen, sondern so etwas schnell Realität werden kann, zeigt der Blick zurück auf den Schuldenschnitt für Griechenland im Frühjahr 2012. Die privaten Anleihegläubiger mussten vor drei Jahren auf 53,5 Prozent des gezeichneten Nominalwerts von griechischen Staatsanleihen von rund 200 Milliarden Euro verzichten, sie verloren also rund 107 Milliarden Euro Nennwert. Die staatliche KfW hat dabei nach offiziellen Angaben Abschreibungen von 182 Millionen Euro vorgenommen. Das trifft mittelbar den Bund, dem vier Fünftel der Anteile gehören, ein Fünftel liegt bei den Ländern. Weitaus stärker schlug der Schuldenschnitt auf die staatlichen „Bad Banks“ durch, in denen die risikobehafteten Papiere der Hypo Real Estate und der West LB ausgelagert worden sind. „Die beiden Abwicklungsanstalten haben Verluste von insgesamt 9,7 Milliarden Euro verbucht“, berichtet das Finanzministerium auf Nachfrage. Diese Verluste haben indirekt die Steuerzahler getroffen.

          Verdeckter Schuldenschnitt 2012: Hinzu kommt ein zweiter, verdeckter Schuldenschnitt. Dieser entstand durch den Beschluss der Eurofinanzminister im November 2012, als sie die Zinsen der Hilfskredite des Krisenfonds EFSF für Athen stark gesenkt und die Laufzeiten verlängert haben. Nach früheren Berichten soll das allein die KfW 130 Millionen Euro im Jahr gekostet haben. Durch die Zinsreduktion und die spätere Rückzahlung der Kredite verringerte sich der Barwert der Forderungen. Der Chef des EFSF-Fonds Klaus Regling hat ausgerechnet, dass alle Vergünstigungen zusammen einer Verringerung des Nettobarwerts in Höhe von 40 Prozent der Darlehen der Europäer gleichkommen. Auch wenn Regling betont, dass dies kein Forderungsverzicht gewesen sei, kommt es einem solchen faktisch gleich.

          Was ist mit den griechischen Anleihen im Besitz der Zentralbank?

          Neben den Haftungsübernahmen aus den Krediten haben sich erhebliche Risiken im System der europäischen Zentralbanken aufgebaut. Von Mai 2010 bis September 2012 kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals Staatsanleihen ausgewählter Euro-Krisenländer auf (SMP-Programm). Die erworbenen Anleihen werden bis zur Endfälligkeit gehalten. Damit Griechenland mittelfristig eine Chance hat, seine Schulden selbst finanzieren zu können, gab es im November 2012 die Zusage, dass die Zentralbanken den rechnerischen Gegenwert der aus diesen Anleihen erzielten Gewinne an Athen abführen. Der deutsche Anteil betrug 599 Millionen Euro im Jahr 2013. Um den Eindruck zu vermeiden, dass es sich um eine verbotene Staatsfinanzierung mit Hilfe der Geldpolitik handelt, überwies die Bundesbank ihren Gewinn wie sonst auch an den Bund. Schäuble reichte dann die knapp 600 Millionen Euro an Athen weiter. Für 2014 geht es aus deutscher Sicht um 532 Millionen Euro. Dieses Geld ist auf einem Sonderkonto des ESM-Fonds in Luxemburg geparkt. „Ihre Freigabe ist an den erfolgreichen Abschluss des derzeitigen Anpassungsprogramms geknüpft“, heißt es aus dem Bundesfinanzministerium.

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