Home
http://www.faz.net/-gqu-7gzo2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schuldenkrise Merkel macht Schröder verantwortlich für Griechenland-Misere

Die Kanzlerin wirft ihrem Amtsvorgänger vor, den Grundstein für die Schuldenkrise gelegt zu haben. Den Finanzbedarf, mit dem die SPD für Griechenland kalkuliert, hält Finanzminister Schäuble derweil für absichtlich falsch dargestellt.

© dapd Vergrößern Wie viel Geld braucht Griechenland noch?

Im Wahlkampf verschärft sich der Ton über Griechenlands Finanzprobleme: Während einer Wahlkampfveranstaltung im schleswig-holsteinischen Rendsburg warf Kanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend ihrem Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) vor, Griechenland in die Eurozone aufgenommen und damit den Grundstein für die heutige Eurokrise gelegt zu haben.

„Kanzler Schröder hat Griechenland aufgenommen und hat den Stabilitätspakt aufgeweicht”, sagte Merkel. „Beides war grundfalsch und einer der Ausgangspunkte unserer heutigen Schwierigkeiten.” Man hätte damals Griechenland „gar nicht aufnehmen dürfen in den Euroraum”, so Merkel.

Mit der Attacke auf ihren Amtsvorgänger reagiert die Kanzlerin auch auf die jüngste Kritik ihres SPD-Herausforderers Peer Steinbrück, der Merkel vorwirft, den deutschen Steuerzahlern die wahren Kosten der Eurorettung zu verschweigen.

„Brutto statt netto“

Finanzminister Wolfgang Schäuble konterte unterdessen, die SPD arbeite mit falschen Berechnungen der Finanzierungsbedarfs von Griechenland. „Man verwechselt Brutto und Netto“, sagte Schäuble. Er reagierte damit auf die Aussage der SPD, dass bis 2020 weitere 77 Milliarden Euro in Griechenland fehlen würden. Aus seiner Sicht ist stattdessen die Größenordnung von elf Milliarden Euro „nicht völlig unrealistisch“ - bezogen auf die kommenden beiden Jahre. Einen weiteren Schuldenschnitt werde es jedoch nicht geben, bekräftigte Schäuble.

Die Debatte um die Eurorettung beherrscht den Bundestagswahlkampf, seitdem Schäuble auf einer Wahlveranstaltung in der vergangenen Woche ein weiteres Rettungspaket für Griechenland in Aussicht gestellt hatte.

Steinbrück, der in der Großen Koalition unter Merkel einst Finanzminister war, fordert ein Ende von Merkels Sparpolitik und ein Konjunkturprogramm für die südeuropäischen Euro-Krisenländer. Merkel hat mehrfach betont, dass sie Griechenland in der Eurozone halten will, fordert aber gleichzeitig einen harten Sparkurs in dem Land.

240 Milliarden Euro wurden seit Beginn der Krise 2010 schon an die Griechen verliehen. Griechenlands Finanzminister Giannis Stournaras  bezifferte das nächste Finanzierungsloch für 2014 und 2015 am Sonntag auf zehn  Milliarden Euro. Würde Athen einen zusätzlichen Notkredit erhalten, würde  die Verschuldung noch weiter in die Höhe schießen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit Bloomberg, dpa-AFX, Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurokrise Kein Durchbruch in Riga

Deutschland, Frankreich und Griechenland haben im Schuldenstreit keinen Konsens gefunden. Es bestünden weiter die bekannten Differenzen, hieß es nach einem nächtlichen Treffen von Kanzlerin Merkel, Präsident Hollande und Ministerpräsident Tsipras in Riga. Den Griechen läuft die Zeit davon. Mehr

22.05.2015, 03:59 Uhr | Wirtschaft
Bayerischer Finanzminister Söder kritisiert griechische Reparationsforderungen

Der bayerische Finanzminister Markus Söder hat die Forderungen Griechenlands nach Reparationszahlungen aus Deutschland kritisiert. Griechenland möchte von Deutschland 278,7 Milliarden Euro Entschädigungen. Mehr

02.05.2015, 12:08 Uhr | Politik
Griechenlands Schuldenkrise Tsipras setzt auf Machtwort Merkels

Heute trifft die Kanzlerin Frankreichs Staatspräsident Hollande und EU-Kommissionschef Juncker. Es geht um Griechenland. Gerade dessen Regierungschef veröffentlicht überraschend einen großen Zeitungsbeitrag. Mehr

01.06.2015, 08:27 Uhr | Wirtschaft
Griechenlands Schuldenkrise Merkel und Tsipras wollen Differenzen überwinden

Deutschland und Griechenland wollen künftig ungeachtet der jüngsten Differenzen über den richtigen Kurs in der Eurozone wieder enger zusammenarbeiten. Das sagten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras bei einem Treffen in Berlin. Mehr

24.03.2015, 10:54 Uhr | Politik
Schuldenkrise Varoufakis: Rentner werden vor Gläubigern bedient

Sollte das Geld ausgehen, werde Griechenland zunächst Pensionen und Gehälter auszahlen, sagt der griechische Finanzminister. Allerdings rechnet er für die nächsten Tage ohnehin mit einer Einigung mit der EU. Über Engpässe könnte auch der Euro-Rettungsfonds helfen. Mehr

19.05.2015, 04:01 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.08.2013, 12:05 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Geldregen über Asien

Von Christoph Hein, Singapur

China, Japan und Amerika liefern sich ein bizarres Rennen um die Vergabe von Krediten in Asien. Der Kontinent braucht Billionen. Die Geberländer wissen genau, dass ihr Geld gut angelegt ist. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden