Home
http://www.faz.net/-gqu-74wcw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Schuldenkrise Griechenland mit Schulden-Rückkauf offenbar erfolgreich

Griechenland kauft seine Anleihen zurück und versucht so, einen Teil seiner Schulden loszuwerden. Die Frist für den Schuldenrückkauf wurde nun bis Dienstag verlängert. Das Manöver scheint zu funktionieren.

© Bode, Henning Eine Statue des Königs Leonidas in Sparta.

Griechenland steht vor einem Erfolg beim Schuldenrückkauf und damit vor der Auszahlung dringend benötigter Milliardenhilfen. Zu den offerierten Preisen von 30 bis 40 Cent je ein Euro Anleihen-Nennwert wurden der Regierung Schuldpapiere im Umfang von rund 30 Milliarden Euro angeboten, sagte am Samstag ein Regierungsvertreter.

Er signalisierte damit, dass die Rückkaufaktion ihr gestecktes Ziel erreicht haben dürfte. Das ist umso wichtiger, als von deren Erfolg weitere Entlastungen und auch die Freigabe von insgesamt 43,7 Milliarden Euro an bereits früher zugesagten Kredithilfen für das Land abhängen.

Die griechische Zeitung „Ta Nea“ berichtet, der Regierung seien bis Ende vergangener Woche doch nur Anleihen im Umfang von 26 bis 27 Milliarden Euro angeboten worden. Da dies unter der angestrebten Marke von 30 Milliarden Euro liegt, will die Regierung die Bücher nun noch einmal öffnen, um die fehlenden drei bis vier Milliarden Euro auch noch einzuspielen.

20 Milliarden weniger Schulden

Das Rückkaufangebot traf offenbar sowohl bei griechischen, wie bei ausländischen Haltern griechischer Staatsanleihen - darunter befinden sich viele Hedgefonds - auf Interesse. „Im Großen und Ganzen lief das Rückkaufprogramm gut“, sagte ein griechischer Regierungsvertreter. Das, was die Anleger uns angedient haben, bewegt sich in der erwarteten Größenordnung von etwa 30 Milliarden Euro.“ Die griechischen Banken, die rund 17 Milliarden Euro an Staatspapieren von insgesamt gut 60 Milliarden Euro halten, die sich noch im privaten Besitz befinden, hatten bereits ihre Teilnahme an dem Programm angekündigt. Und auch ausländische Investoren haben sich nach Zeitungsberichten bereiterklärt, 15 bis 16 Milliarden Euro an Anleihen an die Regierung zu verkaufen.

Mit dem Rückkaufprogramm könnte die griechische Regierung auf Basis der gebotenen Preise und des Kaufumfangs ihre Schuldenlast um fast 20 Milliarden Euro verringern. Das hilft langfristig beim Abbau des Schuldenberges, der für das Land zumindest wieder einigermaßen tragbar sein muss - eine für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ganz wichtige Anforderung. Griechenland wird außerdem kurzfristig von Zins- und Tilgungszahlungen entlastet.

Mehr zum Thema

Mit dem Schuldenrückkauf ist eine wesentliche Bedingung erreicht, um dem Land weitere Entlastungen im Bereich von Zinsen, Kreditlaufzeiten und Stundungen zu sichern, auf die sich die Euro-Länder und der IWF kürzlich verständigt hatten. Insgesamt haben all die Hilfen einen Umfang von etwa 40 Milliarden Euro. Formal darüber entscheiden wollen die Euro-Finanzminister am 13. Dezember. Dann wollen sie auch die früher schon zugesagten Kredithilfen von 43,7 Milliarden Euro freigeben. Gut 34 Milliarden Euro davon sollen schon im Dezember fließen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte die Griechenland-Hilfen in der „Bild am Sonntag“ noch einmal, auch wenn sie erstmals den deutschen Bundeshaushalt belasten werden. „Wie viel das insgesamt kostet, kann ich noch nicht abschließend sagen“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Der Verzicht auf Zinseinnahmen belaufe sich für Deutschland auf rund 130 Millionen Euro im Jahr. Die Ausschüttung von Geldern, die den EZB-Gewinnen aus dem Anleihen-Ankaufprogramm von zehn Milliarden Euro bis 2035 entsprächen, bedeuteten insgesamt 2,7 Milliarden Euro weniger für Deutschland.

Quelle: FAZ.net / Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schuldenkrise in Griechenland Hilfspaket beschlossen – und nun?

Athen und die Euro-Finanzminister haben den Weg für ein weiteres Hilfspaket frei gemacht. Wie geht es nun weiter mit Griechenland? Bankenumbau, Renten, Schulden und die Rolle des IWF sind die wichtigsten Themen. FAZ.NET erklärt die nächsten Schritte. Mehr

15.08.2015, 14:45 Uhr | Wirtschaft
Nach Treffen mit IWF-Chefin Varoufakis verspricht Kredit-Rückzahlung

Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat zugesagt, dass Griechenland alle vereinbarten Auflagen gegenüber seinen Gläubigern unbegrenzt einhalte. Derzeit ringen Gläubiger und die Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Mehr

06.04.2015, 10:26 Uhr | Politik
Rettungsmilliarden freigegeben Griechenland zahlt EZB 3,4 Milliarden Euro zurück

Griechenland hat die ersten Milliarden aus dem dritten Hilfsprogramm erhalten. Und einen Teil davon gleich weitergeleitet – um Schulden zu begleichen. Mehr

20.08.2015, 09:53 Uhr | Wirtschaft
Bayerischer Finanzminister Söder kritisiert griechische Reparationsforderungen

Der bayerische Finanzminister Markus Söder hat die Forderungen Griechenlands nach Reparationszahlungen aus Deutschland kritisiert. Griechenland möchte von Deutschland 278,7 Milliarden Euro Entschädigungen. Mehr

02.05.2015, 12:08 Uhr | Politik
Griechenland-Krise ESM-Chef sieht weiterhin ein Grexit-Risiko

Wenn Griechenland seine Reformzusagen bricht oder seine Zahlungsverpflichtungen nicht einhält, besteht immer noch ein Grexit-Risiko. Das sagte der Chef des Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, in Berlin. Mehr

27.08.2015, 13:00 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 10.12.2012, 15:01 Uhr

Jugendliche wissen zu wenig über Wirtschaft

Von Lisa Becker

Wie funktioniert die Börse? Was sind Aktien? Darüber müssen Schüler mehr erfahren. So lernen sie auch mit eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen verantwortungsvoller umzugehen. Mehr 21 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Microsoft wächst langsamer als die Konkurrenz

Für Microsoft gab es in dieser Woche Grund zum Feiern. Doch nachdem Apple Microsoft beim Umsatz längst überflügelt hat, kommt nun auch Google näher ran. Mehr 0