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Syriza-Sieg in Griechenland : Tsipras wird noch am Montag vereidigt

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Strahlender Gewinner der Wahl: Alexis Tsipras Bild: Reuters

Die linke Syriza-Partei von Alexis Tsipras hat die Parlamentswahl in Griechenland überraschend klar gewonnen. Tsipras will wieder eine Regierung mit den Rechtspopulisten bilden - und schwört sein Volk auf harte Zeiten ein.

          Nach dem klaren Sieg der Linkspartei Syriza bei der Parlamentswahl in Griechenland soll ihr Vorsitzender Alexis Tsipras schon am Montagabend als Ministerpräsident vereidigt werden. Dies berichtete das griechische Staatsfernsehen (ERT1) unter Berufung auf Syriza-Kreise. Das neue Kabinett soll demnach am Dienstag vereidigt werden. Über die Zusammensetzung der Ministerriege gab es zunächst keine Informationen.

          Am Sonntagabend hatte Tsipras angekündigt, er werde die Koalitionsregierung mit seinen bisherigen Partnern von der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel) fortsetzen. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt die Syriza-Partei auf 35,5 Prozent und 145 Sitze im Parlament - inklusive 50 Bonus-Sitzen für die stärkste Fraktion. Der größte Herausforderer, die Nea Dimokratia (ND) unter Evangelos Meimarakis, kam auf 28,09 Prozent und erhält 75 Mandate. Zusammen mit der Anel-Partei (3,7 Prozent und zehn Abgeordnete) wird die neue Regierung eine knappe Mehrheit von 155 Abgeordneten im 300 Sitze zählenden Parlament haben. Tsipras verständigte sich noch am Wahlabend mit dem Anel-Chef Panos Kammenos auf eine Wiederauflage der Koalition geeinigt.

          Die rechtsradikale Partei Goldene Morgenröte wird mit 18 Abgeordneten im neuen Parlament vertreten sein. Die panhellenische sozialistische Bewegung (Pasok) und die kleine demokratische Linke (Dimar), die für die Wahl ein Bündnis gebildet hatten, erreichen jeweils 17 Sitze, die Kommunisten auf 15. Die Partei der politischen Mitte To Potami sicherte sich 11 Mandate und die Zentrumsunion 9.

          Wahlen in Griechenland

          Wählerstimmen

          Wahlkreise, stärkste Parteien

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          Sitzverteilung im Parlament

          Ergebnisse im Detail

          Der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia (ND), Evangelos Meimarakis, gestand früh seine Niederlage ein. „Ich gratuliere Herrn Tsipras und fordere ihn auf, seine Regierung zu bilden“, sagte er im griechischen Fernsehen am Sonntagabend.

          Tsipras bedankte sich nach der Wahl bei den Wählern. „Das griechische Volk hat uns ein klares Mandat gegeben, im In- und Ausland für den Stolz unseres Volkes zu kämpfen", sagte er am Sonntagabend bei einer Rede im Zentrum Athens. Griechenland habe wegen des Sparprogrammes schwierige Zeiten vor sich, erklärte Tsipras. Um aus der Krise zu kommen, gebe es keine „magischen" Lösungen. „Wir werden aber die sozial Schwachen schützen."

          Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem bezeichnete das Wahlergebnis im Kurznachrichtendienst Twitter als „starkes Mandat“ der Wähler, um den Reformkurs des Landes fortzusetzen.

          Strahlend: Alexis Tsipras kommt vor der Syriza-Parteizentrale in Athen an

          Am 20. August hatte Tsipras mit seinem Rücktritt den Weg für die vorgezogenen Neuwahlen freigemacht, nachdem ihm im Streit um die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern ein Teil seiner Partei die Gefolgschaft verweigert hatte. Der linke Flügel, der nach der Abspaltung von Syriza die Partei Volkseinheit gründete, wirft Tsipras vor, sich trotz anders lautender Wahlversprechen den Spar- und Reformforderungen der Kreditgeber gebeugt zu haben.

          Syriza war bei der Parlamentswahl im Januar mit 36,3 Prozent mit dem Versprechen stärkste Kraft geworden, die schmerzhafte Sparpolitik zu beenden. Im Juli schloss Tsipras dann aber trotz eines Nein-Votums der Bevölkerung ein Abkommen mit den Geldgebern, um neue Finanzhilfen in Höhe von 86 Milliarden Euro zu erhalten. Dies kostete Tsipras viel Zustimmung, während sein Herausforderer Meimarakis deutlich an Beliebtheit zulegte.

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