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Grexit-Debatte : Ifo-Chef Sinn: Tsipras hat das Problem verstanden

  • Aktualisiert am

Hans-Werner Sinn Bild: Eilmes, Wolfgang

Griechenland muss nach Ansicht von Hans-Werner Sinn die Euro-Zone verlassen, sonst kommt es nicht wieder auf die Beine. Der Ifo-Chef setzt dazu ausgerechnet auf Syriza-Chef Alexis Tsipras.

          Es ist eine klare Ansage: Nur wenn Griechenland aus der Euro-Zone ausscheide, könne es eine Staatspleite abwenden. Diese Meinung vertritt der Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn gegenüber „Handelsblatt Online“: „Es steht ein weiterer Staatskonkurs mit einem heftigen offenen oder versteckten Schuldenschnitt an, dem in den kommenden Jahren immer wieder neue Kredite und Schuldenschnitte folgen werden, wenn das Land seine Wettbewerbsfähigkeit nicht durch den Austritt aus dem Euro und eine Abwertung seiner Währung wiederherstellt“, sagte Sinn dem Portal.

          Sinn setzt dabei auf den Chef der radikalen Syriza-Partei, Alexis Tsipras. Dieser sei einer der wenigen griechischen Politiker, „die die Natur des Problems verstanden haben und deshalb bereit sind, Wagnisse einzugehen“, sagte der Ökonom. Dass Tsipras die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland wieder auf den Tisch legen wolle, gehöre allerdings zu den „vielen unerfreulichen Aspekten des Geschehens“.

          Sinn: Dringender Handlungsbedarf

          Drei Wochen vor der Neuwahl in Griechenland war am Wochenende eine Diskussion über einen Euro-Austritt des Krisenlandes entbrannt. Nach einem „Spiegel“-Bericht halten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) diesen Schritt inzwischen für verkraftbar. Ein Sieg der Linkspartei Syriza gilt bei der Wahl als sicher. Tsipras hat angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs die Vereinbarungen über den Sparkurs mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds aufzukündigen, stattdessen ein Wohlfahrtsprogramm aufzulegen und über einen Schuldenerlass zu verhandeln.

          Sinn sieht dringenden Handlungsbedarf, zumal sich die Lage in Griechenland seit Jahren verschlechtere. „Die griechische Wirtschaftssituation ist unerträglich für die Bevölkerung, und die fortwährenden Neukredite sind unerträglich für die Staatengemeinschaft“, sagte Sinn „Handelsblatt Online“. Griechenland habe heute doppelt so viele Arbeitslose wie noch im Mai 2010. Damals sei der Euro-Austritt des Landes unter Bruch von Artikel 125 des EU-Vertrages durch öffentliche Kredite der Staatengemeinschaft verhindert worden, und es sei beteuert worden, das Land komme schnell wieder auf die Beine.

          „Die Wahrheit ist, dass Griechenland einen Einbruch der Industrieproduktion gegenüber dem Vorkrisenniveau um etwa 30 Prozent erlebt hat, dass es nach wie vor meilenweit von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft entfernt ist“, sagte der Ifo-Chef. So seien die griechischen Löhne doppelt so hoch wie die polnischen. Zudem fahre das Land nach dem Staatskonkurs des Jahres 2012 immer noch „riesige Staatsdefizite“ ein, die von der EU-Kommission „mühsam und trickreich geschönt“ werden müssten, obwohl die EZB alles versucht habe, die Zinsen auf griechische Staatspapiere zu drücken.

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