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Nach dem Troika-Rauswurf : Der große Kampf - oder die große Show?

Was wollen die Griechen wirklich? Bild: dapd

Griechenland kündigt der Troika, flirtet mit Russland und provoziert die Türkei. Was hat die neue Regierung in Athen vor? Wendet sich Hellas tatsächlich von Europa und dem Euro ab? Hier kommen zwei Szenarien.

          Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras und seine Minister wissen wohl, wie man im Ausland (schlecht) von sich reden macht: Erst stoppt Tsipras eine Reihe mit den internationalen Geldgebern vereinbarte Privatisierungen. Dann verkündet er, viele entlassene Staatsbedienstete wieder einstellen zu wollen. Wenig später empört sich Athen über neue EU-Sanktionen gegen Russland. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis erklärt in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem plötzlich die Zusammenarbeit mit den Troika-Kontrolleuren für beendet. Und der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos schließlich überflog kurz nach seinem Amtsantritt einige Insel vor der türkischen Küste und löst einen Kampfjet-Einsatz beider Länder aus.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was soll das?, fragen sich Leute in anderen Euroländern, die Griechenland mit viel Geld vor der Pleite bewahrt haben - und vermutlich auch viele Griechen, die am vergangenen Sonntag ihr Kreuz nicht bei Syriza oder ihrem rechtspopulistischen Koalitionspartner Anel gemacht haben - immerhin 60 Prozent, also die Mehrheit der Wähler. Brechen die Griechen nun ihre Bande nach Europa ab und wenden sich dem Kreml zu? Steigt Griechenland aus dem Euro aus und stellt den Schuldendienst ein? Zwei Szenarien sind denkbar:

          1. Die große Eskalation

          Die neue griechische Regierung bleibt auf Konfrontationskurs. Sie kündigt - unter Verweis auf ihr Wahlprogramm - einseitig weitere, mit den internationalen Geldgebern vereinbarte Reformen einfach auf. Sie verlangt einen Schuldenschnitt, lehnt weitere Finanzhilfe ab und kehrt dem Sparkurs der vergangenen Jahre den Rücken. Das alles tut sie im Alleingang, ohne Rücksprache mit den anderen Euroländern.

          In wenigen Wochen merkt sie, dass alles gleichzeitig nicht funktioniert, weil sie schlicht kein Geld für all ihre Wahlversprechen hat. Die Euroländer auf der anderen Seite bleiben dabei, dass es keinen Schuldenschnitt gibt und auch kein neues Geld ohne Bedingungen. Dann bliebe Griechenland nichts anderes übrig als die Staatspleite zu wählen, aus dem Euro auszutreten und eine neue Währung einzuführen. Die Euroländer bleiben auf ihren Krediten sitzen, beziehungsweise sie bekommen Drachmen zurück.

          Wenn man eine gewisse Rationalität auf beiden Seiten unterstellt und die Äußerungen aller Seiten ernst gemeint sind, dann kommt es so nicht: Die Kanzlerin will Griechenland in der Währungsunion halten und die Tsipras-Regierung will ebenfalls nicht austreten - die Mehrheit der Griechen ohnehin nicht.

          2. Die große Show

          Alexis Tsipras und seine Regierung wissen natürlich, dass sie finanziell keine großen Sprünge machen können: dem Land geht eher früher als später das Geld aus, wenn es sich nicht mit  den Geldgebern einigen kann. Außerdem wackeln die griechischen Banken, schon jetzt haben viele Menschen Geld abgezogen. Tsipras kann aber wenige Tage nach seiner Wahl keinen kompletten Rückzieher machen, wenn er nicht von seinen eigenen Wählern zum Teufel gejagt werden will. Also poltert er nun erst einmal umso lauter, um wenigstens einige politische Erfolge vorweisen zu können.

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