Home
http://www.faz.net/-gqu-744th
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Griechenland Start der Streikwoche

Keine Nachrichten, keine Bahnen, keine Taxis, keine Müllabfuhr, kaum Krankenhauspersonal: In Griechenland beginnen aus Protest gegen ein neues Sparpaket umfangreiche Streiks. Am Mittwoch sollen sie ihren Höhepunkt erreichen.

© dapd Vergrößern Der Finanzausschuss des griechischen Parlaments billigte den Etatentwurf für 2013

Aus Protest gegen ein neues Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden haben in Griechenland umfangreiche Streiks begonnen. Weder Radio noch Fernsehen sendeten Nachrichten, weil Journalisten ihre Arbeit niedergelegt hatten. Tausende Menschen kamen zu spät zur Arbeit, weil beispielsweise in Athen weder U-Bahnen noch Straßenbahnen und Stadtbahn fuhren. Auch die Taxifahrer streiken für 24 Stunden. Die Krankenhausärzte behandeln nur Notfälle. Auch die Mitarbeiter der Müllabfuhr legten ihre Arbeit nieder.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Streiks dann voraussichtlich das gesamte öffentliche Leben lahmlegen. Dann wollen auch die Bankangestellten, die Seeleute, die Bahngewerkschaft und die Busfahrer sowie die Staatsbediensteten und die Lehrer streiken. Am Dienstag wird es wegen eines Fluglotsenstreiks zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr (MEZ) zu erheblichen Verspätungen und einigen Annullierungen im Flugverkehr kommen. Die Proteste sollen am Mittwochabend mit einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude in Athen ihren Höhepunkt erreichen. Am späten Mittwochabend soll nämlich das neue Sparprogramm vom Parlament gebilligt werden.

Mehr zum Thema

Mit den Stimmen von nur zwei der drei Koalitionsparteien billigte unterdessen am späten Sonntagabend der Finanzausschuss des griechischen Parlaments den Etatentwurf für 2013. Er sieht eine Fortsetzung des Sparkurses vor. Dafür stimmten die Vertreter der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Premierminister Antonis Samaras sowie die Sozialisten der Pasok. Die dritte Koalitionspartei, die Demokratische Linke, behielt sich vor, erst im Plenum Stellung zu beziehen.

Die Vertreter aller drei Parteien betonten jedoch, dass es innerhalb der Eurozone zum derzeitigen Sparkurs keine Alternative gebe. Die Opposition stimmte geschlossen gegen den Entwurf. Die Abstimmung im Parlament findet aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch statt. Der Etat ist praktisch Bestandteil des 13,5 Milliarden Euro schweren neuen Sparpakets.

Proteste und Streiks bestimmen auch die kommende Woche in Griechenland © AFP Vergrößern Proteste und Streiks bestimmen auch die kommende Woche in Griechenland

Allein die Kürzungen für Rentner und Staatsbedienstete machen neun Milliarden Euro aus. Zusätzliche Steuern sollen weitere 4,5 Milliarden einbringen. Die Wirtschaft soll auch im kommenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen. Ein marginales Wachstum (um die 0,2 Prozent) wird erst im Jahr 2014 erwartet. Dennoch setzt sich Athen mit dem Etatentwurf das ehrgeizige Ziel, erstmals seit dem Jahr 2000 einen kleinen Primärüberschuss zu erzielen, das heißt ein Plus ohne Berücksichtigung der Zinsausgaben.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechenland Merkel bei Krisentreffen gegen den Grexit

Im Schuldenstreit kommt es beim EU-Gipfel zu einem Sondertreffen, unter anderem mit der Kanzlerin und Griechenlands Ministerpräsident Tsipras. Zuvor hatte Eurogruppen-Chef Dijsselbloem Kapitalverkehrskontrollen ins Spiel gebracht. Mehr

18.03.2015, 21:14 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Tsipras gewinnt Vertrauensabstimmung

Der griechische Ministerpräsident hat damit die Unterstützung des Parlaments für seinen Plan, aus dem internationalen Hilfsprogramm auszusteigen. Mehr

12.02.2015, 16:22 Uhr | Politik
Verspätete Reformliste Merkel zeigt Milde für Griechenland

Griechenlands Liste mit neuen Reformvorschlägen ist überfällig, doch Kanzlerin Merkel äußert sich nachsichtig. Stimme das Ergebnis, wolle die Bundesregierung Flexibilität zeigen. Mehr

31.03.2015, 05:35 Uhr | Politik
Tarifstreit mit der Bahn Lokführer streiken ab Dienstagabend

Fern- und Regionalzüge, Güterzüge und S-Bahnen sollen stillstehen - die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder zu einem bundesweiten Streik aufgerufen. Der Ausstand beginnt heute Abend. Mehr

07.10.2014, 09:15 Uhr | Wirtschaft
Verhandlungen in Brüssel Gläubiger beklagen schlechte Vorbereitung der Griechen

In Brüssel verhandelt die griechische Regierung mit den internationalen Kreditgebern des Landes über Reformvorhaben. Eine entsprechende Liste muss nach Informationen der F.A.S. dabei erst gemeinsam erarbeitet werden. Mehr

28.03.2015, 15:30 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.11.2012, 10:22 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Heikle Geheimnisse

Von Joachim Jahn

Der Flugzeug-Absturz über Südfrankreich hat eine Debatte um die ärztliche Schweigepflicht entfacht. Eine Idee klingt bedenkenswert. Mehr 1 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --