http://www.faz.net/-gqu-744th
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 05.11.2012, 10:22 Uhr

Griechenland Start der Streikwoche

Keine Nachrichten, keine Bahnen, keine Taxis, keine Müllabfuhr, kaum Krankenhauspersonal: In Griechenland beginnen aus Protest gegen ein neues Sparpaket umfangreiche Streiks. Am Mittwoch sollen sie ihren Höhepunkt erreichen.

© dapd Der Finanzausschuss des griechischen Parlaments billigte den Etatentwurf für 2013

Aus Protest gegen ein neues Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden haben in Griechenland umfangreiche Streiks begonnen. Weder Radio noch Fernsehen sendeten Nachrichten, weil Journalisten ihre Arbeit niedergelegt hatten. Tausende Menschen kamen zu spät zur Arbeit, weil beispielsweise in Athen weder U-Bahnen noch Straßenbahnen und Stadtbahn fuhren. Auch die Taxifahrer streiken für 24 Stunden. Die Krankenhausärzte behandeln nur Notfälle. Auch die Mitarbeiter der Müllabfuhr legten ihre Arbeit nieder.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Streiks dann voraussichtlich das gesamte öffentliche Leben lahmlegen. Dann wollen auch die Bankangestellten, die Seeleute, die Bahngewerkschaft und die Busfahrer sowie die Staatsbediensteten und die Lehrer streiken. Am Dienstag wird es wegen eines Fluglotsenstreiks zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr (MEZ) zu erheblichen Verspätungen und einigen Annullierungen im Flugverkehr kommen. Die Proteste sollen am Mittwochabend mit einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude in Athen ihren Höhepunkt erreichen. Am späten Mittwochabend soll nämlich das neue Sparprogramm vom Parlament gebilligt werden.

Mehr zum Thema

Mit den Stimmen von nur zwei der drei Koalitionsparteien billigte unterdessen am späten Sonntagabend der Finanzausschuss des griechischen Parlaments den Etatentwurf für 2013. Er sieht eine Fortsetzung des Sparkurses vor. Dafür stimmten die Vertreter der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Premierminister Antonis Samaras sowie die Sozialisten der Pasok. Die dritte Koalitionspartei, die Demokratische Linke, behielt sich vor, erst im Plenum Stellung zu beziehen.

Die Vertreter aller drei Parteien betonten jedoch, dass es innerhalb der Eurozone zum derzeitigen Sparkurs keine Alternative gebe. Die Opposition stimmte geschlossen gegen den Entwurf. Die Abstimmung im Parlament findet aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch statt. Der Etat ist praktisch Bestandteil des 13,5 Milliarden Euro schweren neuen Sparpakets.

Proteste und Streiks bestimmen auch die kommende Woche in Griechenland © AFP Vergrößern Proteste und Streiks bestimmen auch die kommende Woche in Griechenland

Allein die Kürzungen für Rentner und Staatsbedienstete machen neun Milliarden Euro aus. Zusätzliche Steuern sollen weitere 4,5 Milliarden einbringen. Die Wirtschaft soll auch im kommenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen. Ein marginales Wachstum (um die 0,2 Prozent) wird erst im Jahr 2014 erwartet. Dennoch setzt sich Athen mit dem Etatentwurf das ehrgeizige Ziel, erstmals seit dem Jahr 2000 einen kleinen Primärüberschuss zu erzielen, das heißt ein Plus ohne Berücksichtigung der Zinsausgaben.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streiks in Bolivien Bergleute erschlagen Vizeminister

Boliviens stellvertretender Innenminister Illanes ist von streikenden Bergleuten zu Tode geprügelt worden. Er hatte in ihrem Streik wegen einer Gesetzesänderung vermitteln wollen. Mehr

26.08.2016, 08:04 Uhr | Politik
Bolivien Streikende Bergleute töten Vize-Innenminister

Nach Angaben der bolivianischen Regierung haben Bergarbeiter den stellvertretenden Innenminister Rodolfo Illanes entführt und erschlagen. Illanes habe mit den Streikenden in Panduro sprechen wollen, sei aber von Bergarbeitern abgefangen und verschleppt worden. Mehr

26.08.2016, 13:20 Uhr | Politik
Tarifstreit mit Lufthansa Flugbegleiter nehmen Schlichtungsergebnis an

Der Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern ist beigelegt. Ein anderer Konflikt schwillt aber weiter. Mehr

24.08.2016, 11:54 Uhr | Wirtschaft
Indonesien Streit um Mega-Bauprojekt auf Bali

Auf der Ferieninsel Bali gehen die Menschen auf die Straße. Sie wehren sich gegen die geplante Luxusferienanlage mitten in der Bucht von Benoa, ein Projekt für 13 Milliarden Euro. Die Regierung von Bali hofft, dass durch die Ferienanlage die Wirtschaft und der Tourismus angekurbelt werden. Mehr

27.08.2016, 11:07 Uhr | Gesellschaft
Supranationale Steuerbehörde Amerikas Finanzministerium wettert gegen Brüssel

Muss Apple mehrere Milliarden Dollar an Steuern nachzahlen? Das amerikanische Finanzministerium legt sich dagegen nochmal richtig ins Zeug. Und wettert gegen Brüssel wie selten zuvor. Mehr

25.08.2016, 08:33 Uhr | Wirtschaft

Heilpraktiker - keine Mini-Ärzte

Von Andreas Mihm

Sanfte Medizin und ein paar Globuli - das kann doch gar nicht schaden. Oder doch? So harmlos, wie sie daherkommt, ist die homöopathische Medizin keineswegs. Mehr 1 29

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Was die Allianz-Arena den Bayern einbringt

Das Weserstadion ist inzwischen eine Ausnahme - viele Fußballvereine vermarkten ihre Stadionnamen für viel Geld. Hier kommt eine Übersicht. Mehr 0