http://www.faz.net/-gqu-74hsz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 21.11.2012, 10:24 Uhr

Griechenland Schuldenrückkauf soll Athen vorerst vor der Pleite bewahren

Griechenland soll mehr Geld bekommen. Aber woher nehmen? Nun sagt die Kanzlerin: Das Hilfsprogramm für Griechenland könnte aufgestockt werden. Berichte, nach denen der EFSF selbst vergrößert werden könnte, wurden dementiert.

© AFP Verlassene Schilder von einer Demonstration gegen Sparpakete in Griechenland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will Griechenland offenbar mit einer Nachjustierung des griechischen Hilfsprogramms innerhalb des Rettungsmechanismus EFSF vor der Staatspleite bewahren. Die Finanzierungslücke des Landes könne auf diese Art und Weise bis 2016 geschlossen werden, sagte Merkel am Mittwoch in der Unionsfraktion laut Teilnehmern. Die Bürgschaften innerhalb des EFSF-Programms für Athen könnten dafür um rund 10 Milliarden Euro erhöht werden, hieß es. Regierungssprecher Seibert stellte klar, dass es nicht darum gehe, den EFSF selbst aufzustocken und dementierte damit entsprechende Berichte.

Ebenfalls im Gespräch ist Kreisen zufolge auch, die Zinssätze für die Hilfskredite an Griechenland zu senken. Die Kanzlerin lehnt es demnach aber ab, diese unter die Refinanzierungshöhe der staatlichen Förderbank KfW zu verringern. Die KfW hatte im ersten Hilfspaket für Griechenland den deutschen Anteil in Form bilateraler Kredite bereitgestellt.

Mehr zum Thema

In der Generaldebatte im Bundestag äußerte die Kanzlerin, dass Griechenland mehr Zeit brauche, um seine Ziele zu erreichen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verlangte, Merkel solle endlich sagen, dass Griechenland nun echtes Steuerzahlergeld koste: „Die Stunde der Wahrheit ist da.’’

Schuldenrückkauf soll 14-Milliarden-Lücke bis 2014 schließen

Das EFSF-Programm für Griechenland zu erhöhen, ermögliche ein Schuldenrückkaufprogramm zu finanzieren, mit dem die Finanzlücke von 14 Milliarden Euro bis 2014 geschlossen werden könne, wurde Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zitiert.

Dass ein Schuldenrückkaufprogramm, innerhalb dessen Griechenland bereits am Markt umlaufende eigene Staatsanleihen zu niedrigeren Preisen zurückkauft, auf den Weg gebracht werden soll, darüber sei man sich in Eurogruppe und Internationalem Währungsfonds einig.

Verhandlungen nach zwölf Stunden abgebrochen

In der Nacht zuvor war die die Euro-Gruppe daran gescheitert, sich auf eine komplette Lösung für Griechenland zu einigen. Nach einer Debatte die gesamte Nacht hindurch brachen die Finanzminister am frühen Mittwochmorgen ihre Beratungen darüber ab, wodurch die Auszahlung der nächsten Hilfstranche weiter auf Eis liegt.

Merkel erhaelt Heinz-Galinski-Preis Muss abermals nachjustieren in Sachen Griechenland: Europas wichtigste Politikerin Angela Merkel. © dapd Bilderstrecke 

„Wir haben intensiv diskutiert“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach dem Ende der fast zwölfstündigen Beratungen. „Aber da die Fragen so kompliziert sind, haben wir keine abschließende Lösung gefunden.“

Samaras bestürzt: „Auch unsere Partner müssen tun, was sie sich vorgenommen haben.“

Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras zeigte sich unterdessen bestürzt über die Verzögerung. „Griechenland hat eingehalten, wozu es sich verpflichtet hat“, sagte Samaras am Mittwoch in Athen. „Unsere Partner müssen nun zusammen mit dem IWF ebenfalls tun, was sie sich vorgenommen haben.“ Technische Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Lösung „rechtfertigen weder Nachlässigkeiten noch Verzögerungen“.

Die Gespräche über Griechenland sollen am Montag fortgesetzt werden, nicht zuletzt um die Beratungen der Staats- und Regierungschefs über den langjährigen Haushalt der EU ab Donnerstag davon freizuhalten. Der Gipfel habe viel zu tun, deswegen hätten sich die Finanzminister für Montag entschieden, sagte Schäuble. Der Eurokurs sank um 0,5 Prozent auf 1,2748 Dollar.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker, das Schlitzohr!

Jean-Claude Juncker führt sich auf wie der europäische Ministerpräsident. Mit der Wahrheit braucht man es da nicht so genau zu nehmen. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty

27.08.2016, 16:55 Uhr | Wirtschaft
Indonesien Streit um Mega-Bauprojekt auf Bali

Auf der Ferieninsel Bali gehen die Menschen auf die Straße. Sie wehren sich gegen die geplante Luxusferienanlage mitten in der Bucht von Benoa, ein Projekt für 13 Milliarden Euro. Die Regierung von Bali hofft, dass durch die Ferienanlage die Wirtschaft und der Tourismus angekurbelt werden. Mehr

27.08.2016, 16:20 Uhr | Gesellschaft
Haushaltsüberschuss Der Ruf nach Steuersenkungen wird lauter

Finanzminister Schäuble kann sich über einen Überschuss von 18,5 Milliarden Euro freuen - und warnt vorsorglich vor zu hohen Erwartungen. Seine Parteifreunde klingen da ein wenig anders. Mehr Von Kerstin Schwenn, Berlin

24.08.2016, 17:53 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Spaniens Kommunen geht finanziell die Luft aus

Die Gemeinde Pioz steht sinnbildlich für viele Kommunen in Spanien. Aus überdimensionierten Bauprojekten und leichtfertigen Investitionen in der Vergangenheit sind heute gewaltige Altschulden und Handlungsunfähigkeit geworden. Mehr

26.08.2016, 13:14 Uhr | Wirtschaft
Satter Haushaltsüberschuss Nun auch SPD-Fraktionschef Oppermann für Steuersenkungen

Die Wirtschaft brummt, Steuern und Sozialabgaben füllen die öffentlichen Kassen - die Rufe nach einer Steuerentlastung werden lauter. Jetzt auch von Seiten der SPD. Mehr

25.08.2016, 09:53 Uhr | Wirtschaft

Nach dem Golde drängt alles

Von Christian Siedenbiedel

Schon in Goethes „Faust“ heißt es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“. Was aber rückt das Gold heute wieder so in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger? Der Brexit? Sorgen um die Weltwirtschaft? Etwas ganz anderes? Mehr 3 10

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“