Home
http://www.faz.net/-gqu-74hsz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Griechenland Schuldenrückkauf soll Athen vorerst vor der Pleite bewahren

Griechenland soll mehr Geld bekommen. Aber woher nehmen? Nun sagt die Kanzlerin: Das Hilfsprogramm für Griechenland könnte aufgestockt werden. Berichte, nach denen der EFSF selbst vergrößert werden könnte, wurden dementiert.

© AFP Vergrößern Verlassene Schilder von einer Demonstration gegen Sparpakete in Griechenland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will Griechenland offenbar mit einer Nachjustierung des griechischen Hilfsprogramms innerhalb des Rettungsmechanismus EFSF vor der Staatspleite bewahren. Die Finanzierungslücke des Landes könne auf diese Art und Weise bis 2016 geschlossen werden, sagte Merkel am Mittwoch in der Unionsfraktion laut Teilnehmern. Die Bürgschaften innerhalb des EFSF-Programms für Athen könnten dafür um rund 10 Milliarden Euro erhöht werden, hieß es. Regierungssprecher Seibert stellte klar, dass es nicht darum gehe, den EFSF selbst aufzustocken und dementierte damit entsprechende Berichte.

Ebenfalls im Gespräch ist Kreisen zufolge auch, die Zinssätze für die Hilfskredite an Griechenland zu senken. Die Kanzlerin lehnt es demnach aber ab, diese unter die Refinanzierungshöhe der staatlichen Förderbank KfW zu verringern. Die KfW hatte im ersten Hilfspaket für Griechenland den deutschen Anteil in Form bilateraler Kredite bereitgestellt.

Mehr zum Thema

In der Generaldebatte im Bundestag äußerte die Kanzlerin, dass Griechenland mehr Zeit brauche, um seine Ziele zu erreichen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verlangte, Merkel solle endlich sagen, dass Griechenland nun echtes Steuerzahlergeld koste: „Die Stunde der Wahrheit ist da.’’

Schuldenrückkauf soll 14-Milliarden-Lücke bis 2014 schließen

Das EFSF-Programm für Griechenland zu erhöhen, ermögliche ein Schuldenrückkaufprogramm zu finanzieren, mit dem die Finanzlücke von 14 Milliarden Euro bis 2014 geschlossen werden könne, wurde Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zitiert.

Dass ein Schuldenrückkaufprogramm, innerhalb dessen Griechenland bereits am Markt umlaufende eigene Staatsanleihen zu niedrigeren Preisen zurückkauft, auf den Weg gebracht werden soll, darüber sei man sich in Eurogruppe und Internationalem Währungsfonds einig.

Verhandlungen nach zwölf Stunden abgebrochen

In der Nacht zuvor war die die Euro-Gruppe daran gescheitert, sich auf eine komplette Lösung für Griechenland zu einigen. Nach einer Debatte die gesamte Nacht hindurch brachen die Finanzminister am frühen Mittwochmorgen ihre Beratungen darüber ab, wodurch die Auszahlung der nächsten Hilfstranche weiter auf Eis liegt.

Merkel erhaelt Heinz-Galinski-Preis Muss abermals nachjustieren in Sachen Griechenland: Europas wichtigste Politikerin Angela Merkel. © dapd Bilderstrecke 

„Wir haben intensiv diskutiert“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach dem Ende der fast zwölfstündigen Beratungen. „Aber da die Fragen so kompliziert sind, haben wir keine abschließende Lösung gefunden.“

Samaras bestürzt: „Auch unsere Partner müssen tun, was sie sich vorgenommen haben.“

Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras zeigte sich unterdessen bestürzt über die Verzögerung. „Griechenland hat eingehalten, wozu es sich verpflichtet hat“, sagte Samaras am Mittwoch in Athen. „Unsere Partner müssen nun zusammen mit dem IWF ebenfalls tun, was sie sich vorgenommen haben.“ Technische Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Lösung „rechtfertigen weder Nachlässigkeiten noch Verzögerungen“.

Die Gespräche über Griechenland sollen am Montag fortgesetzt werden, nicht zuletzt um die Beratungen der Staats- und Regierungschefs über den langjährigen Haushalt der EU ab Donnerstag davon freizuhalten. Der Gipfel habe viel zu tun, deswegen hätten sich die Finanzminister für Montag entschieden, sagte Schäuble. Der Eurokurs sank um 0,5 Prozent auf 1,2748 Dollar.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trotz Schuldenkrise Griechenland will offenbar russische Raketen kaufen

Die Geldgeber machen Druck, doch für Waffen aus Russland könnte noch Geld da sein: Athen verhandelt nach Medienberichten über den Kauf von Luftabwehrraketen. Bundesfinanzminister Schäuble mahnt erneut, Zusagen einzuhalten. Mehr

16.04.2015, 04:29 Uhr | Wirtschaft
Bayerischer Finanzminister Söder kritisiert griechische Reparationsforderungen

Der bayerische Finanzminister Markus Söder hat die Forderungen Griechenlands nach Reparationszahlungen aus Deutschland kritisiert. Griechenland möchte von Deutschland 278,7 Milliarden Euro Entschädigungen. Mehr

08.04.2015, 11:11 Uhr | Politik
Griechenlands Schuldenkrise Athen hofft auf Milliarden aus China und Russland

Griechenland braucht dringend Geld und setzt offenbar auf bis zu 15 Milliarden Euro aus Peking und Moskau. Die Fronten zwischen der Regierung in Athen und den Geldgebern scheinen verhärtet. Griechen-Premier Tsipras trifft Nobelpreisträger Paul Krugman. Der rät dem Land, den Euro jetzt nicht aufzugeben. Mehr

18.04.2015, 16:40 Uhr | Wirtschaft
Nach Treffen mit IWF-Chefin Varoufakis verspricht Kredit-Rückzahlung

Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat zugesagt, dass Griechenland alle vereinbarten Auflagen gegenüber seinen Gläubigern unbegrenzt einhalte. Derzeit ringen Gläubiger und die Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Mehr

06.04.2015, 10:26 Uhr | Politik
Athens Schuldenprobleme Und jeden Tag grüßt die Krise

Griechischer Staatsbankrott? Grexit? Oder schnelle neue Kredite? Wahrscheinlich ist, dass sich der Streit der Eurostaaten mit Athen bis in den Herbst schleppt – und vielleicht in Neuwahlen endet. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

17.04.2015, 16:16 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.11.2012, 10:24 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Übertriebene Abstiegsangst

Von Lisa Becker

Viele Menschen in Deutschland sind durch Bildung sozial aufgestiegen. Und dieser Status soll auch an die kommende Generation weitergegeben werden. Oftmals um jeden Preis. Mehr 52 39


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --