http://www.faz.net/-gqu-74v16
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 06.12.2012, 09:14 Uhr

Griechenland Samaras hält Verschuldung für tragbar

Griechenlands Ministerpräsident Samaras glaubt nicht, dass sein Land abermals einen Schuldenschnitt braucht. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat derweil die Kreditwürdigkeit Griechenlands wegen des laufenden Anleihenrückkaufs weiter herabgestuft.

© dpa „Unser Ehrgeiz ist, Griechenland spektakulär zu verändern“: Antonis Samaras

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras geht offenbar nicht davon aus, dass sein Land einen weiteren Schuldenschnitt braucht. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe) sagte Samaras auf die Frage, ob Griechenland einen neuen Schuldenerlass brauche: „Unsere Verschuldung gilt jetzt offiziell als dauerhaft tragbar.“ Allerdings schränkte er ein, dass dafür „natürlich anhaltendes Wachstum“ gebraucht werde. „Wir versuchen, aus der Rezession herauszukommen und unsere Wirtschaft zu reformieren, so dass genug Einkommen entsteht, Zinsen und Tilgung der Schulden zu leisten.“

Samaras beteuerte gegenüber der Zeitung, sein Land werde im Euro bleiben. „Unser Ehrgeiz ist, Griechenland spektakulär zu verändern und von einem schlechten Beispiel voll mit Problemen zu einem herausragenden Beispiel für eine Modell-Wirtschaft zu machen.“ Dann werde niemand mehr nach der Euro-Mitgliedschaft oder einem Schuldenschnitt fragen.

Steuerflucht sei eines der größten Probleme Griechenlands. Die Probleme würden aber „umfassend“ angegangen. Es gebe schon große Durchbrüche. „Schwere Fälle von Steuerflucht werden jetzt als reguläre Straftaten verfolgt“, sagte er. Dabei sei es egal, ob es Nachzahlungen der Betroffenen gebe oder nicht.

S&P stuft Griechenland wegen Anleihenrückkauf abermals ab

Dessen ungeachtet hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands wegen des laufenden Anleihenrückkaufs weiter herabgestuft. Die amerikanische Ratingagentur wertet das laufende Angebot der Regierung in Athen, Staatsanleihen für zehn Milliarden Euro zurückzukaufen, als teilweisen Zahlungsausfall. Daher sei die Bewertung von „CCC“ auf „SD“ (“Selective Default“/teilweiser Zahlungsausfall) gesenkt worden, teilte S&P am Mittwochabend in New York mit. Sollte der Rückkauf der Anleihen erfolgreich über die Bühne gehen, werde die Bewertung wahrscheinlich wieder auf „CCC“ erhöht. Die Abstufung war von vielen Experten erwartet worden, da die Ratingagentur Anleiherückkäufe deutlich unter dem Nennwert technisch als Zahlungsausfall wertet. S&P hatte die Kreditwürdigkeit Griechenlands erst im Februar wegen des damaligen Schuldenschnitts auf „SD“ herabgestuft und dann im Mai wieder auf „CCC“ erhöht.

Athen hatte vergangenen Montag den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Die Offerte endet am Freitagnachmittag (7.12.) Griechenland will dafür
maximal zehn Milliarden Euro aus Mitteln des Euro-Rettungsfonds aufwenden, um so seine Schulden um ein Vielfaches dieser Summe zu verringern. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema

Quelle: Reuters/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuer auf Ferienwohnungen Griechenlands Regierung will an Online-Vermietung verdienen

Wer in Griechenland seine Wohnung zum Beispiel über Airbnb vermietet, soll dafür künftig Steuern zahlen. Die Regierung verspricht sich Millionen-Einnahmen. Mehr

20.08.2016, 13:37 Uhr | Wirtschaft
Raumfahrt Ein Taxi-Parkplatz für die Raumstation ISS

Für die bald vermutlich teuerste Taxifahrt der Erde gibt es jetzt zumindest schon einmal einen festen Parkplatz. Wobei der sich eben nicht auf der Erde befindet, sondern an der Internationalen Raumstation ISS in der Umlaufbahn unseres Planeten. Mehr

20.08.2016, 02:00 Uhr | Wissen
Wahlkampf in Amerika Oh, Donald!

Erst entschuldigt sich Donald Trump für seine Rhetorik, dann heißt es in seinem Wahlkampfspot, syrische Flüchtlinge überfluteten Amerika und er beschimpft schwarze Wähler. Jetzt gibt es auch noch schlechte Nachrichten über die Finanzen seiner Firmen. Mehr

20.08.2016, 17:38 Uhr | Politik
Selbstzahler-Leistungen Vorgesorgt – oder nur viel gezahlt?

Der medizinische Dienst der Krankenkassen hat Selbstzahler-Leistungen geprüft und findet: Die meisten bringen nichts. Die Ärzte wehren sich und greifen die Kassen an. Unsere Autorin hat sich die fünf Angebote angesehen, die in den Praxen am häufigsten verkauft werden. Mehr Von Denise Peikert

20.08.2016, 13:16 Uhr | Gesellschaft
Nach dem Brexit-Votum Warum sich Merkel, Renzi und Hollande heute treffen

Schutz der Außengrenzen, Terrorabwehr und weniger Arbeitslose: Um die Zukunft Europas soll es heute in Venetone gehen. Die Staatschefs müssen aber auch über ein Europa ohne Britannien beraten. Mehr Von Anna Reuß

22.08.2016, 13:33 Uhr | Politik

Verbunden auf Gedeih und Verderb

Von Martin Gropp

Der Konflikt bei VW zeigt: Die Verbindung zwischen Zulieferern und Autoherstellern ist fragil – und kann sich im Streitfall zur Abhängigkeit entwickeln. Doch beide stehen gemeinsam in der Verantwortung. Mehr 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden