Home
http://www.faz.net/-gqu-745rf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Griechenland Generalstreik gegen Sparpaket

Am Abend legte die griechische Regierung ihr Sparpaket vor. Besonders schlimm trifft es die Rentner. Aus Protest gegen die harten Maßnahmen begannen am Dienstag umfangreiche Streiks, die ihren Höhepunkt am Mittwochabend erreichen sollen.

© dapd Vergrößern 48 Stunden soll der Generalstreik in Griechenland gegen das Sparpaket dauern

Die Geldgeber und die Regierung in Athen drehen noch einmal die Sparschraube fester. 13,5 Milliarden Euro sollen die Griechen bis 2014 einsparen. Aus Protest gegen Kürzungen von Renten und Gehältern haben am Dienstag umfangreiche Streiks in Griechenland begonnen. Am Mittwoch soll das Parlament über das umstrittene Sparprogramm abstimmen. Es wird mit vielen Abweichlern gerechnet.

Am Montagabend hatte die Regierung nach mehrmonatigen Verhandlungen mit den Geldgebern ihr neues Sparprogramm vorgelegt. Es sieht weitere Einschnitte bei den Bezügen von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst und beim Kindergeld vor. Am schwersten trifft es die Rentner: Pensionen und Renten sollen zum viertel Mal innerhalb von drei Jahren gekürzt, das Weihnachtsgeld für Rentner und Staatsbedienstete gestrichen werden.

Mehr zum Thema

Die Gewerkschaften rechneten bereits aus, dass diese Kürzungen im Durchschnitt 2000 Euro Einkommensverluste für die Rentner bedeuten. Auch die Staatsbediensteten sollen bis 20 Prozent ihres Einkommens verlieren. Der Chef einer Klinik soll beispielsweise künftig 1665 Euro monatlich verdienen. „Und damit glauben sie, dass sie Krankenhäuser betreiben werden“, sagte der Chef der Gynäkologischen Klinik von Athen, Giorgos Farmakidis.

Zu den Streiks haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände des privaten (GSEE) und des staatlichen Sektors (ADEDY) aufgerufen. Vor allem im staatlichen Bereich ging am Dienstag nichts. Sämtliche Ministerien und die Schulen wurden bestreikt. Auch die Fähren, die U-Bahnen, die Busse und die Straßenbahnen wurden lahmgelegt. Im Flugverkehr kam es zu erheblichen Behinderungen, weil die Fluglotsen zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr (MEZ) die Arbeit niederlegten. Dutzende Flüge fielen aus.

Infografik / Griechenlands Arbeitsmarkt / Quote in Prozent © DPA Vergrößern Der griechiesche Arbeitsmarkt im Überblick

Auch die Taxifahrer haben die Handbremse angezogen. Ärzte behandeln nur Notfälle. Um die Mittagszeit gingen mehrere Tausend Menschen auf die Straßen, um gegen das Sparprogramm zu protestieren. „Aufstand für den Umsturz des Sparprogramms“, skandierten Mitglieder der Kommunistischen Gewerkschaft PAME. Die Polizei zog aus Angst vor Ausschreitungen starke Einheiten im Zentrum Athens zusammen.

Die Streiks werden auch am Mittwoch andauern. Am späten Mittwochabend soll das Sparpaket vom Parlament gebilligt werden. Es wird mit mehreren Abweichlern gerechnet. Von den 176 Abgeordneten der Koalition aus Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken wird mit nur 154 bis 155 Ja-Stimmen gerechnet. Das würde zwar für die Billigung reichen, es wäre aber dennoch ein Schlag für die Regierung unter Ministerpräsident Antonis Samaras.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tsipras verspricht Renten und Gehälter werden nicht gekürzt

Der griechische Ministerpräsident Tsipras sendet eine klare Botschaft an die Geldgeber: Athen werde nicht nachgeben, die roten Linien behielten ihre Gültigkeit. Trotzdem glaubt er an eine baldige Einigung. Mehr

16.05.2015, 13:13 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Krawalle in Athen

Brennende Autos und Mülleimer in den Straßen von Athen. Erstmals seit der Wahl der neuen Syriza-Regierung in Griechenland ist es zu gewaltsamen Protesten gegen den Kurs von Ministerpräsident Alexis Tsipras gekommen. Mehr

27.02.2015, 10:23 Uhr | Gesellschaft
Eurogruppentreffen in Brüssel Es wird sehr schwierig

Die Euro-Finanzminister sitzen nun wieder in Brüssel zusammen und beraten über Griechenlands Schuldenprobleme. Athen hat derweil die für Dienstag anstehende Schuldenrate an den Internationalen Währungsfonds überwiesen. Mehr

11.05.2015, 15:26 Uhr | Wirtschaft
Schuldenstreit Griechen und Euro-Partner ohne Einigung

Im Schuldenstreit haben die neue griechische Regierung und die Euro-Finanzminister noch keine Lösung gefunden. Das aktuelle Programm der internationalen Geldgeber für Griechenland läuft nur bis zum 28. Februar. Mehr

12.02.2015, 16:31 Uhr | Politik
Griechenlands Schuldenkrise Warum Athen mit seinen Gläubigern immer noch streitet

Wieder verhandeln die Euroländer über Griechenland. Warum dauert der Streit eigentlich so lange? Und welche Fortschritte gibt es? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr

11.05.2015, 12:48 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.11.2012, 08:30 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Die große Entfremdung

Von Gerald Braunberger

Die Furcht existiert, dass die Deutsche Bank den Investmentbankern dauerhaft in die Hände fällt. Nicht nur deswegen ist das Ansehen in der deutschen Öffentlichkeit ramponiert. Eine Analyse. Mehr 35 31


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden