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Veröffentlicht: 16.03.2015, 21:40 Uhr

Festival-Organisator Horvat „Der Finger wurde aus dem Zusammenhang gerissen“

Hat Giannis Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger gezeigt? Srecko Horvat kennt die Antwort. Er hat das „Subversive Festival“ organisiert, auf dem das fragliche Video entstand.

von , Rom
© Petar Markovic/CC BY-SA 3.0 Der Philosoph Srecko Horvat hat die Veranstaltung organisiert, auf der Giannis Varoufakis den Deutschen seinen Stinkefinger gezeigt haben soll.

Alle Deutschen wollen es wissen: Hat Varoufakis seinen Mittelfinger gegen sie gereckt?

Tobias Piller Folgen:

Nein, das muss ein für alle Mal gesagt werden: Varoufakis reckte nicht „den Mittelfinger gegen die Deutschen“. Bei dieser Präsentation in Zagreb sprach Varoufakis über eine Zeit, über den Mai 2010, als Griechenland den deutschen Steuerzahlern noch keinen einzigen Euro schuldete. Sein Argument lautete, Griechenland hätte damals gegenüber den privaten Gläubigern in Konkurs gehen sollen, statt sich von den europäischen Partnern einen riesigen Kredit geben zu lassen. Der Finger wurde also aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich so interpretiert, als hätte sich der griechische Finanzminister gegen die Rückzahlung der Schulden an Deutschland ausgesprochen und Deutschland den Finger gezeigt.

Was für eine Art Veranstaltung war das „Subversive Festival“ in Zagreb damals?

Das Rahmenthema 2013 hieß „Die Zukunft Europas“, und neben Giannis Varoufakis hatten wir viele andere prominente Gäste, nicht nur Alexis Tsipras, auch Oliver Stone oder Aleida Guevara, die Tochter von Che. Ja, wir glauben an ein anderes Europa, in dem wir nicht über griechische Finger reden, sondern in dem wir schließlich alle schmutzigen Finger – von Berlin bis Brüssel – auf den Tisch legen, die uns in diese Krise gebracht haben und darauf bestehen, dass die einzige Antwort nun neue Maßnahmen der Austerität und der Schuldenknechtschaft sind.

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Warum hieß ihre Veranstaltung „subversiv“?

Weil es unterschiedliche Wege gibt, gegen Hegemonie zu kämpfen. Wir glauben an die Macht des Diskurses. Der Finanzkapitalismus funktioniert aber gegenwärtig vor allem mit Zeichen und Symbolen. Das kann man an Formeln wie „Marktreaktionen“ sehen oder sogar an Fragen der Mode, also ob Tsipras eine Krawatte trägt oder nicht, ob Varoufakis eine Lederjacke trägt oder nicht. Wenn das so ist, dann können wir auch auf der Ebene von Symbolen kämpfen.

Warum haben Sie den damaligen Professor Varoufakis eingeladen?

Der nun bekannt gewordene Auftritt war eine Buchpräsentation. Wir fanden sein Buch „Der globale Minotaurus“ wichtig. Er hielt auch einen Einführungsvortrag, der später im englischen „Guardian“ veröffentlicht wurde. Aber all das geschah, bevor Varoufakis Minister wurde.

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