http://www.faz.net/-gqu-74bdw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 12.11.2012, 21:08 Uhr

Euro-Finanzminister-Treffen Aufschub für Athen kostet etwa 32 Milliarden Euro

Die Euro-Finanzminister verhandeln über die Schließung der Finanzierungslücke von 32 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm für Griechenland. Athen soll nach dem Willen der Kreditgeber für die Erreichung seiner Haushaltsziele zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt werden.

von , Brüssel
© dapd Die Griechen bekommen einen Aufschub von zwei Jahren - das kostet 32 Milliarden Euro

Die internationalen Gläubiger Griechenlands bewegen sich nach der parlamentarischen Billigung des griechischen Haushalts für 2013 langsam aufeinander zu. Die Finanzminister des Euroraums verhandeln derzeit über die Bedingungen, zu denen das Land die nächste Tranche von 31,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Kreditprogramm ausgezahlt bekommen kann. Nach Angaben von Teilnehmern sollte zumindest im Grundsatz festgelegt werden, wie sich die neue Finanzierungslücke von etwa 32 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm für Griechenland schließen lässt.

Mehr zum Thema

Werner Mussler Folgen:

Die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) nannte die Zahl in einem Bericht an die Eurogruppe. Die Finanzierungslücke entsteht, weil Athen nach dem Willen der Kreditgeber für die Erreichung seiner Haushaltsziele zwei Jahre mehr Zeit eingeräumt werden soll. Vor dem Treffen der Eurogruppe wurde der Entwurf einer Vereinbarung („Memorandum of Understanding“) zwischen den Euro-Staaten und IWF einerseits und der griechischen Regierung andererseits bekannt.

Demnach soll das Land erst 2016 einen Primärüberschuss (Haushaltssaldo vor Zinsen) von 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen müssen; zudem soll auch das Staatsdefizit zwei Jahre später – also auch erst 2016 – unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. In der Eurogruppe hieß es, die Verlängerung sei im Prinzip unstrittig. Beschließen lasse sie sich aber erst, wenn die Schließung der Finanzierungslücke geklärt sei.

Treffen in Brüssel: Olli Rehn, Yannis Stournaras, Jean-Claude Juncker und Mario Draghi (von links na © AFP Vergrößern Treffen in Brüssel: Olli Rehn, Yannis Stournaras, Jean-Claude Juncker und Mario Draghi (von links nach rechts)

In Brüssel hieß es, hinter den Kulissen werde an einem Gesamtpaket gearbeitet. Es sei vorgesehen, die Finanzierung aus „mehreren Quellen“ zusammenzustellen. Unter anderem wird an ein Schuldenrückkaufprogramm unter Beteiligung der Krisenfonds EFSF oder ESM gedacht.

Fast sicher würden auch die Zinsen nochmals gesenkt, die der griechische Staat zahlen muss. Auch eine Streckung der Zahlungsziele sei im Gespräch. Die Forderung nach einem Schuldenschnitt unter Einbeziehung öffentlicher Gläubiger wird von der Bundesregierung vorerst weiter abgelehnt.

Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde © dapd Vergrößern Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde

Zugleich müssen IWF und Eurogruppe ihre Differenzen darüber beilegen, unter welchen Bedingungen die griechische Staatsschuld wieder als tragfähig zu gelten hat. Der Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, sagte, es sei zu klären, ob das bisher vereinbarte Ziel einer Gesamtverschuldung von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2020 „das letzte Wort ist, oder ob wir auch die Periode ein bisschen verlängern“. Nach Schätzungen steigt die Schuldenquote Athens im laufenden Jahr schon auf etwa 175 Prozent.

Die Minister wollten ferner sicherstellen, dass sich der griechische Staat kurzfristig weiter finanzieren kann, auch wenn die nächste Kredittranche noch nicht am Ende dieser Woche ausgezahlt wird. Voraussichtlich wird die Zwischenfinanzierung abermals unter Beteiligung der EZB zu Stande kommen. Das Treffen bis tief in die Nacht dauern.

© dpa, reuters Juncker: Troika-Bericht zur Griechenland liegt vor

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuer auf Ferienwohnungen Griechenlands Regierung will an Online-Vermietung verdienen

Wer in Griechenland seine Wohnung zum Beispiel über Airbnb vermietet, soll dafür künftig Steuern zahlen. Die Regierung verspricht sich Millionen-Einnahmen. Mehr

20.08.2016, 13:37 Uhr | Wirtschaft
Italien Merkel auf Mini-Gipfel mit Renzi und Hollande

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zum sogenannten Mini-Gipfel nach Süditalien gereist, um ihre Amtskollegen Matteo Renzi sowie den französischen Präsidenten Francois Hollande zu treffen. Die Zusammenkunft diente unter anderem auch dem Zweck, nach dem Brexit die Zukunft Europas zu besprechen und den großen EU-Gipfel Mitte September vorzubereiten. Mehr

22.08.2016, 19:49 Uhr | Politik
Dank robuster Wirtschaft Deutscher Staat erzielt satten Überschuss

Die Beschäftigung ist hoch, die Wirtschaft wächst, Steuern und Sozialabgaben sprudeln: Das beschert Deutschland einen ordentlichen Haushaltsüberschuss. Mehr

24.08.2016, 08:21 Uhr | Wirtschaft
Mögliches Burka-Verbot De Maizière will Gebot zum Gesicht zeigen rechtlich regeln

Vor einem Treffen der Innenminister der Union in Bund und Ländern haben Bundesinnenminister Thomas de Maizière und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl Erwartungen an ein mögliches Burka-Verbot von sich gewiesen. Mehr

19.08.2016, 19:36 Uhr | Politik
Auf dem Weg nach Deutschland Schweiz wird zum heimlichen Transitland für Flüchtlinge

Die Zahl der Flüchtlinge steigt offenbar wieder: Zunehmend wählen sie den Weg durch die Schweiz. Auf deutscher Seite sollen die Kontrollen schon verstärkt worden sein. Mehr

21.08.2016, 16:53 Uhr | Politik

Steuerwahlkampf

Von Holger Steltzner

Der deutsche Staat erzielt einen satten Haushaltsüberschuss. Vielleicht lautet der nächste Wahlkampfschlager ja wieder Steuersenkung. Mehr 12 22

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden