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Griechenland spart Die Lüge vom Schlaraffenland

Das Leben in Griechenland ist auch nach der Pleite nicht günstiger geworden, wie mitunter behauptet wird. Im Gegenteil: Neue Steuern werden eingeführt, Heizöl wird teurer und die Gehälter sinken.

© Valentine Karamanoli/Invision/la Vergrößern Von wegen Schlaraffenland: Die Steuer bringt viele Menschen in große Schwierigkeiten

Ein Wort lernt der Ausländer schnell im Griechenland dieser Tage, zumindest dann, wenn er in Athen oder anderen Städten unterwegs ist: „Enoikiazete“ - zu vermieten. Zu den unübersehbaren Folgen der seit vier Jahren währenden griechischen Rezession (2011 brach die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent ein, im Jahr davor betrug der Rückgang 4,5 Prozent) gehören Leerstände selbst in besten Lagen der Städte. Der Immobilienmarkt ist, behutsam ausgedrückt, mieterfreundlich geworden. Mieter gibt es dennoch kaum.

In manchen Gegenden Athens sind ganze Straßenzüge mit Enoikiazete-Plakaten gepflastert, in Thessaloniki und anderen Städten sieht es nicht besser aus. In Kolonaki, dem immer noch teuersten und reichsten Innenstadtviertel Athens, rissen sich Galeristen, Cafébetreiber, Staranwälte und die übrige Schickeria noch vor wenigen Jahren darum, einen Mietvertrag unterschreiben zu dürfen. Jetzt müssen die Vermieter den Mietern nachlaufen.

Steuern wurden erhöht, andere neu eingeführt

Abgesehen von den Mieten sind viele Preise jedoch nicht gesunken, im Gegenteil. Griechenland ist weiterhin ein erstaunlich teures Land. Vieles ist sogar teurer als im Hochlohnstaat Deutschland. Die Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat sprechen für sich: Zu Beginn des vergangenen Jahres, als die Teuerungsrate im Euroraum bei 2,4 Prozent lag (in Deutschland sogar nur bei 2,2 Prozent), stiegen die Preise ausgerechnet im rezessionsgeplagten Griechenland schneller als in jedem anderen Staat der gemeinsamen Währungszone.

Bei 4,2 Prozent lag die Inflation im Februar 2011, im März stieg sie sogar noch einmal leicht. Zum November hin sank die Teuerung dann zwar auf 2,8 Prozent, doch das entsprach immer noch der Inflationsrate Deutschlands mit seiner boomenden Kraftprotzwirtschaft. Griechenland erlebt den schwersten wirtschaftlichen Einbruch seiner Nachkriegsgeschichte, aber die Preise sanken bisher kaum - wie ist das möglich?

Einer der Gründe ist die gleich zu Beginn der Krise auf Druck des Internationalen Währungsfonds zweimal erhöhte Mehrwertsteuer. Sie stieg von 19 auf 21, dann auf 23 Prozent, den höchsten Satz in der Eurozone. Später gab es sogar noch eine dritte Erhöhung, bei der die Kategorien der Produkte und Dienstleistungen, die traditionell einem reduzierten Mehrwertsteuersatz unterliegen (Lebensmittel zum Beispiel), erheblich eingeschränkt wurden. Das wirkte sich auf andere Preise aus, zumal weitere Steuern deutlich erhöht, andere neu eingeführt wurden. Aufschläge gab es zum Beispiel auf die Mineralölsteuer. Viele Griechen lassen ihre Autos deshalb auf Gas umrüsten, oder sie steigen auf sparsamere Modelle um.

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Die Autozeitschriften sind voll von Anzeigen, in denen große Jeeps zum Verkauf angeboten werden. Sparsame Kleinwagen sind hingegen schwer zu finden. Früher lagen die Benzinpreise in Griechenland deutlich unter denen in Deutschland, aber das ist vorbei. Bis zu 1,80 Euro muss für den Liter Normalbenzin gezahlt werden, Super kostet um 1,90 Euro - auf dem Festland. Auf den Inseln, vor allem auf den kleineren, wo das Leben seit Jahrzehnten vom Staat subventioniert wurde, kann das Tanken noch teurer werden.

Andrea Dimitriadis kann Deutschland und Griechenland gut vergleichen. Sie stammt aus Helgoland und lebt mit ihrem griechischen Mann und zwei Kindern in Thessaloniki. So bekommt sie die Krise von beiden Seiten mit. Es ärgert sie, dass viele Deutsche offenbar der Ansicht sind, die Griechen hätten noch gar nicht angefangen mit dem Sparen und lebten in einem Schlaraffenland, finanziert vom deutschen Steuerzahler. Sie kennt viele Fälle von Verwandten und Freunden, die längst deutlich weniger Geld zur Verfügung haben als früher. Das Pärchen zum Beispiel (sie Bankkauffrau, er Grafiker), das vor kurzem, nachdem beide ihre Arbeit verloren hatten und sich die Miete in Thessaloniki nicht mehr leisten konnten, auf eine Insel ging, weil man dort zumindest billiger wohnen kann.

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