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Griechenland Es gibt keine ökonomische Wunderheilung

In der wirtschaftshistorischen Forschung wird bis heute über die Bedeutung des Marshallplans gestritten. Die wichtigste Voraussetzung für das griechische „Wirtschaftswunder“ der fünfziger Jahre war die Abwertung der Drachme.

© dpa Vergrößern Der Marshallplan, benannt nach George C. Marshall, half dem Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Die heutigen ökonomischen Probleme weisen andere Rahmenbedingungen auf

Mit einem Schuldenerlass und trickreichen „Rettungspaketen“ ist Griechenland heute nur vorübergehend geholfen. Solange die griechische Wirtschaft nicht in der Lage ist, Leistungsbilanzüberschüsse zu generieren, wird das Land aus eigener Kraft auch die reduzierte Schuldenlast nicht verringern können. Weil aber die „Rettungspakete“ die griechische Wirtschaft letztlich nicht erreichen, fordern immer mehr Stimmen aus Politik und Wirtschaft ein Investitionsprogramm für Griechenland, das zum Aufbau einer Industrie dienen soll, die in möglichst naher Zukunft Exportüberschüsse erwirtschaftet.

So weit, so gut. Im Sommer 2011 vermischte sich dieses an sich lobenswerte Anliegen mit dem Ausdruck „Marshallplan“. Wirtschaftsminister Philipp Rösler war wohl einer der ersten deutschen Politiker, der auf diese Weise die Hoffnung nährte, es sei wie nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen westeuropäischen Staaten auch heute in Griechenland möglich, durch ausländische Investitionshilfe ein Wirtschaftswunder auszulösen.

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Die überschäumenden Hoffnungen der großen Koalition aus wirtschaftspolitischen Alchemisten werden durch das historische Vorbild indes kaum gerechtfertigt. Denn zum einen unterschieden sich die Rahmenbedingungen im Nachkriegseuropa zutiefst von den heutigen ökonomischen Problemen. Und zum anderen werden die tatsächlichen Wirkungen des Marshallplans auf das „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit in der Forschung seit Jahren bestritten.

Der historische Marshallplan 1947

Als das „European Recovery Programme“ im Jahr 1947 beschlossen wurde, sollte es nicht zuletzt ein währungspolitisches Dilemma beseitigen, von dem so mancher Ökonom heute froh wäre, wenn Griechenland an diesem litte: Zum Wiederaufbau benötigten die westeuropäischen Staaten dringend Rohstoffe, die sie nur gegen Dollar vom Weltmarkt beschaffen konnten. Gleichzeitig verfügten sie aber weder über Dollar noch über andere Gold- oder Devisenreserven.

Der Marshallplan stellte daher Dollarmittel zur Verfügung, mit denen die europäischen Länder Güter aus den Vereinigten Staaten importieren konnten. Unter den ersten Nutznießern des Marshallplans befand sich also die amerikanische Exportindustrie. Begehrt waren Rohstoffe und Industriegüter, die die europäischen Volkswirtschaften benötigten, um ihre eigenen zum Teil zerstörten oder beschädigten, aber insgesamt recht leistungsstarken Volkswirtschaften wieder in Betrieb zu nehmen.

Unterschied zur heutigen Situation

Von den insgesamt 13 Milliarden Dollar, die im Rahmen des Marshallplans 16 europäischen Ländern zur Verfügung gestellt wurden, erhielt Großbritannien gut ein Viertel. Westdeutschland stand mit 1,5 Milliarden Dollar nach Frankreich an dritter Stelle der Empfängerländer. Griechenland erhielt kaum 0,4 Milliarden Dollar. Mit 12 Dollar je Kopf der Bevölkerung hatte Westdeutschland zwar im Vergleich zu den Niederlanden (45 Dollar je Kopf) im Jahr 1949 relativ niedrige Transfers erhalten, entwickelte sich aber wirtschaftlich am erfolgreichsten. Nur gut 0,5 Prozent des westdeutschen Bruttosozialprodukts machten die ERP-Hilfen dabei 1949 aus - ein Wert, der die Phantasie der heutigen Wunderheiler zusätzlich beflügelt haben könnte: Im Verhältnis zum griechischem BIP heute würde danach ein Finanzvolumen von nur einer Milliarde Euro über vier Jahre erforderlich sein.

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