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Veröffentlicht: 10.03.2016, 13:49 Uhr

Geldpolitik EZB erhöht Strafzinsen und steigert Anleihekäufe

Die Europäische Zentralbank steigert ihre Anleihekäufe massiv und sie erhöht die Strafzinsen für Banken - nun auf 0,4 Prozent. Mit den Strafzinsen passiert offenbar aber noch mehr.

© dpa An ihrem Stammsitz in Frankfurt tagt die Spitze der Europäischen Zentralbank.

Die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um ihre Geldpolitik abermals zu lockern. Die Währungshüter um Mario Draghi erhöhten zum einen die Strafzinsen für Banken abermals: Der Zins, den Geldhäuser für ihre Einlagen auf den Konten bei der Notenbank zahlen müssen, beträgt nun 0,4 Prozent. Zugleich verringerten sie den Leitzins erstmals auf null Prozent.

Außerdem kündigten sie an, die monatlichen Anleihekäufe deutlich auszuweiten - ab April sollen sie ein Volumen von 80 Milliarden Euro haben; bislang sind es 60 Milliarden Euro. Dafür erweitern die Notenbanker auch den Pool an Wertpapieren, die sie im Rahmen der Anleihekäufe erwerben können um investitionswürdige (investment grade) Schuldtitel von Unternehmen. (Zur offiziellen Mitteilung der EZB geht es hier.)

Und schließlich wird die EZB den Geschäftsbanken in diesem Jahr ab Juni vier neue mehrjährige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO II) anbieten. Banken, die ihre Kredtvergabe an die Realwirtschaft steigern oder weniger stark verringern, könnten dieses dann zu Zins-Konditionen bis in Höhe der Strafzinsen bekommen. Die Banken würden damit gleichsam dafür bezahlt, wenn sie das Geld an die Realwirtschaft ausreichen.

Inflation zu niedrig für die EZB

Damit reagierte die EZB-Führung deutlich stärker als viele professionelle Marktbeobachter zuvor für möglich gehalten hatten. Sie debattierten vornehmlich einen höheren Strafzins für die Geschäftsbanken und dessen mögliche Folgen.

Die Euro-Währungshüter zielen mit ihren Maßnahmen auf die mäßigen Wachstumsaussichten für die Währungsunion und den gesunkenen Preisauftrieb. Der Dax legte infolge der neuen Ankündigung kurzzeitug um fast 3 Prozent zu und näherte sich wieder der Marke von 10.000 Punkten. Der Kurs des Euro gab um gut ein Prozent auf 1,08 Dollar nach.

Später drehten die Märkte indes sogar ins Minus. Als ein Grund wurde angeführt, dass Draghi angeblich zu verstehen gegeben habe, dass weitere Lockerungen ausgeschlossen seien. Plausibler ist, dass der selben Zeit der Ölpreis wieder unter die Marke von 40 Dollar je Fass gefallen war und die Korrelation zwischen Ölpreis und Aktienkursen derzeit ziemlich groß ist.

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„Mit ihren heute verkündeten Maßnahmen ist die EZB ihrem monetären Kurs extrem treu geblieben“, kommentierte Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang die Entscheidung: „Allerdings zeugt das große Bündel an Maßnahmen von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter. Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat.“

„Doktor Draghi hat die Dosis deutlich erhöht. Wie von uns befürchtet, hat er die Geldpolitik der EZB leider deutlicher gelockert als die meisten erwartet hatten. Diese Geldpolitik wird kaum in der Realwirtschaft ankommen“, meinte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

Die Euro-Inflationsrate befindet sich seit etlichen Monaten deutlich unterhalb des gelegentlich umstrittenen Zielwertes der Zentralbanker. Im Februar gingen die Preise sogar im Schnitt wieder etwas zurück - wenngleich dies vornehmlich dem niedrigen Ölpreis geschuldet ist. Auf mittlere Sicht strebt die EZB eine Teuerungsrate von nahe 2 Prozent an.

© reuters EZB senkt Leitzins auf null Prozent

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