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EZB-Chefvolkswirt Praet : „Die EZB hat geliefert. Jetzt ist die Politik am Zug“

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Inflation?Schon 2014? „Das ist kaum vorstellbar“, sagt EZB-Chefvolkswirt Peter Praet Bild: Rosenkranz, Henner

Die Europäische Zentralbank ist Sorgen vor einem kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise entgegengetreten. Vier Prozent Inflation im Jahr 2014 sei kaum vorstellbar, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet im Gespräch mit der F.A.S.

          Es ist ruhig geworden rund um den Euro, Herr Praet. Ist die Euro-Krise endlich vorbei?

          Nein. Aber seit dem Sommer 2012 haben sich die Finanzmärkte tatsächlich sehr deutlich beruhigt. Der Aktienmarkt hat sich zum Beispiel deutlich erholt. Die wichtigste Veränderung ist aber eine andere. Die Gefahr einer großen Katastrophe wie ein Auseinanderbrechen des Euro wird heute als weitaus geringer bewertet als noch vor einem halben Jahr.

          Woran kann man das ablesen?

          Wenn man Angst vor Inflation oder Deflation im Euroraum hat, dann kann man dagegen eine Absicherung kaufen. Nach dem Sommer haben wir gesehen, dass der Preis, um sich gegen Deflation abzusichern, deutlich gesunken ist. Das bedeutet, dass die Marktteilnehmer sich jetzt weniger Sorgen machen, dass es eine große Katastrophe wie ein Auseinanderbrechen des Euro oder den Austritt einzelner Länder mitsamt Deflation geben könnte.

          Ja, jetzt sorgen sie sich eher vor Inflation.

          Nein, der Preis, um sich gegen Inflation zu versichern, hat sich kaum verändert. Was abgenommen hat, ist die Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euro.

          Woran sieht man das? Kann man sich dagegen absichern?

          Nein, aber italienische Firmen können ihre Anleihen zum Beispiel in Dollar oder in Euro ausgeben. Wenn Investoren nun Sorge haben, dass zum Beispiel Italien aus dem Euro geht, dann würden Anleger Anleihen einer italienischen Firma eher kaufen, wenn sie diese in Dollar herausgibt, als wenn sie das in Euro tut. Wir haben da übertriebene Preisunterschiede gesehen. Die sind jetzt fast verschwunden. Außerdem sind die Renditeabstände zwischen den Staatsanleihen deutlich gesunken.

          Ist das der Draghi-Effekt? EZB-Präsident Mario Draghi hat im Sommer versprochen, alles zu tun, um den Euro zu retten - auch Staatsanleihen schwächelnder Euroländer zu kaufen.

          Er hat gesagt, dass die EZB im Rahmen ihres Mandats alles tun wird, um den Euro zu erhalten. Das war ein starkes Signal. Ein Signal, dass wir die Situation und die Katastrophenszenarien zum Euro, auf die die Märkte schon gewettet haben, als sehr ernst anerkannt haben. Aber es war nicht nur die EZB. Es gab gleichzeitig wichtige Reformen in den Euroländern, zum Beispiel im Dezember die Bankenreformen in Spanien. Und in einer Reihe anderer Länder gab es auch Reformen. Dazu kam, dass die Regierungen der Eurozone übereingekommen sind, einige der Konstruktionsfehler der Wirtschafts- und Währungsunion zu beheben.

          Aber die EZB ist die Einzige, die die Finanzkraft hat, den Euro zu retten, komme, was da wolle.

          Die EZB hat ihre Rolle gespielt. Dadurch wurde Zeit gewonnen. Aber das ist nicht genug. Das muss mit nationalen Reformen und einer stärkeren Rolle europäischer Institutionen ergänzt werden.

          Und, wie sieht es mit den Reformen aus?

          Es geht in die richtige Richtung. In Ländern, die unter dem Rettungsschirm sind, sieht man erste Erfolge. Besonders in Irland, aber auch zum Beispiel in Griechenland und Portugal sind die Lohnstückkosten seit 2008 stark gesunken. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Irland und Portugal exportieren jetzt mehr als vor der Krise.

          Nennen Sie es eigentlich in der EZB selbst Draghi-Effekt, was da im letzten Jahr passiert ist?

          Nein. Denn diese Entwicklung wird nicht dauerhaft sein ohne weitere Strukturreformen und ohne die Regierungen, die die Konstruktionsfehler der Wirtschafts- und Währungsunion beheben. 2013 ist ein entscheidendes Jahr dafür, ein entscheidendes Jahr für Europa.

          Es ist also noch nicht vorbei.

          Nein, die EZB und die Regierungen der Eurozone, jeder in seinem Verantwortungsbereich, konnten den Teufelskreis stoppen. Nun gilt es, auch zu einer sich selbst verstärkenden positiven Entwicklung zu gelangen.

          Auf Wachstum können wir 2013 also nicht hoffen?

          Leider sind wir immer noch in einer Phase, in der die Wirtschaft in Europa schrumpft. Es gibt Leute, die sagen: Wir schrumpfen nicht mehr so stark, also wird es bald aufwärtsgehen. Ich bin hier vorsichtig: Es gibt positive Anzeichen, aber es ist noch nicht entschieden, dass wir uns am Wendepunkt zum Guten befinden.

          Wächst denn wenigstens Deutschland 2013 ein wenig?

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