http://www.faz.net/-gqe-77sne

Eurozone : Die gespaltene Währungsunion

Draghi: „In Frankreich ist der Reformbedarf besonders groß“ Bild: REUTERS

Defizit- und Überschussländer entwickeln sich immer weiter auseinander, vor allem die Schere zwischen Lohn und Produktivität besorgt EZB-Präsident Mario Draghi. Er plädiert für eine Senkung der Löhne.

          Vor dem jüngsten EU-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs klagte Frankreichs Staatspräsident laut über das angeblich deutsche Spardiktat. François Hollande forderte Wachstumsimpulse und wetterte gegen Austerität. Doch nach dem Abendessen wurden die Staats- und Regierungschefs leise. Zunächst verteilte Mario Draghi nebenstehende Grafiken. Dann trug der EZB-Präsident vor, welche Schlüsse die Zentralbank daraus zieht. Die Währungsunion sei gespalten.

          Länder wie Deutschland seien wettbewerbsfähig und kostengünstig. In anderen lasse die Produktivität zu wünschen übrig, seien die Lohnkosten zu hoch. In der Eurozone entwickeln sich seit 1999 die Defizit- und Überschussländer wirtschaftlich immer weiter auseinander. Das zeigt etwa der Vergleich von Deutschland mit Frankreich und Italien. In Frankreich stiegen die Löhne doppelt so stark; in Italien blieb die Produktivität fast stehen.

          Die Lösung könne nicht sein, dass gesunde Länder wie Deutschland mehr ausgäben. Die Schere zwischen Lohn und Produktivität müsse geschlossen werden, indem andere Länder die Arbeitskosten senken. Draghi sagte ausdrücklich, wo der Reformbedarf besonders groß ist: in Frankreich. Hollande schwieg.

          Bild: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Brüssel, Paris, Berlin und das Geld

          EU-Kommentar : Brüssel, Paris, Berlin und das Geld

          Der französische Präsident Emmanuel Macron prescht mit seinen EU-Plänen vor, aus Berlin kommt nur „Weiter so“. Die beiden Länder sollten endlich wieder mehr über Haftung und Kontrolle in der Währungsunion reden.

          Wirtschaftsboom nimmt ab Video-Seite öffnen

          Gedämpfte Stimmung : Wirtschaftsboom nimmt ab

          Die Hochstimmung in den deutschen Chefetagen sei vorüber, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Viele Firmen hätten Kapazitätsgrenzen feststellen müssen. Es gebe jedoch ein Gewerbe, das gegen den Trend läuft.

          Topmeldungen

          AWI-Forscher bergen eine der Messbojen aus dem Meereis.

          Müll-Rekord in der Arktis : Die unheimliche Plastikschwemme

          Plastikfunde im Meer können niemanden mehr überraschen, aber so viel, wie jetzt sogar in entlegenen Winkeln des eisigen Nordens gemessen wurde, hat bisher kaum jemand für möglich gehalten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.