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Europas Schuldenkrise : Einmal Euro, immer Euro

Nicht geregelt: Ein Austritt aus dem Euro-Raum Bild: Alfons Holtgreve

Es gibt keine Regel für einen Austritt aus der Währungsunion. Das sorgt für Instabilität. In Deutschland wirkt das Prinzip vielen Bürgern zudem als Drohung.

          Auf immer und ewig! Mit diesem Versprechen traten die Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion 1999 in den Bund des gemeinsamen Geldes ein. Der Maastricht-Vertrag, der dem Euroraum zugrunde liegt, sieht ausdrücklich keine Möglichkeit vor, dass ein Euro-Staat wieder austritt. Wie ein unauflösliches Eheversprechen sollte der Verzicht auf eine Auflösungsklausel damals die Ernsthaftigkeit des Willens unterstreichen und den Beginn einer glücklichen Beziehung anzeigen. Heute freilich wirkt das Prinzip des „Einmal Euro, immer Euro“ vielen Bürgern in Deutschland als Drohung.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Regierungen im Euroraum halten unverdrossen an der Unauflöslichkeit der Beziehung fest. In den drei Jahren der Euro-Schuldenkrise sind die Momente selten, in denen gedroht wurde, Griechenland einfach aus dem Euroraum herauszuwerfen. Die Bundeskanzlerin sprach davon einmal im Frühjahr 2010 und dann nie mehr. Die Angst, mit dem Abgang Griechenlands könne es gleich die ganze Währungsunion zerreißen, ist groß, nicht nur in Europa.

          Zynische Erinnerungen an ein altes Versprechen

          Unter dem Druck auch der Vereinigten Staaten und großer Schwellenländer haben die Europäer sich verpflichtet, alles zu unternehmen, damit der Euroraum als Ganzes erhalten bleibe. Zyniker erinnert das Versprechen an die Worte des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagte Ulbricht im Mai 1961. Zwei Monate später war es dann so weit, und die DDR riegelte West-Berlin ab.

          Die politische Vorgabe, Griechenland und andere Krisenstaaten um jeden Preis im Euroraum zu halten, spiegelt sich in vielen wissenschaftlichen Vorschlägen zur Lösung der Euro-Schuldenkrise wider. Den Vorschlägen zu Euroanleihen oder gemeinsamen Schuldenfonds, zur Bankenunion oder zur Fiskalunion ist gemein, dass sie die Krise durch eine weitere Vergemeinschaftung von Politikbereichen im Euroraum lösen wollen. Phantasielos, aber mit viel idealistischem Wunschdenken besteht der Kern dieser zentralistischen Ideen darin, vergleichend Maß zu nehmen am Dollarraum der Vereinigten Staaten und die Europäische Währungsunion dem großen Vorbild nachzubauen.

          Klüger scheint es, die Währungsunion schlicht als das zu nehmen, was sie - im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten - ist: ein Bund eigenständiger Nationalstaaten, die sich unter einem gemeinsamen Währungsdach zusammengefunden haben. Die Ökonomen Christian Fahrholz (Jena) und Cezary Wójcik (Warschau) wählen in einer spieltheoretischen Analyse diesen nüchternen Ansatz. Die Stabilität des Euro und des Euroraums ist dabei ein öffentliches Gut, zu dem im Idealfall alle Euro-Staaten mit einer soliden Finanzpolitik und einem gesunden Bankensektor beitragen. Weil die Stabilität der Währungsunion jedem Mitgliedstaat nutzt, hat jede Regierung im Euroraum ein Interesse, dazu auch finanziell einen Beitrag zu leisten - natürlich nur in einem gewissen Ausmaß.

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