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Bertelsmann-Studie : Europa ist wieder ein bisschen gerechter

  • Aktualisiert am

„Pulse of Europe“ - in Frankfurt gehen Menschen für Europa auf die Straße (unser Bild zeigt eine Veranstaltung aus dem Januar dieses Jahres). Bild: dpa

Der Aufschwung in Europa hat Folgen: Auf dem Kontinent geht es wirtschaftlich gerechter zu, haben Fachleute der Bertelsmann-Stiftung ermittelt. Das gilt aber nicht überall gleichermaßen.

          Europa ist nach Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder sozial gerechter geworden. Zu diesem Ergebnis kommen Fachleute der Bertelsmann-Stiftung in einer an diesem Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. „In der breiten Mehrzahl der EU-Mitgliedstaaten zeigt sich nach Jahren der Abwärtsbewegung wieder ein Aufwärtstrend in Sachen sozialer Gerechtigkeit“, heißt es darin. Die Arbeitsmärkte hätten sich erholt, die Armut und das Risiko, dorthin abzurutschen, habe etwas abgenommen, wenn auch nicht überall. In den Bereichen Bildung, Gesundheit und Generationengerechtigkeit sei es vielerorts vorangegangen. Allerdings gebe es immer noch starkes Nord-Süd-Gefälle.

          Spitzenreiter nach dem von der Stiftung errechneten Index für soziale Gerechtigkeit sind die drei skandinavischen Länder Dänemark, gefolgt von Schweden und Finnland. Deutschland liegt mit Rang sieben wie in den Vorjahren in der erweiterte Spitzengruppe und profitiert damit besonders von seiner günstigen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsentwicklung. Schlusslicht ist Griechenland.

          Deutschland belegt Spitzenplätze

          Die Daten zur Arbeitslosigkeit hätten sich in 26 der 28 EU-Länder verbessert. „Doch die Erholung in Sachen sozialer Gerechtigkeit verläuft in zwei Geschwindigkeiten“, schränken die Forscher jedoch ein. Gerade in Südeuropa seien Kinder und Jugendliche weiterhin überdurchschnittlich stark von Armut und Ausgrenzung betroffen.

          Verschlechterungen habe es in jüngster Zeit insbesondere bei der Bildung und dem Zugang dazu in Ländern mit eher nationalistischen Regierungen gegeben, sagte der Studien-Mitautor Daniel Schraad-Tischler – und nennt etwa Polen und Ungarn. Das ändert aber nichts daran, dass Polen mit einem Indexzuwachs von 1,36 Punkten seit dem Jahr 2008 den größten Sprung nach vorne machte unter den EU-Ländern.

          In Deutschland sehen die Autoren ebenfalls eine insgesamt positive Entwicklung. Vor allem wenn es um die Zahl der Arbeitslosen und Beschäftigten geht, belegt Europas größte Volkswirtschaft Spitzenplätze. Dennoch gebe es auch in Deutschland neben viel Licht einigen Schatten, bemängelten die Autoren. Sie kritisieren Defizite in der Armutsbekämpfung, etwa beim Armutsrisiko für ältere Menschen. Auch im Bereich der Bildungsgerechtigkeit gebe es Mängel.

          Insgesamt habe die durchschnittliche EU-Arbeitslosenquote im Jahr 2016 auf 8,7 Prozent von elf Prozent im Jahr 2013 abgenommen. Durch den positiven Beschäftigungstrend habe auch das Risiko von Armut und soziale Ausgrenzung leicht abgenommen. Bedroht davon seien aber immer noch 117,5 Millionen Menschen. Überdurchschnittlich gelte das für frühere und aktuelle Krisenländer wie Griechenland, Spanien und Italien.

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