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Veröffentlicht: 10.05.2013, 06:24 Uhr

Eurokrise und ihre Folgen Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht wesentlich auf dem durch die Krise schwachen Euro. Endet die Krise der Währungsunion, dann wertet die Gemeinschaftswährung stark auf - und viele Arbeitsplätze drohen verlagert zu werden.

© AP Mario Draghi hat gerade in Bratislava den neuen Fünf-Euro-Schein vorgestellt.

Ich beginne mit zwei Beobachtungen. Erstens: Das populärste Argument der deutschen Befürworter des Euro ist dieses: Wenn wir zur D-Mark zurückkehren würden, wäre diese auf dem Devisenmarkt so stark, dass unsere Exporte einbrechen würden und damit unsere gegenwärtige Prosperität zu Ende wäre. Zweitens: Seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 kann sich der deutsche Fiskus zu einem negativen Realzins verschulden. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt unter der Inflationsrate.

Hinzu kommt, dass der Fiskus auf die nominellen Zinseinnahmen seiner Gläubiger Steuern erhebt. Nach Steuern liegt die Realverzinsung von Bundesanleihen bei minus 1 Prozent oder noch darunter. Der Gläubiger bekommt weniger zurück, als er gegeben hat. Die Schuldner, also Bund, Länder und Kommunen, geben weniger zurück, als sie an Kredit erhalten haben. Es gibt zwei konkurrierende Hypothesen zur Erklärung dieser sehr niedrigen Zinsen. Die eine ist die, dass es sich um ein Krisenphänomen handelt, das mit der Überwindung der Staatsschuldenkrise im Euroraum und der Weltfinanzkrise wieder verschwinden wird.

Die andere Erklärung ist die, dass wir in ein neues Zeitalter eingetreten sind, in dem der private Sektor der Weltwirtschaft selbst bei einem Nullzins tendenziell einen Überhang der Ersparnisbildung über die Investitionstätigkeit aufweist, so dass bei der weltweit zu beobachtenden Anstrengung der Staaten, ihre Schulden nicht weiter anwachsen zu lassen, hohe Beschäftigung nur durch negative Realzinsen, also Inflation, gewährleistet werden kann.

Das Friedman- und das Keynes-Szenario

Diesen beiden konkurrierenden Hypothesen entsprechen gegensätzliche Rezepturen. Liegen gemäß der ersten Hypothese die niedrigen Zinsen an der Verunsicherung, die aus der Euro-Staatsschuldenkrise resultiert, dann ist es gerade der Abbau der Staatsschulden, der in den früheren Normalzustand zurückführt, in dem der Gläubiger einen Nettoertrag (nach Steuern) auf seine Staatsanleihen bekommen hat. Haben die Anhänger der zweiten Hypothese recht, so ist unter Bedingungen annähernder Preisstabilität eine Staatsschulden-Konsolidierungspolitik aller Staaten zum Scheitern verurteilt, weil dann der Überhang der privaten Ersparnis über die privaten Investitionen die Wirtschaft in eine Rezession führen muss, in der der Abbau der Staatsverschuldung erst recht nicht gelingen kann.

Bei der zweiten Hypothese ist auch zu erwarten, dass das von den Zentralbanken festgelegte Nominalzinsniveau auf Dauer bei null verharren wird, um die Konjunktur, soweit möglich, zu stützen. Im Folgenden stelle ich zwei Szenarien der Wechselkursentwicklung dar, die den beiden Erklärungshypothesen der niedrigen Zinsen entsprechen. Das orthodoxe Szenario nenne ich das Friedman-Szenario. Es entspricht der ersten Erklärungshypothese, die die Niedrigzinsphase als vorübergehendes Krisenphänomen erklärt. Das heterodoxe zweite Szenario nenne ich das Keynes-Szenario.

Es entspricht der Hypothese, dass es bei Preisstabilität ohne erhebliche und permanente staatliche Nettoneuverschuldung nicht möglich ist, Prosperität herzustellen. Bei weiter fortgeführter weltweiter Austeritätspolitik der Staatshaushalte können die Realzinsen nicht ansteigen, weil die Zentralbanken gegen den Überhang der Spartätigkeit über die Investitionstätigkeit dauerhaft ankämpfen müssen. Milton Friedman hat lange vor dem Zusammenbruch des Regimes fester Wechselkurse im Jahre 1973 schon flexible Wechselkurse propagiert. Im Friedman-Szenario ist ein Regime flexibler Wechselkurse durchaus sinnvoll.

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